Stand: 21.01.2020 14:50 Uhr  - NDR Kultur

Seltene Bilder zeigen Leben im Hamburg der 30er

von Jens Büchsenmann

Arbeiter im Hafen, Kaufleute der Börse, Szenen aus der Fischauktionshalle und vieles mehr: Friedrich "Fide" Struck hat mit seinen Fotografien das Leben der Hamburger zu Beginn der 30er-Jahre festgehalten. Erst 2015 wurden die Fotografien des Autodidakten in einem alten Holzkoffer wiederentdeckt. Im Altonaer Museum werden einige davon in einer kleinen Ausstellung zum ersten Mal präsentiert.

Thomas Struck kennt man in Hamburg als Filmemacher. Im Verlauf vieler Umzüge ist irgendwann der alte Holzkoffer seines Vaters in Berlin gelandet. Jahrelang lag der Koffer ungeöffnet im Keller. "Eigentlich viel zu schwer, um ihn drei Stockwerke hochzutragen", sagt Struck. Bis ihm ein Freund half, die Kiste nach oben zu bringen.

Beim Öffnen sei ihnen "der Geruch des Zweiten Weltkrieges" entgegengestiegen. Eingewickelt in eine Tageszeitung von 1941: fast 3.000 Negative. "Ein bisschen ahnte ich, was da drauf war", erinnert sich Struck, "weil ich bereits zwei Fotoalben meines Vaters hatte, die den Krieg auch überdauert haben."

Zur großen Freude der Kuratoren im Museum Altona bewahrheiteten sich die Vermutungen, welcher Fotoschatz im Koffer verborgen war. "Es gibt Schiffe aus dem Hafen. Man sieht, wie Schiffe abgewrackt werden", sagt Simon Wyrwal, der die Ausstellung gemeinsam mit Sebastian Lux von der Stiftung F.C. Gundlach kuratiert hat. "Auch ein ganz tolles Motiv ist, auf dem man sieht, wie Arbeiter sich im Elbwasser waschen."

Fide Strucks Bilder vom Beginn der 30er-Jahre zeigen unter anderem Bilder vom Fischmarkt: Frauen, die Heringe ausnehmen, Männer, die sie räuchern. Dann die Kaufleute in der Börse, manche mit Hut, manche mit Mütze, einige so geschäftig, dass ihre Konturen verwischen bei der langen Belichtungszeit.

Bilder im Stil der Neuen Sachlichkeit

Arbeiterfotografie war ein Gebiet der Neuen Sachlichkeit. "Aus dieser Zeit kommt seine Bildsprache", erklärt Lux. "Er hat es als Autodidakt wunderbar verstanden, dass Perspektiven etwas ausmachen und dass man sein Bild gestalten kann, ohne dass man damit in Richtung Malerei gehen muss."

"Man hat das Gefühl einer wunderbaren Epoche, die durch den Krieg und durch die Nazis verlorengegangen ist", ergänzt Foto-Entdecker Thomas Struck, der angesichts dieses späten Fundes regelrecht sentimental wird. "Das berührt mich und das macht einen nachdenklich."

Seltene Bilder zeigen Leben im Hamburg der 30er

Die Ausstellung "Fisch, Gemüse, Wertpapiere" im Altonaer Museum zeigt das Leben im Hamburg der 30er-Jahre. Die Bilder des Amateur-Fotografen Fide Struck wurden erst 2015 wiedergefunden.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765 Hamburg  Hamburg
E-Mail:
info@altonaermuseum.de
Preis:
8,50 Euro (ermäßigt: 6 Euro)
Öffnungszeiten:
Montag 10-17 Uhr
Dienstags geschlossen
Mittwoch bis Freitag 10-17 Uhr
Sonnabend bis Sonntag 10-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.01.2020 | 06:40 Uhr

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