Otto Möller, "Drei Wäscheinnen im Boot", Öl auf Leinwand, 1931 © Fabrik der Künste

Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg

Stand: 21.10.2020 16:06 Uhr

Seit fast zwölf Jahren holt sich die Fabrik der Künste in Hamburg-Hamm immer wieder eindrucksvolle Ausstellungen in ihre außergwöhnlichen Räume mitten im Gewerbegebiet.

von Annette Matz

Kommen Sie mit in die 1920er, ins Babylon Berlin nach Hamm. Hinein in die 20er- und 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts - eine Zeit, in die Sehnsucht nach Vergnügen, nach Tanz und Musik, eine so zentrale Rolle spielt. Gleichzeitig eine Zeit mit Armut und Not nach dem Ersten Weltkrieg, mit dem Wiederaufbau, der Industrialisierung und Frauen, die sich das Wahlrecht erkämpfen.

Die 1920er-Jahre: eine spannende Zeit

"Es ist eine spannende Zeit, in der sehr viel passiert. Das kommt auch in den Arbeiten der Künstler zum Ausdruck", erklärt Katharina Hecker von der Fabrik der Künste. Die Arbeiten stammen aus der bekannten Galerie Nierendorf in Berlin - Otto Dix war zeitweise der Hauptkünstler der Galerie. In diesem Jahr feiert die Galerie ihr 100-jähriges Jubiläum. "Der Gründer der Galerie hat die Künstler, die wir in dieser Ausstellung sehen, damals schon vertreten", sagt Katharina Hecker. "Darunter waren neben Otto Dix auch die Künster der 'Brücke'. Aus dieser Zeit stammen zum Teil die Arbeiten, die damals schon eingekauft wurden."

Abgesang auf die Prüderie der Jahrhundertwende

Nicht nach Künstlern und Künstlerinnen ist die Ausstellung aufgeteilt, sondern nach Themen. Im Bereich Musik Tanz und Theater hängt einer der teuersten Künstler seiner Zeit: Otto Mueller. Ein Plakat vom Potsdamer Kunstsommer 1921. Schwarz-weiß mit markantem Strich. Ein Frauenakt, ganz im Zeichen auch anderen Brücke-Künstler wie Erich Heckel oder Ernst Ludwig Kirchner. Euphorisch begleiteten sie den Abgesang auf die Prüderie der Jahrhundertwende und malten Nackte. "Da gibt es auch die Geschichte auf Fehmarn, dass sie im Wald verhaftet wurden, beziehungsweise die Bilder von ihnen requiriert wurden, weil sie nackte junge Mädchen malten. In der Gerichtsverhandlung in Eutin gab ihnen der Richter die Bilder wieder zurück mit den Worten: 'Das ist der Zeitgeist'", erzählt der Chef der Fabrik der Künste, Horst Werner.

Sozialkritisches im zweiten Teil der Ausstellung

Im zweiten Stück der Ausstellung steht Werner vor einer der wichtigsten Arbeiten im Bereich Industriealisierung. Es ist eine farbige Lithografie von Conrad Felixmüller. "Kohlenbergarbeiter" heißt sie und ist von 1920. Sie zeigt einen Mann, abgemagert, die Augen groß. "Das ist sehr provokativ von Felixmüller gemeint. Was für eine schwere Arbeit, die die Bergarbeiter leisten mussten", sagt Werner. Oft gesehen aber immer wieder eindrucksvoll sind auch die Arbeiten von Käthe Kollwitz, einer der wenigen Künstlerinnen dieser Zeit. Ihre ernsten Lithografien zeigen die anderen 20er-Jahre, traurige Frauen und verschreckte ausgemergelte Kinder - trotz eines sanften Strichs so hart.

Mit großen Künstlernamen, vorbei an den Lithografien und Gemälden, kann man in dieser Ausstellung eintauchen in die Geschichte der 20er und des frühen 20. Jahrhunderts - in ein Lebensgefühl - und bleibt fasziniert zurück.  

Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg

Die Fabrik der Künste in Hamburg-Hamm zeigt unter anderem Werke von Josef Scharl, Otto Dix und Käthe Kollwitz.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Fabrik der Künste
Kreuzbrook 10-12
20537 Hamburg
Telefon:
(040) 86 68 57 17
Preis:
5 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 15 bis 19 Uhr
Sonnabend und Sonntag: 12 bis 18 Uhr
Hinweis:
In der Zeit vom 21.12.20 - 05.01.21 bleibt die Ausstellung geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 20.10.2020 | 19:00 Uhr