Ausstellungsstücke des MARKK.

Hamburger MARKK startet zwei große Provenienzprojekte

Stand: 30.08.2021 14:56 Uhr

Mit zwei großen Projekten zur Provenienzforschung will das Museum am Rothenbaum (MARKK) einen Beitrag zu einem transparenten Umgang mit Kolonial- und NS-Raubgut in Hamburgs Museen leisten. Ein Objekt ist etwa eine historische Maske aus Papua Neuguinea.

von Benedikt Scheper

Eigentlich arbeitet Jana Reimer als Kuratorin im Museum am Rothenbaum. Doch momentan erforscht sie die Provinienz, also Herkunft und Besitzergeschichte, mehrerer hundert Objekte, die Juden während der NS-Dikatur abgeben mussten und die an Hamburger Museen verteilt wurden. Das sei eine Herausforderung, sagt sie. "Es ist keine leichte Kost, damit klarzukommen - mit den Schicksalen, die dahinter stehen. Man muss einen Abstand wahren, ohne die Empathie einzustellen."

Forschungsprojekte am MARKK sollen genaue Herkunft klären

Das Forschungsprojekt soll klären, woher die Bestände stammen und ob sie unrechtmäßig Hamburgern entzogen wurden. Einzelne Objekte bieten Informationen durch Signaturen. Museums-Akten zu Ankäufen und Einlieferern helfen bei der akribischen Recherche. Alle Erkenntnisse werden genau dokumentiert, um vielleicht mit Veröffentlichungen Nachfahren zu erreichen. "Bei dieser Art der Provenienzforschung handelt es sich in der Regel um sehr persönliche Schicksale", sagt Reimer. "Gleichzeitig ist es ein wichtiger Teil der hamburgischen Geschichte im Speziellen und der deutschen allgemein, der nach wie vor bearbeitet werden muss. Darum ist der Kontakt und die Klärung mit den Betroffenen das Wichtigste."

Masken aus Papua Neuguinea kamen über koloialen Handel

Jamie Dau beschäftigt sich intensiv mit einer historischen Maske aus Papua Neuguinea im MARKK Museum Hamburg
Der Anthropologe Jamie Dau beschäftigt sich mit der Herkunft historischer Masken.

Jamie Dau beschäftigt sich intensiv mit einer historischen Maske aus Papua Neuguinea. Könnte diese Maske sprechen - sie hätte viel zu erzählen. Über Zeremonien in Papua Neugiunea, aber auch von ihrer Reise, die Ende des 19. Jahrhunderts im damaligen Völkerkunde-Museum endete. Dort versucht Jamie Dau zu klären, wie genau sie dorthin gelangte und was das für den Besitz, die Ausstellung oder eine eventuelle Rückgabe bedeutet: "Hamburg hat als Kaufmannsstadt sehr umfangreiche Verbindungen in die Kolonialgebiete. Es geht darum, sich anzuschauen, welche Akteure haben welche Objekte zu welcher Zeit nach Hamburg gebracht."

Förderung vom Deutschen Zentrum Kulturgutverlust

Der Erwerb vor Ort war oft zweifelhaft. Drei Jahre recherchiert der Anthropologe Hintergründe hunderter Objekte, momentan aus Ozeanien. Jamie Dau und seine Kollegin reizt die Recherche. "Man hat mit konkreten Objekten zu tun, die teilweise unglaublich schön sind und einzigartig. Andererseits ist es sehr besonders, sich die Kontexte genau anzuschauen und herauszufinden, wie Objekte in die Sammlung gekommen sind."

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fördert beide Provinienzprojekte. Historisch und moralisch ist das eine wichtige Forschung für einen transparenten Umgang mit kolonialem und NS-Raubgut in Hamburgs Museen.

Weitere Informationen
Das MARKK in Hamburg frontal gesehen © Paul Schimweg/MARKK

Kulturpartner: Museum am Rothenbaum

Das MARKK fördert die Wertschätzung für Kulturen und Künste der Welt. Im Zentrum des Programms stehen seine globalen Kunst- und Kulturbestände. extern

Weitere Informationen
Die Direktorin des Hamburger Völkerkundemueseums, Barbara Plankensteiner. © Museum für Völkerkunde Hamburg Foto: Paul Schimweg

Provenienzforschung: "Es gibt einen Wandel in der Haltung"

Barbara Plankensteiner, Direktorin des MARKK, spricht über den aktuellen Stand der Provenienzforschung in Deutschland. mehr

Götz Aly: "Das Prachtboot - Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten" (Cover) © Fischer

Götz Alys Sachbuch: "Das Prachtboot"

Götz Aly dokumentiert, wie brutal deutsche Händler, Abenteurer und Ethnologen in der Südsee auf Expedition und gierige Raubsuche gingen. mehr

Grafik - eine rote Spirale in deren Mitte Folgendes: Museumsdetektive. Auf den Spuren geraubter Kunst im Norden. © NDR

Museumsdetektive - auf den Spuren geraubter Kunst

Raubkunst gehört auch im Norden zum Bestand vieler Museen. Woher kommen die Objekte? Wo ist der Besitz von Opfern? mehr

Max Raphael Hahn mit seiner Frau. © NDR

Auf den Spuren der Familie Hahn

Im März 1939 beschlagnahmten die Nazis die Silbersammlung des jüdischen Kaufmanns Max Hahn aus Göttingen. Sein Enkel sucht nun nach Spuren seiner Familie - und nach dem Silber. mehr

Drei Bronze-Büsten in einer Reihe. © NDR/Kulturjournal
16 Min

Raubkunst: Was passiert mit den Benin-Bronzen?

Auf höchster Ebene wird nun diskutiert, was mit den Benin-Bronzen passiert. Seit Jahrzehnten wird um ihre Rückgabe gerungen. 16 Min

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.08.2021 | 19:30 Uhr