Stand: 31.05.2018 14:29 Uhr

Meisterwerke von Fälschern und Kopisten

von Kerry Rügemer

Die Mona Lisa ist in Hamburg! Das wohl berühmteste Gemälde der Welt ist in der Fabrik der Künste in Hamburg-Hamm zu bewundern. Nein, natürlich nicht die Echte. "Echt Falsch", so heißt die Schau und gezeigt werden Kunstfälschungen. Radierungen von Rembrandt und Goya, Picassos, Kollwitz‘ und auch Zilles unverkennbare Werke ebenso wie berühmte Motive von Chagall, Gauguin und Nolde gibt es zu sehen - alles täuschend echt und doch gefälscht.

Gier treibt kriminelle Fälscher an

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"Selbstbildnis mit Federbarett": Fälscher Edgar Mrugalla fertigte die Radierung nach dem Original Rembrandt van Rijns an.

"Es wird behauptet, dass rund 40 Prozent der Bilder des Kunsthandels Fälschungen sind. Und wir wissen auch nicht, wie viele Fälschungen in den Museen hängen", sagt Horst Werner, der Betreiber der Fabrik der Künste. Er hat kräftig zusammengetragen für seine Ausstellung von Meisterfälschungen: aus Galerien, Privatbesitz und Fälschermuseen in Österreich. Was kriminelle Fälscher antreibt? "Gier auf allen Ebenen", so Werner.

Viele der gezeigten Werke stammen vom "König der Kunstfälscher", Edgar Mrugalla. Der flog mit seinen brillianten Kopien weltberühmter Werke 1988 auf und wurde wegen Betrugs verurteilt. "Der arme Poet" von Carl Spitzweg hängt in der Hamburger Ausstellung - als Laie käme man nie auf die Idee, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelt. Genauso perfekt sind Mrugallas Picassos, die er fast en masse produzierte.

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Auch der Holzschnitt "Verzweiflung" nach Emil Nolde stammt von Fälscher Mrugalla.

Die Leihgaben stammen aus dem Privatbesitz seines Sohnes Richard. Der war als Kind ahnungslos, obwohl sein Vater ihn bei seinen Handelsreisen regelmäßig mitnahm: "Ich hatte mal so einen Kinderpass gehabt und da waren mindestens drei oder vier Seiten voll mit Abstempelungen, dass ich mehrmals über die DDR-Grenze gereist bin. Das war der Beweis dafür, dass mein Vater immer zwischen der Grenze hausieren gegangen ist."

Täuschend echte Kopien von Da Vinci und Van Gogh

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Das Ölgemälde "Blaues Pferd" nach Franz Marc ist eine legale Kopie der Gebrüder Posin.

Milde lächelt auch die Mona Lisa den Besucher an. Wer das Original gesehen hat, der bemerkt vielleicht, dass diese Mona Lisa deutlich größer ist als die im Louvre. Ansonsten: täuschend echt. Sie stammt von den drei Brüdern Posin, die ganz legal und auf Bestellung Kopien anfertigen und auch ein eigenes Museum mit diesen Bildern in Berlin betreiben. Ein gutes Jahr haben sie gemeinsam an dieser Mona Lisa gearbeitet. Kopien von Van Goghs Sonnenblumen sowie der Werke von Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner stammen von ihnen.

Natürlich ist auch eine Seite aus den gefälschten Hitlertagebüchern ausgestellt. Die hatte der einfallsreiche Kunstfälscher Konrad Kujau 1983 als Sensationsfund dem Magazin "Stern" untergejubelt. Kujau verkaufte nach seiner Entlassung aus der Haft in seinem Atelier "originale Kujau Fälschungen".

