Szene aus dem Film "Home" © Weltkino Verleih

"Home": Film über die Sehnsucht nach Vergebung

Stand: 31.07.2021 08:00 Uhr

Franka Potente hat ihren ersten Kinofilm in Kalifornien gedreht. Das Drama "Home" handelt von einem ehemaligen Gefängnis-Insassen und der Sehnsucht nach Vergebung..

von Walli Müller

Wie einprägsam ein klug komponiertes Filmbild sein kann, weiß Franka Potente, seit sie in "Lola rennt" mit flatternd rotem Haar zur Stil-Ikone wurde. Ihr Regie-Debüt beginnt mit einem ähnlich starken Bild: Über eine der Endlos-Straßen im amerikanischen Westen rollt, wo sonst nur Autos fahren, ein Typ im Trainingsanzug mit seinem Skateboard. Auf dem rasierten Kopf ein Rest leuchtend roter Haare, zum Zopf gebunden, mit Tattoos an Hals und Fingern.

Leicht zu erraten, dass Marvin aus dem Gefängnis kommt. Hier kehrt ein verlorener Sohn zurück in seine Heimatstadt. Mit dem Skateboard aus Teenie-Tagen und in den Klamotten, die er als Jugendlicher bei seiner Verhaftung trug. Nur sind seither 17 Jahre vergangen. Ist das noch sein Zuhause? Die Mutter begrüßt Marvin nicht eben euphorisch.

"Dein Onkel Teddy ist an Lungenkrebs gestorben vor fünf Jahren. Tante Ruthie zwei Jahre danach. Alles Mögliche ist passiert, und Du hast keinen Schimmer davon mitgekriegt." Filmszene

Kathy Bates als ruppige Mutter

Szene aus dem Film "Home" © Weltkino Verleih
Nach 17 Jahren Gefängnis kehrt Marvin (Jake McLaughlin) heim zu seiner Mutter (Kathy Bates).

Ruppig spielt Oscar-Preisträgerin Kathy Bates diese Mutter, deren schwere körperliche Krankheit nur den Zustand ihrer Seele zu spiegeln scheint. Fotos aus glücklicheren Tagen zeigen sie mit zwei Söhnen. Der eine starb, kurz bevor der andere als Mörder in den Knast ging. Franka Potente hat ihren Film im amerikanischen Unterschichts-Milieu angesiedelt: die Häuser baufällig, die Jobs prekär, die Sprache schlicht. Dass Marvin hier als verurteilter Mörder nicht willkommen ist, teilt man ihm mit Fäusten und Steinen durchs Fenster mit.

Über 600.000 Häftlinge werden jedes Jahr aus amerikanischen Gefängnissen entlassen. Wie schwer der Neustart für sie ist, das wollte Franka Potente in ihrer selbst geschriebenen Geschichte ausloten. Mit zurückhaltendem, freundlichem Auftreten versucht Marvin wieder Fuß zu fassen, in einer Stadt, in der viele nur den Verbrecher in ihm sehen können. "Ich wollte einen Film über einen Mann machen, der was ganz Brutales und Brachiales hat - und dann auch eine zarte Seite an sich entdeckt, dadurch dass er zu seiner Mutter zurückkehrt, die bedürftig ist und ihn plötzlich braucht", erzählt Franka Potente.

"Home": Franka Potente beweist sicheres Gespür für Figuren

In geradezu zärtlichem Ton erzählt Potente von ihrem gefallenen Helden. Es gibt in "Home" keine Erklärung oder Rechtfertigung für Marvins Tat, nur seine Sehnsucht nach Vergebung. Im Gefängnis erwachsen geworden, bereut er zutiefst, was er getan hat. Den Hinterbliebenen seines Opfers und ihrem Zorn weicht er nicht aus.

Als Regisseurin beweist Franka Potente nicht nur ein sicheres Gespür für ihre Figuren, sondern auch ein stilsicheres Auge für die Optik des Films. "Als Schauspieler hat man einen relativ eng gesteckten Bereich, den man bespielt", erklärt Potente. "Und ich hatte zunehmend das Gefühl, dass mich das Andere auch interessiert. Ich hatte das Gefühl, dass ich auch etwas zu den anderen Bereichen beizutragen habe - und da ist man dann schnell beim Regisseur." Dass der Seitenwechsel fürs Kino eine Bereicherung sein wird, daran lässt dieses gelungene Regie-Debüt keinen Zweifel!

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Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland/USA
Zusatzinfo:
mit Jake McLaughlin, Kathy Bates, Aisling Franciosi
Veröffentlichungsdatum:
29. Juli
Regie:
Franka Potente
Länge:
100 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre

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