Stand: 12.09.2020 21:56 Uhr

Venedig: Goldener Löwe für "Nomadland" mit Frances McDormand

Frances McDormand in dem Film "Nomadland" von Chloé Zhao © picture alliance/Everett Collection
Frances McDormand spielt in Chloé Zhaos Drama "Nomadland" die Hauptrolle als eine moderne Nomadin.

Das US-Gesellschaftsdrama "Nomadland" von Chloé Zhao hat bei den 77. Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen geholt. Das verkündete am Sonnabend die Wettbewerbsjury unter Vorsitz der australischen Schauspielerin Cate Blanchett bei der Abschlussveranstaltung. Der deutsche Autorenfilmer Christian Petzold, US-Schauspieler Matt Dillon und die britische Regisseurin Joanna Hogg waren ebenfalls Teil der Jury. 18 Filme konkurrierten um die Filmpreise des ältesten Filmfests der Welt - der deutsche Beitrag "Und morgen die ganze Welt" von Julia von Heinz ging leer aus.

Der Siegerfilm "Nomadland" erzählt die Geschichte einer Frau, die einen wirtschaftlichen Kollaps erlebt, danach ihre Sachen packt und in ihrem Bus als moderne Nomadin durch das ländliche Nevada fährt. Es ist der dritte Spielfilm der US-Independent-Regisseurin Chloé Zhao, die Oscar-Preisträgerin Frances McDormand ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri") in der Hauptrolle als Fern besetzt hat. Beide Künstlerinnen dankten dem Festival per Video-Botschaft aus den USA.

Beste Schauspielerin: Britin Vanessa Kirby

Die britische Schauspielerin Vanessa Kirby beim 77. Filmfest Venedig mit der Coppa volpi als beste Schauspielerin © ANSA/ETTORE FERRARI
Die 32 Jahre alte Britin Vanessa Kirby ist zweifach im Wettbewerb mit Filmen vertreten. Sie erhält die coppa volpi als beste Schauspielerin für "Pieces Of A Woman".

Die copa volpi als beste Darstellerin erhielt die als Favoritin gehandelte Britin Vanessa Kirby, die sogar in zwei Filmen im Wettbewerb die Hauptrolle spielte. Zum einen im Historienfilm "The World To Come" von Mona Fastvold, in dem sie eine Farmersfrau um 1850 spielt, die sich in eine Siedlerin verliebt. Das Festival zeichnete sie jedoch für die Rolle einer Mutter aus, die auf schmerzvolle Weise ihr Baby verliert - im kanadisch-ungarischen Drama "Pieces Of A Woman" des Regisseurs Kornél Mundruczó. Die Britin Kirby dankte allen Müttern, die sie bei ihren Vorbereitungen zum Film während der Geburt erleben durfte und widmete den Preis all jenen Frauen, die Totgeburten erlitten haben.

Silberner Löwe für Beste Regie für Japaner Kiyoshi Kurosawa

Als bester Hauptdarsteller wurde der Italiener Pierfrancesco Favino im Drama "Padrenostro" von Claudio Noce ausgezeichnet. Der Film handelt von einem traumatischen Erlebnis eines Jungen im Rom der 1970er-Jahre. Der Große Preis der Jury ging an den mexikanischen Film "Nuevo Orden" von Michel Franco, das die Kluft zwischen Arm und Reich in einer nahen Zukunft Mexikos zeigt. Der Silberne Löwe für die beste Regie erhielt der Japaner Kiyoshi Kurosawa für seinen Spionagefilm "Wife Of A Spy". Alle weiteren Auszeichnungen führt das Festival hier auf.

Strenge Hygienemaßnahmen

Das Festival in Venedig war das erste große Kinoevent weltweit, das seit Beginn der Corona-Pandemie mit Publikum stattgefunden hatte. Es fand unter strengen Hygiene-Maßnahmen statt, so galt allerorten die Verpflichtung zu Abstand und zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes.

Schottin Tilda Swinton erhielt den Goldenen Ehrenbären

Bereits früher beim Festival waren die Regisseurin Ann Hui und die schottische Schauspielerin Tilda Swinton mit Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden. Swinton hielt bei der Verleihung eine wunderschöne Dankesrede: über das Kino als Glücksort, als wahre Heimat und als Mutter. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Und morgen die ganze Welt" hatte am Freitag Weltpremiere am Lido gefeiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 13.09.2020 | 16:20 Uhr

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