Eingang des Thalia Theaters © IMAGO / Hanno Bode Foto: Hanno Bode

Thalia Theater mit viel jugendlicher Energie in neue Spielzeit

Stand: 11.06.2021 12:27 Uhr

Das Thalia Theater hat seinen Spielplan für die neue Saison vorgestellt. Intendant Joachim Lux nennt es, "nach einem schweren Crash wieder laufen lernen" - mit viel Internationalität und noch mehr jugendlicher Energie. 

von Peter Helling

"Wir haben uns gedacht, wir lassen uns nicht Bange machen, wir wollen zurück ins Leben, wir wollen hinaus ins Offene, wie es bei Hölderlin heißt", so Intendant Joachim Lux. Ins Offene, zurück in die Stadt, zurück in die Welt. Dafür verspricht der neue Spielplan 19 Premieren, acht davon werden wegen Corona nachgeholt.

Die dritte Spielzeit unter dem Vorzeichen der Pandemie soll, sagt Intendant Joachim Lux, das Leben feiern: "Wir wollen träumen, wir wollen das Leben feiern, wir wollen das Theater auch als Schutzraum vor den Zumutungen von Wirklichkeit behaupten" und: bloß keine Stücke über Corona, sagt Lux. Stattdessen: Party. Mit rasenden "Grime"-Beats aus London.

Sybille Bergs "GRM Brainfuck" kommende Saison im Thalia Theater

Im sogenannten Musical "GRM Brainfuck" von Sybille Berg kommt ein Stück wie ein Sprengsatz auf die Bühne, sagt Chefdramaturgin Julia Lochte. Es gehe, sagt sie, um die Jungen, auf der Bühne, aber auch im Publikum: "Wie bei Sybille Bergs 'GRM'. Das ist ein Perspektivwechsel, der ist ganz wichtig, wenn man sagt, wir haben uns gerade in der Kunst der Solidarität als Gesellschaft geübt, dann weiß man aber auch, wo das gar nicht hingehauen hat, und ich finde, die jungen  Menschen in ihrer Lebens-Sehnsucht sind jetzt absolut dran. Da braucht es einen Schub von allen Seiten der Gesellschaft für die junge Generation."

Die Jungen, die Kinder, alte, traurige, einsame, auch verratene tauchen überall im neuen Spielplan auf, freut sich Joachim Lux: "Das finde ich interessant in der Situation, in der wir jetzt sind, wo wir so begrenzt und so selbstdiszipliniert, kastriert so durch die Gegend rennen, und die Freiheit des Kindlichen in seinem Blick auf die Welt, das könnte vielleicht Heilung befördern."

Echte Hamburger Theatersensation mit Haratischwili und Steckel

Wie mit "Der Idiot" nach dem Roman von Dostojewskij über einen kindlichen Helden, der an das Gute glaubt, inszeniert von Johan Simons. Und mit Michael Thalheimer kehrt ein alter Bekannter des Thalia Theaters zurück, er führt im Oktober Regie bei Schillers "Die Räuber", das vor junger Energie nur so strotzt.

Das Leben feiern, sagt Julia Lochte, heiße nicht, die traurigen Seiten auszuklammern: "Wenn Nino Haratischwili Romane schreibt, dann ist das Leben gefeiert, aber gleichzeitig der Tod überhaupt nicht außer Acht gelassen, die Endlichkeit, die Verwerfungen." Nino Haratischwilis noch unveröffentlichter Roman "Das mangelnde Licht" wird im Februar von Jette Steckel uraufgeführt - das ist eine echte Hamburger Theatersensation.

Internationaler Spielplan mit Regieteams aus Japan, Polen und Island

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov, der lange in Moskau unter Hausarrest gestanden hat, inszeniert mit "Der Schwarze Mönch" eine Geschichte über den Menschen als Herdentier. Nach seinem "Nabucco" an der Staatsoper ist es seine zweite Regiearbeit in Hamburg.

Auffällig, wie international der Spielplan ist. Regieteams aus Japan, dem Iran, aus Russland, Polen, Ungarn und aus Island: "Das war uns wichtig, weil das tut so weh, dass wir das eineinhalb Jahre haben canceln müssen. Und ich finde, es tut auch Hamburg gut, und es tut auch dem Thalia Theater gut, weil es ja fast ein Alleinstellungsmerkmal, zumindest in dieser Stadt ist."

Spielplan soll Publikum zurück ins Thalia Theater locken

Mit drei Stücken zum Thema Migration startet das Thalia auf der kleinen Bühne in der Gaußstraße: Amir Reza Koohestani wartet gerade noch in Teheran auf sein Visum, um ausgerechnet den Exilroman "Transit" von Anna Seghers zu inszenieren. Das echte Leben trifft auf die Kunst. Und schon am 22. August startet die Saison mit der Uraufführung von "Herkunft" nach dem Roman von Saša Stanišić.

Dieser internationale und vielfältige Spielplan soll das Publikum zurück ins Thalia Theater locken. "Das ist wie das Wasser, das sucht sich dann seinen Weg, und ich glaube, dass das Publikum wiederkommt, dieses Erlebnis, gemeinsam atmend, einem Theaterstück beizuwohnen, dieses Live-Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen", glaubt Julia Lochte. Und Joachim Lux verspricht dem Publikum: "Gute künstlerische Arbeit und noch bessere Gastfreundschaft als bisher gegenüber dem Publikum."

 

Weitere Informationen
Das Hamburger Thalia Theater von außen © Thalia Theater

NDR Kulturpartner: Thalia Theater

Der gesellschaftspolitisch ausgerichtete Spielplan des Thalia Theaters vereint Uraufführungen, Klassiker und Gastspiele sowie internationale Projekte und Festivals. extern

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.06.2021 | 19:00 Uhr