Stand: 16.11.2018 12:15 Uhr

Ausstellung: "Kamikaze" in der Kunsthalle

von Kerry Rügemer

Brennende Mönche, schemenhafte Portraits, die wie Fratzen wirken, Bilder mit Blut gemalt - das Werk des belgischen Künstlers Philippe Vandenberg ist aufrüttelnd. Die Hamburger Kunsthalle zeigt jetzt "Kamikaze", die bislang größte Ausstellung des Künstlers, mit vielen Werken aus seinem Nachlass, die noch nie zu sehen waren. Damit setzt die Kunsthalle die Reihe von Ausstellungen bisher weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler fort. In seiner Heimat Belgien ist Vandenberg sehr bekannt - hier in Deutschland bislang weniger.

Vandenbergs Form der kreativen Zerstörung

"Eine große Liebe ist genug! Töte sie alle! Lass uns das Meer austrinken und tanzen! Man muss Alles vergessen! Töte sie alle und lass uns tanzen!"
Der Fußboden liegt voll mit Papierseiten, auf denen diese Sätze gekritzelt sind - mal bunt, mal schwarz. Eine riesige Leinwand hängt im Raum. Darauf sieht man eine Struktur und hier und da einen Farbrest. Das war mal ein Gemälde. Jetzt ist die Farbe abgeschabt und das Gewebe erinnert an aufgeschürfte Haut. Nur Zerstörung lässt Neues entstehen, davon war Philippe Vandenberg überzeugt. "Das Prinzip Kamikaze, dass er selber auch so genannt hat, ist sehr grundlegend in seinem Werk. Die Idee, dass Neues nur entstehen kann, indem man Altes zerstört. Das zeigt sich beispielsweise an den vielen stilistischen Brüchen", sagt die Kuratorin der Ausstellung, Brigitte Kölle.

Blutende Bilder

Manche Bilder sind so voller Farbschichten, dass sie krustig, fast lebendig wirken. Oftmals hat Vandenberg seine Werke im Laufe von mehreren Jahrzehnten immer wieder übermalt. Zwei nackte Frauen - Mutter und Tochter - sind verbunden durch eine Nabelschnur. Wer nährt hier wen? Und dann sind da Bilder mit dicken Klecksen. Das ist Blut. Vandenbergs Blut. "Er war eine sogenannte "troubled soul", also ein Mensch, der immer alles grundsätzlich infrage gestellt hat", sagt Kuratorin Kölle. "Er hat viel gezweifelt. Teilweise hatte er auch das Gefühl, er scheitert. Das ist eine Intensität, eine Dringlichkeit, die uns auch selber packt und berührt".

Die Gegensätze des Lebens

Die extremen Gegensätze, denen der Mensch ausgesetzt ist: Liebe und Hass, Schönheit und Hässlichkeit, Unschuld und Schuld - das war es, was Vandenberg beschäftigt hat. Sein Sohn Guillaume, eines der drei Kinder des Künstlers, erinnert sich an seine Kindheit inmitten dieser Bilder: "Wir waren an seine Bilder gewöhnt. Für uns war das völlig normal. Ich weiß noch, als er mit seinem eigenen Blut gemalt hat. Unser Kühlschrank war voll mit diesen Flaschen seines Blutes, das ihm ein Arzt immer abnehmen musste. Für uns war das normal. Als Vater war er sehr beschützend, sehr präsent."

Von der Zerrissenheit der Menschen

Das Werk Vandenbergs ist manchmal irritierend, gleichzeitig aber faszinierend und sehr bewegend. Es sind die Bilder eines ewig Suchenden, die von der Zerrissenheit des Menschen erzählen, von Liebe und Leid. "Er musste den Dingen immer auf den Grund gehen, tiefer und tiefer, echt und unverfälscht. Das ist so, als würde man Hautschicht für Hautschicht freilegen", sagt Sohn Guillaume über seinen Vater. Kaum zu glauben, dass all diese so unterschiedlichen Werke von nur einem Künstler stammen! Diese Bilder springen einen an - eine aufregende Ausstellung.

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Philippe Vandenberg in der Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle zeigt in der Ausstellung "Kamikaze" Werke des belgischen Künstlers Philippe Vandenberg - zum ersten Mal in Deutschland.

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Ausstellung: "Kamikaze" in der Kunsthalle

Bilder mit Blut gemalt, die von den Gegensätzen des Lebens erzählen. Die Hamburger Kunsthalle zeigt "Kamikaze", die bisher größte Ausstellung des belgischen Künstlers Philippe Vandenberg.

Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 428131-200
E-Mail:
info@hamburger-kunsthalle.de
Preis:
14 Euro, 8 Euro ermäßigt
Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag - Sonntag: 10 -18 Uhr
Donnerstag: 10 - 21 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.11.2018 | 19:00 Uhr

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