Stand: 25.09.2020 11:28 Uhr

Hamburger Kunsthalle zeigt Max-Beckmann-Ausstellung

von Anette Schneider

In der Hamburger Kunsthalle ist seit dem 25. September eine große Max-Beckmann-Ausstellung zu sehen. Der Maler zählt zu den wichtigsten Künstlern der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach zahlreichen Ausstellungen über seine Stillleben, Meerbilder, mythologischen Geschichten und Selbstbildnisse schien alles über ihn gesagt. Die Ausstellung mit dem Untertitel "weiblich - männlich" wagt einen neuen Blickwinkel.

Selbstbewusst stemmt eine kurzhaarige Frau ihre Hände in die Hüften und blickt den Betrachter skeptisch an. Ein Mann sitzt verträumt auf einem Stuhl und hält in seinen feingliedrigen Händen eine Blume. Nackte Liebespaare stehen wie fremd nebeneinander in einem Raum. Zahlreiche Porträts machen es unmöglich zu sagen, ob es sich bei dem Dargestellten um einen Mann oder eine Frau handelt.

"Für Beckmann stellen sich immer mehr die Fragen: Warum muss es denn so sein, dass wir zwei sind? Wie kommen wir zusammen? Wie wäre es, wenn es diesen Konflikt überhaupt nicht gäbe?", erklärt Kuratorin Karin Schick. Ganz wichtig sei ihm die Frage gewesen, wie viel Männlichkeit in einer Frau und wie viel Weiblichkeit in einem Mann ist. Eine der Hauptfragen der Psychologie seiner Zeit.

VIDEO: Spektakulär: Werke von Max Beckmann in Hamburg (2 Min)

Geschlechterbild verschiebt sich im Laufe von Beckmanns Werk

Max Beckmann inszenierte sich gern in machohafter Pose, verdichtete das große Welttheater von Weimarer Republik, Faschismus und Exil in mythologischen Bildern, Zirkusszenerien und Stillleben. Dieser Künstler soll ein Maler der Geschlechter-Auseinandersetzungen sein?

Karin Schick entdeckte das, als sie sich vor einiger Zeit Beckmanns Werk noch einmal ganz neu ansah. Jetzt führt sie in acht Kapiteln mit Selbstporträts, Familienbildnissen, Liebespaaren, Bildern über Macht und Ohnmacht oder Lust und Leid vor, wie heftig Beckmann mit neuen Vorstellungen von weiblich und männlich kämpfte. "Diese zu Anfang in seinem Werk klar gesetzten Rollen verschieben sich eigentlich immer wieder, überlappen, verschränken", schildert die Kuratorin. "Diese Merkwürdigkeiten, diese Brüche und diese Unklarheiten in seinen Darstellungen von Menschen und Menschlichkeit, und was das ist und woraus wir bestehen, dem nachzugehen."

Max Beckmann verarbeitet wechselhafte Zeiten

Die 140 Arbeiten zeigen schwache Männer und starke Frauen. Es gibt verträumte, androgyne Wesen und dominante Weiblichkeit. In Porträts von Freunden und Bekannten legt Beckmann anrührend das Wesen seines Gegenüber frei, betont die verdrängte, weibliche Seite durch eine elegante Körperhaltung, einen zarten Teint. Und immer wieder agieren Männer und Frauen aggressiv gegeneinander.

All dies geschieht, als Frauen 1919 das Wahlrecht erhalten, Gleichberechtigung fordern, sich selbstbewusst Haare und Röcke abschneiden und als in den 30er- und 40er-Jahren die Faschisten Beckmann vertreiben und die leidvollen Jahre des Exils beginnen, die das eigene Selbstbild tief erschütterten. "Man merkt, dass da sehr viel passiert. Und das, was er erlebt, sieht, liest, was er aufnimmt und verarbeitet, geht natürlich in seine Bilder ein", schildert Karin Schick.

Verrückt-ironisch mündet die Ausstellung im Anfang von Allem: dem Ursprung der Geschlechter, den viele alte Kulturen als Einheit von Mann und Frau verstanden. Die kunstwissenschaftliche Rezeption von Leben und Werk Max Beckmanns gilt seit Langem als abgeschlossen. Mit dieser ungewöhnlichen Ausstellung hat Karin Schick der vermeintlich ewigen Lesart eine neue Facette hinzugefügt.

Hamburger Kunsthalle zeigt Max-Beckmann-Ausstellung

Die Ausstellung "Max Beckmann: männlich - weiblich" wirft einen ungewöhnlichen Blick auf das Werk des Malers und zeigt die Veränderung des Geschlechterbildes im frühen 20. Jahrhunderts.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 428 13 12 00
E-Mail:
info@hamburger-kunsthalle.de
Preis:
14 Euro (ermäßigt 8 Euro), Kinder und Jugendliche frei
Öffnungszeiten:
Dienstags bis sonntags: 10 - 18 Uhr (donnerstags bis 21 Uhr)
Montags geschlossen
Kartenverkauf:
Der Besuch der Ausstellung ist über Einlassfenster-Tickets geregelt, die den Zutritt innerhalb eines ausgewählten Zeitfensters genehmigen. Nach Eintritt in die Ausstellung können sich die Besucher so lange wie sie möchten darin aufhalten. Es wird empfohlen, sich bereits im Vorverkauf Tickets zu besorgen.
Hinweis:
Kuratorin:
Dr. Karin Schick
Wissenschaftliche Mitarbeit:
Sophia Colditz
Ann-Kathrin Hubrich
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 25.09.2020 | 19:00 Uhr