Hamburger Kulturbetriebe: Zusammenarbeit bei De-Chirico-Ausstellung

Stand: 08.04.2021 16:13 Uhr

Das Deutsche Schauspielhaus, das Thalia Theater und das Ensemble Resonanz haben sich zusammen getan, um mit einem Videoprojekt die vorerst geschlossene De-Chirico-Ausstellung in der Kunsthalle einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

von Anina Pommerenke

Die beiden Theater und das Ensemble versuchen, sich den Werken de Chiricos auf ihre eigene Art und Weise anzunähern. In Anlehnung an eines der Hauptwerke der Ausstellung, "Das Gehirn des Kindes", trägt das Projekt den Titel "Im Gehirn des Kindes". Sieben Videos werden bis Mitte April gebündelt auf der Internetseite der Hamburger Kunsthalle präsentiert.

Grenzübergreifende Art des Denkens bei de Chirico und Savinio

"Wer ist die Person de Chirico? Was passiert mit dem Besucher, der in die Ausstellung geht? Was wird da losgelöst? Was passiert in der Kunsthalle, wenn da keine Besucher sind?" - diesen Fragen geht Schauspielhaus-Regisseur Max Pross mit einigen Kolleginnen und Kollegen bei dem Projekt nach. Ganz im Sinne der metaphysischen Kunst, die der Maler gemeinsam mit seinem Bruder, dem Komponisten Alberto Savinio, entwickelt hat. Sie steht für eine grenzübergreifende Art des Denkens - aber auch einen genreübergreifenden Ausdruck in Malerei, Poesie und Musik.

Das Kooperationsprojekt ist jedoch keine theoretische oder kunsthistorische Annäherung an die Werke. "De Chirico hat selber von sich gesagt, er sei ein Träumer. Auf die Frage, was er denn träume, antwortete er: 'Das kann ich Ihnen nicht sagen. Träume sind viel zu unkonkret, als dass ich Ihnen das erzählen könnte'", erzählt Pross. "In einer gewissen Weise, bleiben auch die Videos in einem Bereich, der nicht realistisch ist, sondern der eher eine Fantasiewelt abbildet - entweder des Künstlers oder des Besuchers."

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Restauratorin Nicoline Zornikau begutachtet das Werk "Die Rückkehr des Dichters. © VG Bild-Kunst / NDR Foto: Kerry Rügemer

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Einfluss Nietzsches auf de Chirico

In einem anderen Video geht es um den Einfluss, den Nietzsche auf den Maler gehabt hat. Bei Schauspielerin Ute Hannig scheinen in der Rolle als gelangweilte Museumsaufsicht die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Realität zu verwischen. Plötzlich schreitet sie in einem eleganten roten Gala-Kleid die eindrucksvolle Marmortreppe der Kunsthalle herab.

Nietzsche hat seinen Gedanken der ewigen Wiederkunft selbst als einen seiner schwersten und tiefsten charakterisiert, erklärt Pross: "Natürlich möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass die Institutionen am Leben bleiben. Dass man sich rückerinnert, wie es ist, wenn ich diesen Bildern gegenüber stehe. Was lösen die bei mir aus?"

Hamburger Kulturinstitutionen rücken in der Krise näher zusammen

Ganz wie in der Malerei de Chiricos finden sich auch in den Videos Räume, die sich überlagern. Darstellende des Thalia Theaters laufen durch die Ausstellung, auf den Vorplatz der Kunsthalle, dann stehen sie wieder auf der leeren Bühne im Thalia Theater. Das Ensemble Resonanz bringt de Chiricos Kunst mit abwegigen Orten wie dem Millerntorstadion zusammen, verwebt sie mit Musik von Anton Webern und Cassandra Miller.

Ein schöner Nebeneffekt: Die Hamburger Kulturinstitutionen rücken in der Krise näher zusammen. Das beobachtet auch Schauspielhaus-Dramaturg Ralf Fiedler: "Dadurch, dass man sonst nie direkt zusammen arbeitet und es jetzt konkret tut, was mit vielen Gesprächen und Zoom-Meetings verbunden ist, lernt man sich auch kennen - jenseits der künstlerischen Auseinandersetzung. Das bewirkt ein Zusammenrücken und eine ganz ehrliche Solidarität miteinander."

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Blick auf die Hamburger Kunsthalle. © NDR Foto: Eduard Valentin

Kulturpartner: Hamburger Kunsthalle

Seit 150 Jahren ist die Hamburger Kunsthalle ein lebendiger Ort für die Begegnung und Auseinandersetzung mit der Kunst. extern

Gruppenbild: Das Ensemble Resonanz steht und sitzt mit seinen Instrumenten in einem weißen Raum. © Tobias Schult Foto: Tobias Schult

Kulturpartner: Ensemble Resonanz Hamburg

Mit seiner außergewöhnlichen Spielfreude und künstlerischen Qualität zählt das Ensemble Resonanz zu den führenden Kammerorchestern weltweit. extern

Außenaufnahme vom deutschen Schauspielhaus in Hamburg © dpa picture alliance Foto: Markus Scholz

Kulturpartner: Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gehört zu den führenden Theatern in Deutschland. extern

Das Hamburger Thalia Theater von außen © Thalia Theater

Kulturpartner: Thalia Theater

Der gesellschaftspolitisch ausgerichtete Spielplan des Thalia Theaters vereint Uraufführungen, Klassiker und Gastspiele sowie internationale Projekte und Festivals. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 08.04.2021 | 07:40 Uhr

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