Blick auf das Otto Modersohn Museum in Fischerhude. © picture-alliance/ dpa/dpaweb | Ingo Wagner Foto: Ingo Wagner

Dem Otto-Modersohn-Museum reicht's: "Wir öffnen!"

Stand: 02.03.2021 08:05 Uhr

Viele Museen und Kulturschaffende verlieren langsam die Zuversicht, dass sie ihr Häuser bald wieder öffnen können. Das geht auch dem privaten Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude so.

von Maren Momsen

Uns reicht's mit Shutdown und Lockdown, sagen jetzt dessen Geschäftsführer. Die neue Ausstellung wartet seit Monaten auf ihre Besucher. "Wir werden am 1. April wieder öffnen - ob wir dürfen oder nicht!", sagt Rainer Noeris. Fast trotzig klingt der Ausstellungsmacher, wenn er über seine Pläne spricht, das private Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude im April wieder zu öffnen. Natürlich will Noeris die Corona-Regeln einhalten - aber er möchte eben auch endlich sein Museum wieder öffnen.

Antje Modersohn steht in Fischerhude vor dem Otto-Modersohn-Museum. © picture alliance /dpa | Carmen Jaspersen Foto: Carmen Jaspersen
Antje Modersohn, Enkelin des Worpsweder Malers Otto Modersohn, vermisst die Besucher.

In dem Museum nahe der Wümme sei genug Platz, um einzelne angemeldete Besucher hineinzulassen, sagt er. Da fast alle Besucher des Otto-Modersohn-Museums ohnehin einzeln mit dem Auto anreisten, sei es für ihn und seine Frau Antje Modersohn auch kein Problem, die Besucherströme zu steuern: "Dass wir ab 1. April für die Besucher, die sich vorher bei uns telefonisch melden, Einlass geben - an einzelne Besucher oder an Kleingruppen von maximal 3 Personen, die sich dann hier frei im Museum bewegen und sich die Bilder anschauen dürfen."

Museen: Orte der Kontemplation und des Trostes

Geplant sind also drei Besucher auf den 550 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Da ist das Ansteckungsrisiko minimal, ist sich der Museumsleiter sicher. Außerdem möchten Noeris und seine Frau Antje Modersohn den Besuchern endlich ihre bereits seit Mitte Januar fertiggehängte Ausstellung "Sehen - Fühlen - Machen" mit den Hauptwerken des Malers Otto Modersohn zeigen - und das täte nicht nur dem Museum, sondern auch den Besuchern gut: "Man muss einfach sagen: Ein Museum ist keine Freizeiteinrichtung. Letztlich ist es in diesen Zeiten auch ein Ort, in dem man Kontemplation und Trost suchen kann - und ich glaube, dass das in diesen Zeiten nicht unwichtig ist."

Das spürt auch seine Frau Antje Modersohn, die mit den vielen Freunden des Museums in der Corona-Zeit den Kontakt hält. Denen möchte sie gern eine Freude machen: "Ja, manche sind sehr traurig und rufen uns auch an: Geht es jetzt wieder? Dürfen wir mal kommen? Auf Anmeldung wäre schon vieles möglich - und man könnte die Zeiten dann ja einteilen." Auch ihr selbst würde das gefallen, sagt Modersohn. Sie vermisst den Kontakt zu den Besuchern sehr: "Ich glaube, das ist das größte Problem - diese Einsamkeit, die wir hier erleben - diese Stille, die jetzt hier die Bilder umgibt und unser Museum hier so völlig aus der Zeit gefallen scheint. Wie im falschen Film fühlt man sich."

Ausstellung: Meisterwerke von Otto Modersohn

Die Ausstellung, die jetzt im Museum auf die Besucher wartet, ist jedenfalls ein Leckerbissen: die Meisterwerke von Otto Modersohn! Gespeist aus den eigenen Beständen des Museums - denn auf kostspielige Ausleihen mögen sich die Leiter in diesen unsicheren Zeiten nicht einlassen. Besonders nach den Corona-Erfahrungen mit der letzten Sonderschau "Otto Modersohn und Per Kirkeby: Natur in der Malerei", die nur einen Monat gezeigt werden durfte: "Das war eine sehr teure Ausstellung mit sehr hohen Versicherungskosten, sehr hohen Transportkosten. Und so was können wir uns auf Verdacht in diesem Herbst nicht leisten, wenn wir keine Sicherheit haben".

Dabei ist Antja Modersohn eigentlich klar, was sie den Besuchern in den nächsten Monaten zeigen möchte: "Wir werden im Winter die Winterausstellung machen - wir haben vor, die Zeit von 1926 bis '32 zu zeigen. Aber dafür brauchen wir dann auch wieder viele Leihgaben aus Privatbesitz. Und um die zu holen, werden wir dann mit dem Auto kreuz und quer durch Deutschland fahren müssen. Und ob das dann geht, das wissen wir jetzt natürlich noch nicht."

Notfalls werden die Hauptwerke Otto Modersohns ein paar Monate länger gezeigt, sagen die Museumsleiter. Hauptsache, sie können überhaupt wieder gezeigt werden!

Weitere Informationen
Otto Modersohn, um 1900 in seinem Atelier. © CM Film Berlin / Otto Modersohn Museum, Fischerhude

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 02.03.2021 | 15:20 Uhr

Otto Modersohn, um 1900 in seinem Atelier. © CM Film Berlin / Otto Modersohn Museum, Fischerhude

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