Stand: 19.12.2019 14:48 Uhr

Roadmovie mit Shia LaBeouf und Dakota Johnson

von Katja Nicodemus

Schon als Kind wollte Zachary Gottsagen zum Film. Nach einer Handvoll Rollen erfüllte sich für den 35-jährigen Schauspieler mit Down-Syndrom einen Traum: In dem Film "The Peanut Buttter Falcon" steht er mit zwei amerikanischen Stars vor der Kamera: Shia LaBeouf und Dakota Johnson.

Schon immer hatte das amerikanische Kino ein Herz für Außenseiter wider Willen, für liebenswerte Randfiguren und vermeintliche Loser, die sich ihren Weg erkämpfen. Vielleicht nicht ins Herz der Gesellschaft, aber zumindest ins Herz eines Films. In "The Peanut Butter Falcon" heißt der Protagonist Zak (Zachary Gottsagen), hat Down-Syndrom und lebt in einem Heim, wo seine vielgestaltigen Ausbruchsversuche mit Gittern vor dem Fenster quittiert werden. Für Zak ist es ein eintöniges Leben, eine einzige endlose Unterforderung. Lichtblicke sind immerhin die kleinen Solidarisierungen mit einem älteren Herrn und Mitbewohner.

Dakota Johnson als Betreuerin

Zaks Betreuerin Eleanor, gespielt von Dakota Johnson, erfüllt ihren Job mit Engagement und Wärme. Sie mag Teil des Unterforderungssystems sein, das Zaks Bedürfnisse, aber nicht sein Potenzial und seine Sehnsüchte erkennt. Dennoch hat sie an Zak ein tiefes Interesse. Ganz im Gegensatz zum Anstaltsleiter, der in ihm nur einen Behinderten sieht, den es zu verwahren gilt. Und schon wieder ist Zak ausgebrochen.

Shia LaBeouf spielt Outlaw

Gern schickt das amerikanische Kino seine Außenseiter auf Reisen. Das Roadmovie als Entwicklungsroman und Weg zur Selbstfindung. Der Weg ist das Ziel. Und das Ziel ist für Zak eine Begegnung mit seinem Idol, der Wrestling-Legende "The Salt Water Redneck". Um überhaupt voranzukommen, schließt er sich einem anderen Außenseiter an: dem Outlaw und Krabbenfischer Tyler, gespielt von Shia LaBeouf. Tyler schleppt eine kriminelle Vergangenheit mit sich herum, wird von zwei brutalen Typen gejagt und kann nichts weniger gebrauchen als einen Menschen mit Down-Syndrom, der ihm durch Wälder und Maisfelder hinterherläuft - denkt er.

Freundschaft und Abenteuer in großartiger Landschaft

Tyler Nilson und Michael Schwartz haben ihren Film in der Landschaft des amerikanischen Südens angesiedelt. Zwischen Sümpfen, abgestorbenen Bäumen, Mangroven. Sie erzählen ihre Geschichte unter einem bleiernen Himmel, in einer insektenflirrenden Luft, deren Feuchtigkeit man zu spüren glaubt. Diese Landschaft ist das, was an "The Peanut Butter Falcon" wirklich begeistert. Sie bietet den beiden so unterschiedlichen Außenseitern Schutz, Nahrung und den Raum für ein Abenteuer, in dem langsam, aber sicher eine Freundschaft entsteht.

"The Peanut Butter Falcon": Roadmovie mit überholtem Frauenbild

Gern schaut man Shia LaBeouf und Zachery Gottsagen auf ihren Wegen durch die Sümpfe des Südens zu. Man würde es auch gerne noch länger tun, doch das Drehbuch lässt ihnen letztlich keine Zeit. Allzu viel muss geschehen. Da ist die fortwährende Flucht vor Tylers Verfolgern, zwei klischeehaften Bösewichtern. Und es gilt ja auch, in die Welt der Wrestler zu gelangen, wo der der Mensch mit Down-Syndrom seine Erfüllung und Mannwerdung erleben soll. Völlig unironisch geht der Film mit diesen männerbündnerischen Elementen um. Mit Selbstbildern, die geprägt sind von Gewehren, Gewalt und Gebrüll.

Ein echtes Problem ist das Frauenbild des Films. Zaks Betreuerin Eleanor reist den beiden hinterher. Dabei beschränkt sich Dakota Johnsons Figur Eleanor darauf, einzusehen, dass zwei Männer in der Wildnis am besten allein klarkommen - die ängstliche Frau gegen die männliche Freiheitssehnsucht. Irgendwann wird Eleanor schon einsehen, dass sie den Kerl zu bewundern hat - auch weil der Film ein bisschen finale Love-Story braucht. Der Staat, seine Institutionen und Betreuer, das soziale System und seine Therapien entpuppen sich als Vernichter der großen amerikanischen Freiheit. Manchmal bekommt ein Land genau die Independent-Filme, die es verdient.

The Peanut Butter Falcon

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Shia LaBeouf, Dakota Johnson, Zachary Gottsagen
Regie:
Tyler Nilson, Mike Schwartz
Länge:
98 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
19. Dezember 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 19.12.2019 | 07:20 Uhr

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