Stand: 02.07.2020 15:58 Uhr

Modernes Märchen über eine mythische Wassernymphe

von Bettina Peulecke

Der deutsche Regisseur Christian Petzold bringt mit "Undine" einen der ersten bundesweit wieder startenden Filme ins Kino.   "Undine" ist der Sage nach eine Jungfrau aus dem Wasser, die erst durch die Vermählung mit einem Menschen eine Seele bekommt. Wenn der Mensch sie jedoch wieder verlässt, stirbt er. Der klassische Stoff inspirierte schon die verschiedensten Künstler: Komponisten, Schriftsteller und natürlich Filmemacher.

Paula Beer und Franz Rogowski als bewährtes Traumpaar

Schon in seinem letzten Film "Transit" brillierten die beiden Hauptdarsteller, und nun hat der Regisseur Christian Petzold erneut mit Paula Beer und Franz Rogowski ein Traumpaar vor der Kamera. Ebenso wie "Transit" lief auch "Undine" im Wettbewerb der Berlinale, wo Paula Beer mit dem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Die Filmfestspiele scheinen ein wenig Schicksal zu spielen. Als der Regisseur sich nämlich bei einem Abendessen 2017 von ihnen verabschiedete, wurde auch die Idee zu "Undine" geboren, wie er erzählt: "Jetzt mache ich eine Geschichte, wo du aus dem Wasser wieder ins Leben zurückkommst", habe er zu ihnen gesagt. "Dann begegnet ihr euch und ihr habt diese Liebesgeschichte, die euch in 'Transit' verwehrt war."

"Undine": Moderndes Märchen rund um eine Wassernymphe

Paula Beer spielt in diesem modernen Märchen die mythische Wassernymphe. Ihre Liebesgeschichte spielt im heutigen Berlin, wo Undine ganz weltlich als Stadthistorikerin arbeitet. Was auch immer diese Undine über ihre Stadt erzählt - und möge es noch so sachlich und analytisch sein - immer steckt in ihren Ausführungen ein gewisser Zauber. Und das liegt vor allem an der Ausstrahlung Paula Beers, ihrer Fähigkeit, von einer Sekunde zur nächsten, von knallhart, von unheimlich auf herzerweichend zu wechseln. Ihr habe die Idee gefallen, dass "Undine" ja im Grunde eine Serienmörderin ist, die schon unendlich lange in der Stadt herumgeistert und daher auch alles über die Stadt weiß, sagt Paula Beer über ihre Rolle.

Für einen Film von Christian Petzold geradezu romantisch

Der Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold beim Dreh seines Filmes "Undine" © imago images/Prod.DB - chramm Film - Les Films du Losange - Arte - ZDF Foto: Marco Kruger
Christian Petzold hat einen geradezu romantischen Film gemacht.

Wer schon den einen oder anderen Petzold-Film gesehen hat weiß, dass der Regisseur nicht gerade ein Faible für opulente Inszenierungen hat. Oft wirkt er leicht unterkühlt. "Undine" ist da geradezu romantisch. Das erste Zusammentreffen zwischen Undine und ihrem zukünftigen Geliebten, einem Industrietaucher, verläuft allerdings tollpatschig.

Ein Aquarium zerbricht und die beiden landen auf dem Boden. Dahingespült von den überwältigenden Wogen des Wassers beziehungsweise der Liebe. Das ist sehr offensichtlich, deutscher Symbolismus pur, kein magischer Realismus - aber er funktioniert. Vor allen Dingen, weil die Chemie zwischen den Hauptdarstellern funktioniert.

Der Spielfilm läuft bundesweit ab dem 2. Juli in ausgewählten Kinos. Regisseur Petzold begleitet einige der Preview-Vorstellungen und Premieren im Kino: etwa am Dienstag, 28. Juni, ab 19 Uhr im Hamburger Kino Abaton mit Hauptdarstellerin Paula Beer, anschließend ab 20.30 Uhr im den Zeise Kinos in Hamburg Altona.

Mehr zum Film "Undine"
Christian Petzold bei der Grimme Preis Verleihung 2012 in Marl am 23. März 2012. © dpa picture alliance Foto: Christopher Adolph

Petzold über "Undine": "Wie Ballett unter Wasser"

Christian Petzold ist 60 Jahre alt geworden. Mit dem Liebesfilm "Undine" hatte der Regisseur an der Berlinale teilgenommen und über sein Filmpaar gesprochen: Paula Beer und Franz Rogowski. mehr

Undine

Genre:
Drama/Liebesfilm
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland, Frankreich
Zusatzinfo:
mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree.
Regie:
Christian Petzold
Länge:
89 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
2. Juli 2020

Dieses Thema im Programm:

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