Stand: 29.09.2017 15:22 Uhr

Peter-Saul-Ausstellung: Bilder wie ein Rausch

von Kerry Rügemer

Der US-amerikanische Künstler Peter Saul gilt als Vorreiter des "bad paintings", also von schlechten Bildern. In Deutschland wenig beachtet, zeigen die Hamburger Deichtorhallen jetzt in der Sammlung Falckenberg in Harburg Bilder des Querdenkers. Der 83-jährige Kalifornier, der heute in New York lebt, ist eigens zur Eröffnung angereist.

Sein Werk ist eine Mischung aus PopArt, Surrealismus und abstrakten Expressionismus - so man seine Kunst überhaupt einordnen kann. Die Ausstellung "Peter Saul" ist eine Übernahme aus der Frankfurter Schirn Kunsthalle und zeigt rund 60 Arbeiten Sauls: vom Frühwerk in den 50er- und 60er-Jahren bis zu Bildern aus den 2000er-Jahren.

Intensive, grelle Farben wie im Rausch

Es ist wie ein psychedelischer Rausch, diese bunten Bilder zu betrachten. Superman, gesichtslos in einer Gefängniszelle, daneben ein Hund, dessen Zunge tief im Klobecken Wasser schlabbert - alles in sehr intensiven, grellen Farben. Saul sagt dazu: "Ich möchte, dass die Farben auf einem Gemälde mindestens so stark und kräftig sind, wie die Farben im Fernsehen oder Magazinen. Die meisten Medien haben viel mehr Macht, als so ein Gemälde."

Peter Sauls närrische politische Statements

Die Initialzündung für seine bunten, oft an Comics erinnernden Bilder, hatte er 1958. Zu dieser Zeit lebte er in Europa und las in Paris eine Ausgabe des amerikanischen Satiremagazins "MAD". "Das inspirierte mich, Geschichten zu erzählen. Aus unerklärlichen Gründen haben amerikanische Künstler zu der Zeit keine Geschichten mit ihrer Kunst erzählt. Kunst war damals sehr formal."

Immer eine Prise böser Humor

Die teilweise schrillen Farben, verzerrten Gesichter und seltsamen Figuren sind regelrecht laut - man kann nicht einfach so an ihnen vorbei gehen. Oft sind die Bilder kritisch, wenn auch immer mit einer Prise bösem Humor: Da sieht man Ex-Präsident George Bush, der dämlich grinsend seinen Zeigefinger in einen vollkommen deformierten Kopf an einem Strick steckt. Der Titel: "Bush in Abu Ghraib", dem Foltergefängnis der USA.

"Ich mag Rebellion"

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Schon seit den 60er-Jahren macht der US-amerikanische Maler Peter Saul mit seiner närrischen Malerei, die Pop-Art, Surrealismus und Expressionismus vereint, auf politische und soziale Missstände aufmerksam (in seinem Studio in Mill Valley, 1973).

Zeit seines Lebens war Saul ein Außenseiter, in seiner Kunst wie auch als Mensch: "Aufstand, Rebellion - das ist mir ein inneres Bedürfnis, das macht mich glücklich. Ich mag Rebellion. Ich bin überhaupt kein wütender Mensch - ich mag Rebellion einfach, ganz ohne Grund! Sie ist einfach gut, romantisch - und Frauen mögen das."

Seine Bilder galten einst als zu grell, geschmacklos. Aber die großformatigen Werke erzählen klar Geschichten, die Jeder versteht - fast wie Comics eben. Da liegt auch mal eine Ente auf dem Boden und demoliert sich den Kopf mit einem Riesenphallus. "Eine sehr merkwürdige Art zu sterben", hat Peter Saul das Werk genannt. Schlechte Kritiken hat er viele bekommen. Gestört hat es ihn nicht: "Ich liebe schlechte Kritiken. Meistens muss ich lachen." Peter Saul  ist bis heute ein zufriedener Querdenker und -maler und ein wunderbarer Erzähler.

Die Ausstellung in der Sammlung Falckenberg wird am 30. September eröffnet und ist dann bis zum 28. Januar 2018 zu sehen. Zur Eröffnung ist Peter Saul zum Künstlergespräch persönlich da. Der Eintritt ist am Eröffnungstag frei.

Peter-Saul-Ausstellung: Bilder wie ein Rausch

Der US-amerikanische Künstler Peter Saul gilt als Vorreiter des "bad paintings". Eine Schau in den Deichtorhallen in Harburg zeigt seine Bilder. Der Künstler kommt zur Eröffnung.

Datum:
Ende:
Ort:
Deichtorhallen - Sammlung Falckenberg in den Phoenix-Fabrikhallen in Hamburg-Harburg
Wilstorfer Str. 71
21073  Hamburg
Preis:
10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kurzführungen finden um 13 und 15 Uhr statt.
Öffnungszeiten:
Die laufende Ausstellung ist jeden 1. Sonntag im Monat von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Für den Besuch ist keine Anmeldung notwendig, auch nicht für Kurzführungen.
Hinweis:
Mehr Informationen unter www.deichtorhallen.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 29.09.2017 | 19:00 Uhr

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