Die erzielten gute Preise und führten nach seinem Tod zu noch skurrileren Täuschungen. So hängt dort eine Kopie der "Danae" von Gustav Klimt, die tatsächlich aber aus einer Fälscherwerkstatt in China stammt. "In der dann eine Kujau-Verwandte die Arbeit mit Kujau unterzeichnet und so den Namen gefälscht hat - das ist dann eine Fälschung der Fälschung, die da entstanden ist", sagt Werner.

Hängt im Louvre nur die Fälschung?

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Das Ölgemälde "Landschaft mit Häusern und Bäumen" nach Max Pechstein stammt von einem unbekannten Fälscher.

Die Ausstellung ist faszinierend, weil fast alle Werke so echt wirken. Und wer weiß: Vielleicht hängt ja dort ein Original und im Louvre nur die Fälschung. "Zum Beispiel hat der Mrugalla mal gesagt: Es gibt noch eine ganze Menge Arbeiten, von denen ich weiß, dass sie von mir gefälscht in Museen hängen", weiß Werner zu berichten.

Die Ausstellung "Echt Falsch - Das Phänomen der Kunstfälschung" in der Fabrik der Künste ist noch bis zum 8. Juli zu sehen. Begleitet wird die Schau von interessanten Vorträgen rund um das Phänomen der Kunstfälschungen.

Rahmenprogramm zu "Echt Falsch - Das Phänomen der Kunstfälschung"

So., 3. Juni 2018, 16 Uhr
"Schöner als das Original - 100 Jahre Kunstfälschung"
Vortrag von Dr. Lilli Weissweiler (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Staatsgalerie Stuttgart) über Motivation und Vorgehensweise von Kunstfälschern anhand der drei großen Fälle Hans und Otto Wacker, Han van Meegeren und Wolfgang Beltracchi.

Do., 7. Juni 2018, 18 Uhr
"Keine Stern-Stunde - die programmierte Katastrophe mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern" Michael Seufert (ehem. Chefredakteur des "Stern") über Konrad Kujau und einen der größten Presseskandale der deutschen Geschichte.

Fr., 15. Juni 2018, 18 Uhr
"Fake! What else?"
Diane Grobe (Direktorin Fälschermuseum Wien) gibt spannende und skurrile Einblicke in die Welt der Fälscher, des Kunstmarktes und des Urheberrechtes.

So., 17. Juni 2018, 16 Uhr
"Die große Gier"
Kriminalisten und Kunstexperten diskutieren darüber, warum der Kunstmarkt immer wieder auf Fälschungen hereinfällt und Fälschungen oftmals so schwer erkennbar sind. Karl Günther Barth (ehem. Chefredakteur Hamburger Abendblatt) im Gespräch mit René Allonge (Leitender Ermittler Berliner Landeskriminalamt), Sven Röbel ("Spiegel"-Reporter) und Dr. Hannes Etzlstorfer (Kunsthistoriker und Ausstellungskurator).

So., 1. Juli 2018, 16 Uhr
"Diebe, Fälscher, Hintermänner - Der Kunstmarkt aus polizeilicher Sicht"
Ernst Schöller (ehem. Kriminalhauptkommissar) war 35 Jahre im Bereich "Kunst- und Kulturgutschutz" beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg tätig. Sein Vortrag beleuchtet die verschiedenen Facetten des Kunstmarktes, zeigt die Verbindungen zum Handel, den Auktionshäusern, aber auch zu den Gutachtern und sogenannten Experten auf.

Meisterwerke von Fälschern und Kopisten

Die Fabrik der Künste in Hamburg zeigt Motive von Rembrandt, Nolde und sogar Da Vincis "Mona Lisa": Meisterfälscher wie Edgar Mrugalla oder Konrad Kujau sind ihre Schöpfer.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Fabrik der Künste
Kreuzbrook 10/12
20537  Hamburg
Telefon:
(040) 86 68 57 17
Preis:
5 Euro (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei)
Öffnungszeiten:
Di. - Fr.: 15 - 19 Uhr
Sa. - So.: 11 - 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 31.05.2018 | 19:05 Uhr

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