Stand: 15.06.2020 17:27 Uhr

Showlegende Elstner: Ehrenrunde mit fünf Gästen

von Anna Wollner

Er hat "Wetten, dass..?" erfunden und ist eine der letzten großen Showlegenden: Frank Elstner. Seit dem 12. Juni ist auf Netflix seine letzte große Show "Wetten, das war's..?" zu sehen - quasi eine Ehrenrunde mit fünf Gästen, die er in seine Show eingeladen hat, eine Fortführung der gleichnamigen Sendung, mit der er im Jahr 2019 schon auf Youtube zu sehen war.

Talk-Legende Frank Elstner unterhält sich in der Netflix-Show "Wetten, das war's" mit der Entertainerin Charlotte Roche © Netflix
Talk-Legende Frank Elstner hat selbst Shows erfunden und moderiert und ist nun in "Wetten, das war's..?" zu sehen - hier im Gespräch mit Charlotte Roche.

Es ist Frank Elstners offene und ehrliche Art, die in jeder Sekunde rüberkommt. Nicht nur ein echtes Interesse an seinen Gästen, sondern auch die natürliche Neugier nachzufragen, die in "Wetten, das war's..?" sofort ins Auge springt. Im Gespräch mit Autorin und Moderatorin Charlotte Roche bemerkt er: "Sie haben so ein glückliches Gesicht. Wie lange haben sie dazu gebraucht, um dieses Gesicht wieder nach außen zu tragen?" Sie antwortet: "Wenn das so ist, ja, schon viele Jahre. Sie sprechen doch das Trauma praktisch an. Vom Tod meiner Geschwister. Das hat auf jeden Fall Jahre gedauert."

Frank Elstner führt Gespräche in intimen Setting

Das Setting ist intim, keine ausufernde Showbühne, kein überdimensioniertes Sofa, auf dem die Gäste verloren und nervös auf der Kante sitzen. Im Hintergrund des Raums stehen leere Stuhlreihen, vorne eine lang gedeckte Tafel, an deren Kopfende Frank Elstner sitzt.

"Wetten, das war's..?" : Echte Gespräche, keine Lügen

Er thront hier nicht, aber so hat er die Gelegenheit, sich zu seinen Gästen hinüberzubeugen und eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Diese sorgt in Kombination mit seiner ruhigen Gesprächsführung dafür, dass seine Gäste wirklich mit ihm ins Gespräch kommen und eben nicht, wie in anderen Talkshows, nur zu Gast sind, weil sie Werbung für ein aktuelles Produkt machen wollen. Elstner verbiegt sich nicht, lügt seine Gäste nicht an. Er ist offen zu ihnen.

Er erzählt etwa eine Anekdote im Gespräch mit Charlotte Roche: "Kennen Sie meine Erfahrung mit ihrem Buch 'Feuchtgebiete'? Ich habe mir in Köln in der Buchhandlung das Buch gekauft. Ich habe mich ins Flugzeug gesetzt, saß neben einer gut situierten älteren Dame, die völlig empört guckte, als ich die 'Feuchtgebiete' auf dem Schoß liegen hatte. Ich habe das Buch bis zur Seite 80 gelesen, dann sind wir in Berlin gelandet. Dann bin ich an einem Papierkorb vorbeigekommen und hab' es reingeschmissen."

Gäste wie Daniel Brühl, Joko Winterscheidt und Lena Meyer-Landrut

Die Gäste sind aus einer anderen Generation. Roche erzählt über den Tod ihrer Familie und das Schreiben ihres Skandalbuches "Feuchtgebiete". Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf reden getrennt voneinander über ihre Karriere und Freundschaft.

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Talk-Legende Frank Elstner (links) unterhält sich in der Netflix-Show "Wetten, das war's" mit dem Schauspieler Daniel Brühl (rechts) © Netflix
Mit dem international, auch in Hollywood erfolgreichen Schauspieler Daniel Brühl spricht Elstner über verpasste Oscar-Nominierungen und die #MeToo-Debatte.

Mit dabei sind noch Lena Meyer-Landrut und der Schauspieler Daniel Brühl. Der gibt selten-ehrliche Einblicke in die narzisstische Seele eines Schauspielers, der kurz vor einer Oscar-Nominierung stand und enttäuscht wurde. "Wenn man einmal in der Maschinerie drin ist, werden die Stimmen im Kopf langsam lauter. Plötzlich fiebert man in einer Art mit, die dann irgendwann nicht mehr schön ist. Und wenn dann der Anruf, der wichtigste Anruf nicht kommt, am Tag der Oscar-Nominierung, ist man ernsthaft geknickt. Das hat mich eine ganze Zeit lang gekostet. Da war ich genervt", erzählt Brühl.

Elstner, sichtlich gezeichnet vom Parkinson, hört zu und lässt sich Anekdoten seiner Gäste erzählen. Anekdoten, die Fans der Gäste schon kennen, die für Elstner und seine Zielgruppe aber neu sind. Nur manchmal wirkt er zu naiv. So stellt er dem Hollywood-erfahrenen Brühl, der etwa in "Die Frau in Gold" mit Harvey Weinstein zusammengearbeitet hat, die Frage: "Was sagen Sie zu der großen #MeToo-Debatte? Ist das wirklich so, dass man das Gefühl haben muss, dass jeder zweite Produzent versucht, sich die unbekannten Schauspielerinnen auf eine Art und Weise gefügig zu machen, dass das hinterher im Gefängnis endet?" Brühl antwortet: "Da ist schon sehr viel Mist gelaufen. Und ich habe auch mit diesem Herren, der im Gefängnis gelandet ist, drei Filme gedreht. Und mir war das auch klar."

Doch Fremdscham-Momente gibt es für eine Talkshow selten. Die fünf Folgen "Wetten, das war's..?" sind ein ruhiger, aber würdiger Abschied einer Showlegende.

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