Stand: 11.11.2018 10:35 Uhr

Itzehoe zeigt Ausstellung über Schneekatastrophe

von Peter Bartelt

Fast 40 Jahre ist es her, da versank Schleswig-Holstein zum Jahreswechsel unter Tonnen von Schnee. Die Schneekatastrophe von 1978 hatte das Land buchstäblich eiskalt erwischt. Vier Tage lang schneiet es fast ununterbrochen. Dörfer waren tagelang abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Stromversorgung, auf sich allein gestellt. Die Behörden überfordert, geeignete Räum- und Rettungsfahrzeuge waren nicht vorhanden, Ausnahmezustand. An diese dramatischen, aber auch beeindruckenden Tage erinnert eine Ausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe.

Erinnerungen an die Schneekatastrophe 1978/79

Temperatursturz, Eisregen, Schneesturm

Es sind die Bilder der Ausstellung, die die Erinnerung zurückholen von damals,  Weihnachten 1978. Erinnerungen an Familien, die bei Kerzenschein besinnlich beisammen sitzen. Doch über der Ostsee braut sich etwas zusammen. Und am 28. Dezember bricht der Sturm los: Temperatursturz, Eisregen, und dann kommt der Schnee, der vom orkanartigen Ostwind in dichten Wolken übers flache Land getrieben wird. Vier Tage lang, der Verkehr bricht zusammen, die Versorgung mit dem Nötigsten, vor allem auf dem Land, ist nur noch mit Panzern oder aus der Luft möglich. Und hinter jedem dieser Fotos steckt eine kleine Geschichte, so wie die von Maritta Hoffmann aus Neumünster, sie war schwanger und sie sollte zur Entbindung nach Kiel, doch dann kam der Schnee. "Wir waren so zugeschneit", erzählt sie. "Ohne Schneeräumpanzer wäre ich aus der Seitenstraße im Wohngebiet in Neumünster-Gadeland, in der nicht geräumt war, nicht rausgekommen - da hätte ich Hilfe gebraucht."

GPS oder Handy gab es noch nicht

Weitere Informationen

1978/79: Schneekatastrophe legt Norden lahm

Extreme Schneefälle mit Verwehungen legen im Winter 1978/79 den Norden lahm. Autobahnen und Landstraßen sind unpassierbar, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Rückblick. mehr

Für solche oder ähnliche Notfälle waren Hubschrauberpilot Dieter Roeder und seine Kollegen von der Bundeswehr zuständig. Doch Hilfsmittel wie GPS oder Handy gab es noch nicht. Da war Improvisation angesagt. "Der Schnee hatte sämtliche Strukturen, die eine vernünftige terrestrische Navigation ermöglicht hätten, komplett genommen", erzählt Roeder. "Also musste man gucken: 'Da winkt einer - das könnte der gesuchte Hof sein'. Wir haben die Polizisten aufgefordert, ihre Dienstflaggen auszulegen. Das Schwarz-Rot-Gold war im Schnee gut zu sehen, damit wir auch die richtigen Leute durch die Gegend flogen."

Bilder wecken Erinnerungen und Emotionen

Die Bilder in der Ausstellung erzählen von diesen Geschichten und für Museumsleiterin Miriam Hoffmann war es wichtig, Fotos zu finden, die das transportieren. "Es sind ja keine greifbaren Dinge, die daran erinnern", sagt sie. "Es sind Bilder. Und die wiederum rufen Erinnerungen und Emotionen hervor. Es würde mich freuen, wenn die Leute die Ausstellung verlassen und sagen: 'Das hat mir gut gefallen, ich habe mich an damals erinnert.'"

Herbert Matys aus Glückstadt war mit seiner Super-8-Kamera unterwegs, entstanden sind Bilder irgendwo zwischen Katastrophe und Faszination für die weiße Pracht. "Da sieht man, dass die Autos von Schnee zugedeckt sind - und hier bin ich mit meiner Frau im Außendeichgelände, da konnte man den Weg gar nicht sehen. Der Schnee war zweieinhalb, drei Meter hoch", beschreibt er die Bilder.

Pferdeschlitten statt Auto

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Und so gibt es auch Aufnahmen, voller Nostalgie und Schönheit, so wie das Lieblingsbild von Miriam Hoffmann. "Das ist eine Szene aus Husum", sagt sie. "Wir sehen einen Pferdeschlitten, vor den ein Pony gespannt ist und auf dem ein älterer Herr vermutlich mit seinem Enkel auf dem Schlitten sitzt. Sie fahren über eine Straße und daneben steht ein Auto, das bei diesem Schneesturm nicht weiterfahren kann."

Nur eine kleine Episode, ein zufälliger Schnappschuss voll Harmonie aus diesen dramatischen Tagen. Und auch die Geschichte von Maritta Hoffmanns Schwangerschaft hat ein versöhnliches Ende. "Es war eine ganz problemlose Geburt, die Sonne schien und aus dem Fenster der Frauenklinik in Kiel sah ich den Schnee glitzern - und das war einfach ein ganz toller Tag." Die Schneekatastrophe von 1978: ein Ereignis, das für viele in Erinnerung geblieben ist. Mit dramatischen, aber auch herzerwärmenden Geschichten, die die Bildern dieser Ausstellung in Itzehoe erzählen.

Itzehoe zeigt Ausstellung über Schneekatastrophe

Im Winter vor 40 Jahren versinkt der Norden im Schnee. In meterhohen Verwehungen bleiben Hunderte Fahrzeuge auf Straßen und Autobahnen stecken. Eine Ausstellung in Itzehoe weckt Erinnerungen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kreismuseum Prinzeßhof
Kirchenstraße 20
25524  Itzehoe
Telefon:
04821/64068
E-Mail:
prinzesshof[at]steinburg.de
Preis:
Erwachsene 3 Euro, Kinder 1,50 Euro, Familienkarte 6 (2 Erwachsene u. Kinder)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10:00 -12:00 Uhr und 14:30 -17:00 Uhr, geöffnet am 25. + 26.12.2018, geschlossen am 31.12.2018 und 01.01.2019
Hinweis:
Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung:
Termine: 25.11. 2018 / 16.12. 2018 / 13. 01. 2019 / 17. 02. 2019
jeweils um 11:00 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 08.11.2018 | 20:05 Uhr

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