Stand: 31.01.2020 06:02 Uhr  - NDR 90,3

Ausstellung: Als das Licht beweglich wurde

von Kerry Rügemer

Schreibtisch und Leselampen sind heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Vor 100 Jahren waren die ersten verstellbaren Lampen aber eine Sensation. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich in einer Ausstellung der Erfindung und Weiterentwicklung des schwenkbaren Lichts. Vor allem an Werkbänken revolutionierte die fokussierte Lichtquelle die Arbeitsbedingungen.

Arbeiter in Werkhallen stehen an schlecht beleuchteten Plätzen. Das Licht für ihre Arbeit kommt im besten Falle von einer Deckenlampe. So stellt sich die Situation in einer Fabrik für Porzellandrehbänke im thüringischen Auma 1919 dar, als der Ingenieur Curt Fischer das Unternehmen übernimmt. "Er merkt in diesem Betrieb, dass es da ein großes Problem gibt, was das elektrische Licht in den Werkhallen angeht", sagt Kurator Thomas Edelmann, der diese Ausstellung zusammengestellt hat. "Die Allgemeinbeleuchtung leuchtet die Werkplätze oder die Werkbänke der Arbeiter so aus, dass sie selber Schatten auf ihre eigenen Werkstücke werfen."

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Der Entwurf von Curt Fischer zum "Verstellbaren Universalwandarm".

In einer Vitrine ist die Bleistiftzeichnung einer Lampe zu sehen, die an einer Wand befestigt mit einem Scherenarm verstellt werden kann. Es ist der Originalentwurf Curt Fischers aus dem Jahr 1919. Die Midgard-Lampe, die der Ingenieur damals für seine Arbeiter erfand, wurde schnell zum Renner und auch in anderen Betrieben eingesetzt. Der Firmenname Midgard ist übrigens das germanische Wort für Erde. Zu Lebzeiten Fischers war die nordische Mythologie sehr populär.

Midgard-Lampe in "M - eine Stadt sucht seinen Mörder"

1931 taucht die Lampe sogar in dem Film "M - eine Stadt sucht seinen Mörder" von Fritz Lang auf: als blendende Verhörlampe. "In dem Film ist tatsächlich eine Midgard 113 zu sehen", sagt Thomas Edelmann. "Aber ich behaupte einfach mal: In realen Verhörsituationen wird es sie ganz wenig gegeben haben, weil dafür war sie zu teuer." Zwischen 35 und 68 Reichsmark kostete die Leuchte damals - das entspricht heute circa 500 Euro.

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Zwei Künstler völlig erschöpft in der Bauabteilung des Bauhaus Dessau - an der Wand mehrere Midgard-Lampen.

Bauhaus Gründer Walter Gropius war begeistert von der Midgard-Lampe. In einem Bauhaus-Produkt-Werbefilm Ende der 20er-Jahre werden die Lampen vorgestellt. Dieser Film ist in der Ausstellung zu sehen. Es ist herrlich, wie darin eine junge Frau völlig beseelt und selbstvergessen die Lampe in alle möglichen Richtungen schwenkt und dreht.

Weiterentwicklung der Lampe

Die Ausstellung zeigt aber auch die Entwicklung der Lampen: Von den ersten Industrieleuchten über Federzuglampen, die in den 70er-Jahren auf vielen Schülerschreibtischen standen, bis hin zu einer ganz modernen Variante aus Fieberglas. Eine ausgefallene, sehr interessante Ausstellung, in der die Besucher die Exponate anfassen und auch selbst die Lampen in jede Richtung schwenken können.

Ausstellung: Als das Licht beweglich wurde

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg widmet sich in der Ausstellung "100 Jahre lenkbares Licht" der Erfindung und Weiterentwicklung des schwenkbaren Lichts.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099  Hamburg
Telefon:
040 4 28 13 48 80
E-Mail:
service@mkg-hamburg.de
Preis:
12 Euro
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

1. Mai, Heiligabend und Silvester ist das Museum geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 29.01.2019 | 19:00 Uhr

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