Stand: 23.01.2019 13:39 Uhr

Laien gestalten Ausstellung in Hamburg

von Patricia Seeger

Die Museen müssen sich trotz chronisch knapper Kassen fit für die Zukunft machen und neue Besuchergruppen locken. Die Hamburger Kunsthalle hat nun ein Experiment gewagt: Die Ausstellung "Mein Blick" wurde von Stammbesuchern der Kunsthalle zusammengestellt, die am 24. Januar startet. Ein Rundgang mit drei Projektteilnehmern.

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Angeregt diskutieren die Laien über die neue Zusammenstellung der Gemälde aus der Sammlung der Kunsthalle.

Sabine Puchstein-Hollmann kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Fast hat man den Eindruck, sie sei ein wenig verliebt nach der Arbeit an dieser Ausstellung. Sich als normale Museumsbesucherin mit ihren Ideen so einbringen zu können, hat die 61-Jährige sofort gereizt: "Man hat ein anderes Gefühl. Es ist mehr mein Museum." erzählt Puchstein-Hollmann. Die gelernte Industrie-Kauffrau war eine von 17 Stammbesuchern, die in der Hamburger Kunsthalle ihren eigenen Blick auf die Kunst einbringen durften: "Wir waren eine Gruppe von Leuten mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen."

Neue Zusammenstellung der Gemälde macht Spaß

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Gerard van Honthorsts Gemälde "Solon vor Krösus" aus dem Jahr 1624 ist ein Teil der Ausstellung "Mein Blick".

Die Laien bekamen von den Museumskuratoren drei Kunstwerke vorgegeben, um die herum sie die Ausstellung gestalten sollten. Für den 75-jährigen Wolfgang Schüler war das ein richtiges Erlebnis mit einer "unglaublichen Aktivität". Diese Begeisterung der Teilnehmer merkt man der Ausstellung "Mein Blick" an. Die ungewöhnliche Zusammenstellung macht richtig Spaß. Da guckt man hin, wenn ein fast menschengroßer Ohrring - eine Skulptur aus dem Jahr 2006 - neben einem alten Meisterwerk von 1624 hängt.

Kunsthalle als Ort der Auseinandersetzung

Genau darum ginge es, sagt Projektleiterin Veronika Deinzel - die Kunsthalle müsse sich stärker für die Besucher öffnen und ein Ort der Auseinandersetzung sein: "Man kann nicht nur über Besucher reden, sondern muss sie fragen und mit ihnen arbeiten", so Deinzel.

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Auch das riesige Ölgemälde "Das Fest der Weinlese" (77 x 177 cm) wurde in einen neuen Kontext gestellt. Lawrence Alma-Tadema hat es 1871 gemalt.

Die Projektleiterin kommt aus der Vermittlungsabteilung der Kunsthalle und hat tagtäglich mit Besuchern zu tun. Ob dieses Experiment auch hausintern, etwa von den Kuratoren, als Projekt mit Vorbild-Charakter bewertet wird, muss sich bei der Evaluierung herausstellen. Teilnehmerin Annabelle Stefan ist überzeugt, dass alle nur davon profitieren können. Durch die neue Zusammenarbeit bekämen Museumsmitarbeiter einen anderen Blick: "Das Museum darf nicht zum toten Tempel verkommen." Auch Wolfgang Schüler sieht die Bürgerbeteiligung als Zukunftsmodell für die Museen - "weil Barrieren abgebaut werden", sagt er.

Laien gestalten Ausstellung in Hamburg

Für die Ausstellung "Mein Blick" in der Hamburger Kunsthalle haben Laien Werke aus dem Archiv des Museums ausgesucht und in einen neuen Kontext gestellt. Sie startet am 24. Januar.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095  Hamburg
Telefon:
Tel. +49-(0)-40-428131-200
E-Mail:
info[at]hamburger-kunsthalle.de
Preis:
14 Euro, ermäßigt 8 Euro, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Öffnungszeiten:
Dienstag-Sonntag 10–18 Uhr
Donnerstag 10-21 Uhr
Montag geschlossen
Donnerstag an/vor Feiertagen 10-18 Uhr
Hinweis:
TeilnehmerInnen der Ausstellung
Axel Beyermann, Béla Braack, Claudia Eicke, Stefan Fink, Andrea Freiberger, Peter Fritz, Inge Gollnow-Wöhler, Maxi Hänsch, Nicole Keller, Anke Iris Kirch, Manfred Leberle, Hinrich Lührs, Sabine Puchstein-Hollmann, Wolfgang Schüler, Annabelle Stephan, Alexander von der Nahmer, Gisela von Osten
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.01.2019 | 14:20 Uhr

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