Stand: 27.03.2021 09:04 Uhr

Liebe im Film hat viele Gesichter

von Patricia Batlle

Seit seinen Anfängen liebt das Kino Geschichten über Liebespartner, die auf den ersten Blick nicht unbedingt füreinander bestimmt zu sein scheinen: Etwa wie Harold und Maude oder die Cowboys aus "Brokeback Mountain".

Auch der Soldat und die blaue Riesenamazone aus "Avatar" gehören dazu.

Der Nachkriegsstreifen "Die Schöne und die Bestie" von Jean Cocteau ist eines der Meisterwerke des poetischen Films. Die schöne und unverzagte Bella lernt das Monster trotz seiner schrecklichen Gestalt lieben. So erlöst sie den Fluch, der auf ihm liegt, und rettet es vor dem Tod. Dieses filmische Beispiel für gelebte Akzeptanz von 1946 ist seitdem mehrfach verfilmt worden. Sogar eine Oper gibt es. Bis heute ist das Thema aktuell: Disneys Neuauflage, das Musical "Die Schöne und das Biest", hat 2017 weltweit über eine Milliarde Dollar eingespielt.

Große Altersunterschiede, Anziehungskraft von Androiden

Die Paarkombination "Mensch und Bestie" kommt häufiger vor. "King Kong" schnappt sich die weiße Frau, der Vampir das schöne Mädchen: Scharenweise sind Teenies ins Kino gegangen, um in der "Twilight"-Saga mit dem Mädchen Bella (Kristen Stewart) den unsterblichen Vampir Edward (Robert Pattinson) anzuschmachten. Auch beliebt: Liebe zwischen Menschen und Maschinen. 2014 etwa im Science-Fiction-Film "Ex Machina" von Alex Garland. Hier verliebt sich ein Programmierer (Domhnall Gleeson) in die Androidin Eva (Alicia Vikander). Für sie riskiert er sein Leben.

Ein Riesengorilla schnappt sich eine Frau und fuchtelt sie über der Skyline von New York herum - Szene aus "King Kong und die weiße Frau" von 1933 © imago/United Archives
AUDIO: Uraufführung von "King Kong" (15 Min)

Leben und leben lassen - plädierte schon Rainer Werner Fassbinder. Sein Melodram "Angst essen Seele auf" von 1974 fordert Respekt für ein ungewöhnliches Paar: "Ich habe mich verliebt. In einen Marokkaner, der 20 Jahre jünger ist als ich. Eher mehr," sagt Emmi, gespielt von Brigitte Mira. Ihre Tochter kann es nicht fassen: "Du machst wirklich eigenartige Witze, Mama."

Fassbinder greift das Tabu aus dem Hollywood-Melodram von Douglas Sirk "Was der Himmel erlaubt" auf und ändert es leicht ab: Eine reife Witwe lässt sich mit einem viel jüngeren Gastarbeiter ein und schockiert damit die prüde Gesellschaft. Heute regt das kaum noch Kinobesucher auf. Genauso wenig, wie homosexuelle Regisseure und Regisseurinnen noch Anlass zum Aufruhr sind.

Schwule Cowboys und eine Transgender-Pionierin

Und auch auf der Leinwand ist gleichgeschlechtliche Liebe ein Thema - vor allem die Ressentiments, auf die Homosexuelle immer noch stoßen. Im ländlichen Amerika der Sechziger war Homosexualität ein absolutes Tabu. Ang Lee siedelt im Western "Brokeback Mountain" die leidenschaftliche Liebe zweier Cowboys und Familienvätern zueinander in diesem von Männlichkeitsstereotypen durchdrungenen Milieu an und setzt ihr ein herzzerreißendes Denkmal.

Wie viel Kraft und Toleranz jemand braucht, dessen Partner im falschen Körper steckt - das zeigt der Brite Tom Hooper in seiner Biografie "The Danish Girl" mit Eddie Redmayne und Alicia Vikander. Die Transgender-Pionierin Lily Elbe kam als Mann zur Welt. Sie wagte 1930 als eine der ersten eine Geschlechtsumwandlung. Dennoch blieb ihre Ehefrau Gerda  - allen Anfeindungen zum Trotz - bis zum Schluss an Lilys Seite. Lily Elbes Liebeserklärung ist ein Plädoyer für Toleranz: "Ich liebe dich, weil du die Einzige bist, die mich verstanden hat. Durch die ich ich sein kann".

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.03.2021 | 08:00 Uhr

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