Stand: 24.02.2020 00:30 Uhr  - NDR Kultur

Die norddeutschen Hoffnungen bei der Berlinale

von Patricia Batlle

Am 20. Februar sind die 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin gestartet. Der Norden ist mehrfach beim Festival vertreten. Etwa im Berlinale-Wettbewerb, in dem dieses Jahr 18 Filme um den Goldenen Bären konkurrieren. Ein Blick auf den norddeutschen Kandidaten und die weiteren spannenden norddeutsch geförderten Produktionen auf der Berlinale.

Auf einem Termin der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein unmittelbar vor der Berlinale stellt deren Chef Helge Albers die norddeutsche Präsenz auf dem Festival vor: "Wir haben sieben Filme im Programm. Das heißt, wir sind echt richtig gut vertreten". Zum einen läuft der Film "Es gibt kein Böses" im Wettbewerb, ein Beitrag des in Hamburg lebenden Iraners Mohammad Rasoulof. Er behandelt in vier Geschichten die Themen moralische Kraft und Todesstrafe. Ob der Regisseur den Film jedoch persönlich in Berlin vorstellen kann, ist ungewiss: Er darf seit 2017 den Iran nicht mehr verlassen, in dem seine Filme immer spielen. "Der Film ist noch nicht fertig, ich überspitze es ein bisschen, aber der wird ungefähr eine Stunde vor Premiere erst fertig werden. Wir bemühen uns sehr, dass Rasoulof zu seiner Premiere kommen kann", hofft Albers.

"Schlaf" - Hamburger Horrorfilm von Michael Venus mit Sandra Hüller

Auch der Horrorfilm "Schlaf" von Michael Venus dürfte international für Aufmerksamkeit sorgen: Denn mit der Schauspielerin Sandra Hüller ("Toni Erdmann") in einer Nebenrolle ist die Hamburger Produktion prominent besetzt. "Der Genrefilm 'Schlaf' ist zu sehen in der Perspektive Deutsches Kino. Wir sind super-super-stolz, dass er dort läuft. Wir haben den hier im Norden gedreht, zusammen mit den Filmförderungen Hamburg Schleswig-Holstein, der nordmedia, dem ZDF Kleines Fernsehspiel und der BKM", erzählt die Produzentin Verena Gräfe-Hoft von der Hamburger Produktionsfirma Junafilm.

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Die Hamburger Produzentin Verena Gräfe-Höft hat mit dem Regisseur Michael Venus von "Schlaf" gemeinsam bei der Hamburg Media School studiert.

Gräfe-Hoft kennt den Debütfilmregisseur Michael Venus schon lange: Sie haben gemeinsam an der Hamburg Media School studiert. "Das ist eine Mutter-Tochter-Geschichte, die durch einen Fluch aus der Vergangenheit getriggert wird." Die Tochter - gespielt von der Hamburgerin Gro Swantje Kohlhof - findet ihre von Hüller gespielte Mutter nach deren Zusammenbruch in einem Krankenhaus im Harz wieder. Danach versucht sie herauszufinden, was genau passiert ist und woher die Alpträume ihrer Mutter kommen.

Russischer Dokumentarfilm "Garagenvolk" von Hamburgern produziert

Ebenfalls in der Perspektive Deutsches Kino feiert Regisseurin Natalija Yefimkina Weltpremiere mit ihrem Dokumentarfilm "Garagenvolk", einer Produktion der Hamburger Andrea Schütte und Dirk Decker von Tamtam Film: "Wir gucken hinter diese Garagentore, hinter denen nicht, wie man vermuten könnte, Autos sind, sondern diese russischen Männer, die ihren Träumen und ihren Sehnsüchten nachgehen und da so ihre Freiräume finden, die sie in ihrem Alltag, in dieser vom Bergwerk und vom Wetter geprägten Region nicht so finden", erzählt Decker. Yefimkina kennt Andrea Schütte aus einem früheren gemeinsamen Projekt und ist an sie herangetreten, um ihren Debütfilm von Tamtam Film produzieren zu lassen, wie die Hamburger Produzentin erzählt.

Daphne Charizanis Drama "Im Feuer" läuft auch in der Perspektive Deutsches Kino. Darin sucht eine Bundeswehrsoldatin im Irak nach ihrer verschwundenen Schwester. In der Reihe "Panorama" hingegen geht es um die Liebe: Faraz Shariat erzählt in "Futur Drei" eine queere Geschichte über erste Liebe und das Leben als Migrant in Deutschland.

Hamburg auf der Berlinale

Hamburg Journal -

Etliche Filme aus Hamburg werden in den kommenden Tagen bei den Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt. Einer ist sogar im Wettbewerb um die begehrten Bären dabei.

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