Jannis Niewöhner als Felix Krull in einer Szene des Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" © Warner Bros

Detlev Bucks "Felix Krull" - Kostümfilm um Schein und Sein

Stand: 02.09.2021 06:00 Uhr

1957 wurde Thomas Manns unvollendeter Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" zum ersten Mal verfilmt. Detlev Buck hat ihn erneut als gepflegte Unterhaltung nach Daniel Kehlmanns Drehbuch inszeniert.

Jannis Niewöhner als Felix Krull im Frack, im Hintergrund Joachim Król als Kuckuck -  Szene des Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" © Warner Bros/Bavaria Filmproduktion/dpa
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von Bettina Peulecke

Der Schauspieler Jannis Niewöhner übernimmt die Hauptrolle in Bucks moderner Fassung der Romanverfilmung. "Ich kannte die Vorlage, weil mein Onkel ein ganz großer Fan von Thomas Mann und insbesondere von Felix Krull war", erzählt er. "Er hat mich immer als Kind beobachtet und mich auf eine Art auch als Krull wahrgenommen. Er hat mir den Roman, glaube ich, zum 18. Geburtstag geschenkt und ich mochte ihn sehr."

Jannis Niewöhner als charmanter Felix Krull

Sein Felix Krull ist ebenso leichtfüßig, gutaussehend und charmant, wie man sich die Figur nur wünschen kann. Dennoch fehlt ihm manchmal die notwendige Nonchalance, die sein Kollege David Kross in der Rolle des Marquis de Venosta dafür umso überzeugender rüberbringt.

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Felix Krull ist auf der Flucht vor der Armut

Jannis Niewöhner als Felix Krull mit Liv Lisa Fries als Zaza in einer Blumenwiese in einer Szene des Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" © Warner Bros/Bavaria Filmproduktion/dpa
Gestern wie heute geht es im Film um Schein und Sein, Haben und Nicht-Haben von Liebe und Geld.

Felix ist ein Sonntagskind, an Selbstbewusstsein und Stolz mangelt es ihm nicht, wohl aber an den finanziellen Mitteln, die es braucht, um einen aus seiner Sicht angemessenen Lebensstil zu pflegen. Er entkommt seinem verarmten Elternhaus - der Vater nahm sich nach seiner Firmeninsolvenz das Leben - und ergaunert sich eine Anstellung als Kellner in einem Pariser Nobelhotel.

Dort wird er zum Liebhaber einer reichen Dame, trifft seine ehemalige Geliebte Zaza, gespielt von "Babylon Berlin"-Star Liv Lisa Fries, wieder und macht unter anderem die Bekanntschaft mit dem Marquis de Venosta, der ebenfalls eine Affäre mit Zaza hat. Denn die will - genau wie Felix - auf keinen Fall arm sein:

Ich suche einen reichen Mann zum heiraten. Und dieser reiche Mann bist nicht du. Du bist ein Dieb und Schwindler. Das hätte geschäftlich keinen Sinn. Filmszene

Da ist der Marquis schon passender. Sollte der die Verbindung zu Zaza aufrecht erhalten, würde ihn sein Vater allerdings enterben. Stattdessen soll der edle Herr eine Weltreise antreten, und Felix kommt auf die Idee, die Identitäten zu tauschen, und somit voll auf seine Kosten, wenn er unter falschem Namen erster Klasse reist und es sogar bis an den Hof des portugiesischen Königs schafft.

Drehbuch von Daniel Kehlmann bleibt dicht an Vorlage

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Detlev Bucks "Felix Krull" mit Drehbuch von Daniel Kehlmann kommt hingegen längst nicht so verändert daher, wie man es erwarten könnte. Es ist keine in die Gegenwart verlegte Geschichte, sondern bleibt als üppig ausgestatteter Kostümfilm mit teilweise blumig-stelziger Sprache ziemlich dicht an der Buchvorlage, auch wenn manche Figuren größere Bedeutung erhalten und eine Dreiecksgeschichte neu hinzugekommen ist. Die Quintessenz aber ist geblieben: Gestern wie heute geht es um Schein und Sein, Haben und Nicht-Haben von Liebe und Geld.

Als sich der adelige Marquis und der Hochstapler Krull zum ersten Mal außerhalb des Hotels begegnen, in dem der Marquis logiert und Felix serviert, spürt der Marquis sogleich eine gewisse Verbundenheit.

Gepflegte Unterhaltung von Regisseur Detlev Buck

Schon Thomas Mann rückte Künstler humoristisch in die Nähe von Hochstaplern, und Detlev Buck meint, er habe viel gemeinsam mit Felix Krull. Denn auch der Regisseur hatte früh Ambitionen, nicht in seinem Heimatdorf als Landwirt zu enden: "Mir war klar: Ich muss weg, ich muss raus aus diesem kleinen Dorf, ich muss etwas anderes machen. Und wenn man so will, ist man auch Hochstapler, wenn man einen Film macht. Weil ein Film ist nicht greifbar, du weißt nicht, was da rauskommen wird und du tust, als wenn du es wüsstest. Und das müssen andere glauben, also bin ich auch ein Hochstapler, wenn ich einen Film mache."

Weder die erste noch die zweite Verfilmung der "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" sind Meilensteine der deutschen Filmgeschichte - gepflegte Unterhaltung trifft es da schon eher.

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Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Genre:
Drama / Komödie
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Jannis Niewöhner, Liv Lisa Fries, David Kross, Maria Furtwängler, Joachim Król, Désirée Nosbusch, Christian Friedel
Regie:
Detlev Buck
Länge:
114 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
2. September

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