Eine Frau steht am im Archäologischen Museum in Hamburg-Harburg vor einer Leuchttafel mit einer Karte der Festung Harburg © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Was passiert hinter den Türen der geschlossenen Museen?

Stand: 19.01.2021 06:00 Uhr

Ein Ende des derzeitigen Lockdowns ist nicht in Sicht - also bleiben auch die Museen weiter geschlossen. Hinter den Kulissen wird zwar emsig weiter geforscht und restauriert, doch die aktuellen Ausstellungen stauben ein.

von Kerry Rügemer

Im Archäologischen Museum in Harburg sind es die Gladiatoren, die dort jetzt einsam und im Dunkeln vor sich hin brüten. Eigentlich sollte die Ausstellung letzten Monat beendet werden. Was ist dort jetzt geplant und wie soll es weitergehen? "Uns fehlen seit Monaten die Besucher, also der Trubel in der Bude", sagt Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss. "Verwaiste Ausstellungen - das ist frustrierend. Aber: Ein Museum ist ein Depot mit angeschlossenem Ausstellungsraum."

Gladiatoren-Ausstellung bis 17. Oktober verlängert

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Rainer-Maria Weiss geht es wie derzeit vermutlich allen Museumsmenschen. Arbeit haben er und seine Mitarbeiter hinter den geschlossenen Türen aber genug. Die Gladiatoren-Ausstellung ist jetzt bis zum 17. Oktober verlängert. Genug Zeit also, um sich auf die nächste Ausstellung vorzubereiten: "Frühe Burgen in Hamburg - eine Spurensuche". "Burgen mit Zinnen und Türmchen - das haben wir in Hamburg überhaupt nicht", sagt Weiss. "Was wir aber haben, das sind hochspannende Burgen des 9., 10., 11. und 12. Jahrhunderts, von denen man oberirdisch quasi keine mehr sieht, die aber archäologisch voll und ganz vorhanden sind."

Bei Nikolaikirche: Gut erhaltene Burg tief unter der Erde

Tief in der Erde, unter Gebäuden und Straßen liegen diese alten Burgen, die wegen des Mangels an Steinen aus Holz und Lehm gebaut wurden. Wie zum Beispiel die Neue Burg im Bereich der Nikolaikirche, mitten in Hamburg. "Unter dieser modernen Großstadt haben wir praktisch aufrecht stehend die fünf Meter hohen Wälle der Neuen Burg freilegen können, die dort in einer einzigartigen Erhaltung perfekt konserviert vorhanden sind - und das, obwohl der Große Brand darüber gegangen ist - und der Zweite Weltkrieg bis hin zu modernen Baumaßnahmen", erklärt Weiss. "Wir sind ziemlich von den Socken, wie gut dort die historische Substanz erhalten ist."

Der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt
Der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss, plant in seinem Haus die Ausstellung "Frühe Burgen in Hamburg - eine Spurensuche".

Burgen, die eigentlich nicht mehr sichtbar sind - deshalb soll es in der Ausstellung vor allem um das Leben rund um die Burgen damals gehen: "Wer hat sie errichtet? Wer waren die Bauherren? In welche kriegerischen oder friedlichen Prozesse war man eingebunden? Welche Machtgefüge herrschten?" Das verraten Briefe, Urkunden, Dokumente, Archivalien, sodass man nicht nur ein paar archäologische Brösel sieht, sondern das 10., 11. und 12. Jahrhundert wirklich vor dem geistigen Auge wieder erstehen können", erläutert Weiss.

Diese Ausstellung stammt komplett aus dem eigenen Haus, ohne Leihgaben, die irgendwann zurück gegeben werden müssen. Deshalb hat Weiss auch keine Angst vor erneuten Umplanungen wegen Corona.

Kunsthalle und MARKK warten auf Wiedereröffnung

Ganz anders sieht es derzeit zum Beispiel in der Kunsthalle aus: Dort wartet die neue, über Jahre geplante De-Chirico-Ausstellung auf ihre Eröffnung. Die vielen Leihgaben aus der ganzen Welt müssen im April zurück gegeben werden. Und im MARKK schlummert die fertige Seidenstraßenausstellung unter Papierhauben. Überall also: sehnsüchtiges Warten auf eine Wiedereröffnung der Museen!

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 18.01.2021 | 19:00 Uhr