Stand: 21.01.2019 17:43 Uhr

100 Jahre Hamburgische Sezession

von Benedikt Scheper

Sie galten als Avantgarde an der Alster - die Künstlerinnen und Künstler der Hamburgischen Sezession. Ob Malerei, Grafik, Skulptur, Schmuck oder Architektur - die Bandbreite ihres expressiven Schaffens nach dem Ersten Weltkrieg ist herausragend. Und trotzdem sind die Expressionisten heute zum Teil in Vergessenheit geraten, erklärt Silke Reuther vom Museum für Kunst und Gewerbe: "Ich habe das Gefühl, dass die Hamburger immer Angst haben, als provinziell zu gelten, wenn sie ihre heimischen Künstler ausstellen. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Raum für die Hamburger Künstler hier in den Museen geschaffen würde."

Die Werke der Hamburgischen Sezession

Neue Sichten für das Bürgertum

Bis dato gab es in der Hansestadt eher selten Retrospektiven, wie zuletzt über Anita Rée. Zum 100. Gründungsjubiläum präsentieren in diesem Jahr gleich drei Häuser Hamburg als "Metropole der Moderne". Eines davon ist das Jenisch-Haus. Dessen Leiterin Nicole Tiedemann-Bischop: "Es wird nicht nur ein Bild von Hamburg gezeigt, sondern auch der Zeitgeist. Man muss immer im Hinterkopf haben, wie das etablierte Publikum darauf reagiert hat, um zu sehen, wie innovativ das war und was für neue Sichten die für das Hamburger Bürgertum in die Stadt gebracht haben."

Wegbereiter der Moderne

Das Jenisch-Haus zeigt ab April die Ausstellung "Tanz des Lebens" nach dem gleichnamigen Holzschnitt von Heinrich Steinhagen, dem Mitbegründer der Gruppe. Insgesamt 120 Werke werden zu sehen sein. Für Tiedemann-Bischop waren die 52 Sezessionsmitglieder Wegbereiter der Moderne: "Sie haben das für ihre eigene Stadt gemacht. Sie wollten die Hamburger Kunstszene aufmischen und Verständnis für die Kunst wecken. Dabei ging es weniger um Abgrenzung von anderen Künstlern, sondern eher um die Schaffung einer neuen Szene, die auch relativ frei war." Etwas ganz Besonderes seien die Feste der Künstlervereinigung gewesen, mit "ihrem Esprit, ihrer Lust zur Kunst und Lebensfreude". Die Schau wird deshalb ergänzt durch spektakuläre Fotos von den rauschenden "Zinober-Festen".

Faszinierende Grafiken

Das Museum für Kunst und Gewerbe rückt ab März seinen früheren Direktor, Max Sauerlandt, ins Zentrum. Er förderte in den 1920er-Jahren die Sezessionisten, kaufte zahlreiche Werke, die auch die langsame Entwicklung eines eigenen Stils nachzeichnen. "Wir werden einen Fokus auf die unglaublich faszinierende Grafik setzen mit frühen Arbeiten von Heinrich Steinhagen", sagt Kuratorin Silke Reuther. "Diese thematisieren den Ersten Weltkrieg, was ja ein wichtiger Impulsgeber für die Sezessionsgründung gewesen ist. Außerdem zeigen wir die berühmte Brücken-Serie von Rolf Nesch, wunderbare Druckgrafiken von Arnold Fiedler, aber auch Karl Kluths "Wegspuren", eines der beiden Gemälde, die Anlass gegeben haben für die Schließung der letzten Sezessionsausstellung 1933." Die Bilder der Hamburger Formation entsprachen nicht den Kunstvorstellungen der Nationalsozialisten, sodass einige Mitglieder verfemt wurden, teilweise emigrierten oder im Zuge der NS-Diktatur ums Leben kamen.

Rückkehr in die Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle, in der die Sezessionisten am 14. Dezember 1919 ihre erste gemeinsame Ausstellung eröffneten, zeigt ab Ende August rund 40 Werke. Dass die Arbeiten - von Alma del Banco bis Gretchen Wohlwill - in den Rundgang der "Klassischen Moderne" integriert werden, soll Bezüge zu anderen Strömungen der Zeit sichtbar machen. So kann das Publikum in dieser Schau vor allem durch den Vergleich mit berühmteren Zeitgenossen die hohe Qualität künstlerischer Expression in der Hansestadt erkennen.

Die Austellungen zum Jubiläum


"Tanz des Lebens. Die Hamburgische Sezession 1919-1933", Jenisch-Haus, ab 14. April 2019

"Ein lebendiges Museum ... Max Sauerlandt und die Hamburgische Sezession", Museum für Kunst und Gewerbe, ab 21. März 2019

"100 Jahre Hamburgische Sezession", Hamburger Kunsthalle, ab 30. August 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.01.2019 | 10:20 Uhr

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