Stand: 27.04.2020 15:51 Uhr

Corona: Käufliche Kunst in Hamburger Schaufenstern

von Franziska Storch

Seit Mitte März sind alle Kunstausstellungen in Hamburg wegen der Corona-Krise geschlossen. Nach dem ersten Schock zeigen die Hamburger Künstlerinnen und Künstler eine Machermentalität. Beim Spazierengehen in Hamburg kann man Kunst in Schaufenstern und Schaukästen von Kunsträumen sehen. Das gab es vorher so noch nicht.

Im Infokasten vor dem Künstlerhaus Frise war Ende März ein auf Stoff gemalter Mickey-Mouse-Kopf zu sehen, ein Kunstwerk von Ole Henrik Hagen. Er ist einer von 54 Künstlern aus dem Künstlerhaus in Ottensen. Als alle Ausstellungen wegen der Corona-Krise schließen mussten, war der Schaukasten vor dem Künstlerhaus ein trauriger Anblick.

Kunst lebt vom Gesehen-Werden

So wurde aus dem Infokasten über Ausstellungen selbst eine Ausstellung unter freiem Himmel, denn Kunst lebt vom Gesehen-Werden, findet Ole Henrik Hagen: "Da hängt eine alte Übersicht über die Ausstellungen, die nicht stattfinden. Ich habe die Initiative aufgegriffen und mein Bild einfach da aufgehängt." Die anderen Künstlerinnen und Künstler fanden die Idee gut. Seither darf jede Arbeit eine Woche lang dort hängen. Ob Malerei, Fotografie, Collage - alles ist dabei.

Kunst aus dem Polarraum in Hamburg-Eimsbüttel

Eines der großen Schaufenster des Atelieres - Kunstprojektes Polarraum in Hamburg Eimsbüttel mit ausgesteller Kunst zu Corona-Zeiten © NDR Foto: Franziska Storch
Die Kunst im Polarraum in Hamburg-Eimsbüttel hängt im Schaukasten, die Infos dazu sind mit ausgestellt.

Auch in Eimsbüttel kann man nun vom Gehweg aus Kunst sehen, zum Beispiel im Polarraum am Heußweg. Er war früher ein Blumengeschäft mit zwei riesigen Schaufenstern. Diese sind nun umgebaut zu Schaukästen, bestückt mit 29 kleinen Arbeiten aus Hamburg und aller Welt, sogar aus Seoul. Die Künstler haben sie auf Anfrage per Post zum Laden gesendet.

Justine Otto, die den Projektraum leitet, kam aus Solidarität auf die Idee: "Wir wollen in diesen schwierigen Zeiten speziell die Künstler unterstützen." Deswegen kann man die Arbeiten auch kaufen. Der gesamte Erlös geht an die Künstler, alle Infos liegen im Schaufenster aus. Die Bandbreite der Arbeiten ist hier ebenfalls groß: von gegenständlich bis abstrakt, von Zeichnung bis Malerei. Justine Otto hat schon mehrere positive Rückmeldungen und erste Verkaufsanfragen erhalten.

Schaufenster auf Fleetinsel wird zu Mini-Atelier

Das Westwerk in der Admiralitätstraße auf der Fleetinsel nutzt nun sein Schaufenster, obwohl das Team kurz zuvor darüber diskutiert hatte, das Fenster aus dem Eingangstor zu entfernen. Das quadratische Schaufenster von 1,50 Meter Größe ist ein eingeschobenes Zwischenteil des mehrteiligen Schiebetors, das ebenerdig zur Straße führt.

In der Galerie Westwerk auf der Fleetinsel ist durch ein Schaufenster dieses Foto von Matthew Partridge zu sehen - eine Frau betrachtet die National Portrait Gallery © Franziska Storch
Im Westwerk ist unter anderem Matthew Partridges Foto einer Besucherin der National Gallery zu sehen. Es stammt aus 2018.

Der Einblick durch dieses Fenster wurde auf einmal Gold wert, erinnert sich Matthew Partridge: "Wir wollten die Situation nutzen, um zu zeigen, dass wir nicht in Tiefschlaf gefallen sind." Das Team rückte eine große Stellwand hinter das Fenster und zeigt dort alle zehn Tage, nachts sogar mit Beleuchtung, eine andere Arbeit. Beispielsweise Patridges riesige Fotografie von einer Besucherin in der National Portrait Gallery von 2018. Jetzt wirkt das Foto wie ein Traum, der hoffentlich bald wieder in Erfüllung geht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.04.2020 | 19:00 Uhr