Stand: 27.02.2019 18:34 Uhr

Hamburger Museum zeigt Schätze aus Lack

von Peter Helling

Dieses Material ist Gold wert: Lack. In Ostasien wird die Lackkunst seit Jahrtausenden gepflegt. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hat einige sehr wertvolle Stücke. Sie werden jetzt in einer Ausstellung gezeigt: "Luxus pur. Lack aus Ostasien" heißt sie.

Vergessen Sie Mensch-ärgere-dich-nicht, Halma oder Mühle. Im alten Japan spielte man mit Düften: "Man hat Dufthölzer, vor allem Aloe-Dufthölzer aus Indien importiert. Die Spiele bestanden darin, dass man raten musste, welcher Duftstoff es ist. Wir haben hier ein Set, wo drei verschiedene Düfte geraten wurden, man konnte es mit bis zu zehn Personen spielen", sagt Wibke Schrape, die Kuratorin der Ausstellung. Riechen, raten - und dann mit kleinen Plaketten aus Lack abstimmen. "Lack ist ein Naturprodukt. Man musste aus dem Lackbaum erst einmal den Saft gewinnen. Der war ätzend, was die Verarbeitung schwierig machte. Die Besonderheit liegt eigentlich im Aushärten: Man muss den Lack hauchdünn auftragen, damit die einzelnen Schichten austrocknen beziehungsweise aushärten können."

Herstellung der Lack-Objekte dauerte Monate bis Jahre

Ein aufwendiges Stück herzustellen dauerte Monate bis Jahre. "Die Materialien sind aufwendig, der Prozess ist extrem aufwendig und die Nutzung ist auch aufwendig", meint Wibke Schrape. Wertvoller ging es nicht - wie eine Kiste demonstriert, die so groß ist wie eine Schuhschachtel. "Der Beauty Case des 15. Jahrhunderts ist der Kosmetikkasten. Wir haben hier zwei sehr, sehr schöne Beispiele, sehr aufwendig dekoriert mit viel Gold", erklärt die Kuratorin.

Europa begehrte den Lack

Die feinen "Fashion Victims" in Japan - sie hatten alles, Spiegel, Kämme, Schminkdosen: "Eine Schminkdose für die weiße Schminke, eine Dose für das Schwarz zum Färben der Zähne", erklärt Wibke Schrape. Ja, damals schminkten sich die Damen ihre Zähne schwarz, denn man empfand es als unschön, wenn im Kerzenschein die Zähne zu grell leuchten. Wer heute China vorwirft, technisches Knowhow aus Europa zu klauen: Im 18. Jahrhundert war es andersherum. Europa wollte nicht nur an das Rezept für Porzellan kommen, Lack war fast noch begehrter - er sollte auch in Europa hergestellt werden. Aber das konnte nicht gelingen, weiß Wibke Schrape: "Um den Lack zu verarbeiten, braucht man bestimmte klimatische Bedingungen und das Material: den Lackbaum". Und der wächst nicht in Europa.

Werke aus "Luxus pur. Lack aus Ostasien"

Motive aus gestreutem Goldpulver

In den noch feuchten Lack wurde Goldpulver gestreut, um ganze Landschaften zu zaubern. "Dadurch bekommen die Motive auch diese Tiefe", erklärt die Kuratorin. Ein Picknickkasten, der ein paar Hundert Jahre alt ist wurde mit feinstem Goldpulver bestreut. Er wirkt so modern und so unglaublich fein, als wäre er ein Luxusprodukt von selig Karl Lagerfeld: praktisch - und einfach schön.

"Besonders hervorzuheben ist der Stapelkasten für das Essen", sagt Wibke Schrape. Die Kuratorin leuchtet den Kasten vorsichtig mit dem Smartphone an, plötzlich erscheinen ganze Landschaften, Tempel, stürzende Wasserfälle, alles aus feinstem Goldpuder geschaffen. "Das ist ganz unglaublich", meint sie. "Wenn man das Stück anleuchtet, dann sieht man diese wahnsinnig feinen Linien in dem Gold - und das ist alles gestreut."

Lackarbeiten waren Elite vorbehalten

Die Lackarbeiten stammen aus den reichen Beständen des Museums. Ungefähr 300 Lackarbeiten aus Ostasien besitzt es. Die Lackarbeiten waren einer Elite vorbehalten, wie etwa die kleinen Mode-Accessoires, die Männer mit sich herumtrugen: die Herrenhandtasche des feinen Japaners für Medizin, Siegel, Goldstücke. Immer wieder sieht man Symbole für ewiges Leben - auf dem Beautycase ist es die Insel der Unsterblichen. "Alle Symbole in diesem Stück wünschen ein langes Leben, ob es die Kiefer ist oder der Bambus - oder auch die Kraniche, die als die Reittiere der Unsterblichen gelten", erklärt Kuratorin Wibke Schrape und fügt lachend hinzu: "Also, solange wir den Kasten haben, werden wir bestehen."

Hamburger Museum zeigt Schätze aus Lack

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt einige seiner Schätze: Lack aus Ostasien. Die Motive auf den Jahrhunderte alten Gebrauchsstücken sind auf faszinierende Art gefertigt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099  Hamburg
Preis:
12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do ab 17 Uhr 8 Euro, bis 17 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 - 18 Uhr
Donnerstag: 10 - 21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10 - 18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 27.02.2019 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

04:47
Kulturjournal
05:41
NDR Fernsehen
54:22
NDR Info