Stand: 23.10.2019 09:42 Uhr

Tatortreiniger: Wenn Blut und Gerüche echt sind

von Tobias Lickes

Wie bekommt man Blutflecken wieder weg? Klar, bei einem kleinen Fleck reicht es vielleicht, ihn mit kaltem Wasser auszuwaschen. Was aber, wenn nicht nur eine kleine Ecke am Teppich Blut abbekommen hat sondern die ganze Wohnung? Solche Fragen - aber auch solche Wohnungen - sind für Tatortreiniger Christian Heistermann Alltag. Kein Wunder also, dass sich Schauspieler Bjarne Mädel unbedingt für seine Rolle als "Schotty" in "Der Tatortreiniger" von ihm beraten lassen wollte.

Immer wieder haben sich die beiden Männer vor den Dreharbeiten getroffen. Meist ging es dabei um Mord und Totschlag und die bange Frage: Geht das wieder raus? "Bjarne war sehr interessiert, er wollte alles ganz genau wissen", erzählt Heistermann. "Wie sind Blutflecken am besten aus Teppichböden zu entfernen? Welche Geräte setzt man ein?", erzählt Heistermann. Gesprächsthemen hatten die beiden immer.

Ein Mann in gelbem Schutzanzug und Atemmaske steht in einem Raum voller Blutspritzer an den Wänden. © NDR

7 Tage… Tatortreiniger

7 Tage - - FSK 16

Es ist ein extremer Job: Tatortreiniger kommen in blutverschmierte Wohnungen und verwandeln sie wieder in eine lebenswerte Umgebung zurück. Wie gehen sie mit Ausnahmezuständen um?

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Echter Tatortreiniger wählte Requisiten für Schotty aus

Ob Schwämmchen, Chemikalien oder Fugenkratzer: Fast alle Requisiten, die Bjarne Mädel als "Schotty" in der Serie benutzt, hat Christian Heistermann ausgewählt. "Ab und zu haben sie natürlich das ein oder andere Requisitchen ausgetauscht, weil es vom Bild her nicht so gut passte." 90 Prozent seien aber wahrscheinlich von ihm ausgewählt, so der Tatortreiniger. Auch Teppichreinigungsgeräte hätten sie an das Drehteam ausgeliehen. "Da stellte sich heraus, dass bei denen der Dampf nicht stark genug war. Wir haben dann einen Dampferzeuger genommen, damit es im Bild besser sichtbar war", sagt Heistermann schmunzelnd. "Denn unsere Geräte sprühen und saugen ja nur."

Kunstblut macht auch Dreck

Zwar musste Schauspieler Bjarne Mädel im Gegensatz zu Heistermann nur Kunstblut aufwischen, wiederverwertbar waren die Lappen, Schwämme und Bürstchen nach den Drehs aber natürlich trotzdem nicht mehr. Kunstblut macht eben auch Dreck. "Die Requisiten hat mir der NDR dann irgendwann mal abgekauft - war nicht das große Geschäft, aber immerhin konnte ich dann den ein- oder anderen Wischmop im Fernsehen dann wiedererkennen", erzählt Heistermann und lacht.

Der Tatortreiniger zeigte Mädel, welche Schutzanzüge er verwendet, welche Gummihandschuhe er bei seinen Einsätzen trägt (immer zwei Paar übereinander) und welche Atemschutzmaske er aufsetzt, wenn er eine Wohnung das erste Mal betritt. Vieles davon findet sich in der Serie wieder. Ein Detail allerdings nicht: Die schwere Atemschutzmaske trägt "Schotty" praktisch nie. Verständlich: Dies würde ihm seine Kernkompetenz nehmen - das Philosophieren. Unter so einem Schutz kann man sich nur bedingt unterhalten. Auch deshalb trägt "Schotty" immer nur den ganz leichten Mundschutz aus Papier.

Einige Tatorte beschäftigen ihn bis heute

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Nachdem das Kunstblut aufgewischt ist, müssen die Schwämme und Bürsten in den Müll.

Je intensiver sich die beiden Männer über den Beruf des Tatortreinigers austauschten, desto mehr interessierte Mädel auch der psychologische Aspekt von Heistermanns Arbeit. Irgendwann wollte er zu einem echten Tatort mitkommen. Der Tatortreiniger riet ab: "Ich habe ihm gesagt: 'Nee Bjarne, lass mal, das ist zu extrem. Das brauchst du nicht unbedingt' - weil das einen Menschen unwahrscheinlich mitnimmt", sagt Heistermann plötzlich sehr ernst. Er weiß, wovon er spricht - immer wieder hat er mit den Herausforderungen seines Berufes zu kämpfen. Manche alten Fälle, an denen Heistermann geputzt hat, beschäftigen ihn bis heute.

Mundschutz und Gummihandschuhe: So arbeiten Tatortreiniger

Komparsenrolle als Dank in der Folge "Currywurst"

Das Filmteam vom Tatortreiniger hat sich auf seine Weise für Christian Heistermanns Hilfe bedankt: In der siebten und letzten Staffel der Serie sitzt in der Folge "Currywurst" plötzlich Christian Heistermann an einer Pommesbude - als Komparse. Heistermann muss immer noch lachen, wenn er die Szene heute sieht. "Frontal sah ich ganz gut aus, von der Seite hat mir das nicht so gefallen. Ich fand es echt nett, dass ich eingeladen wurde, um als Komparse mitzumachen. Unwahrscheinlich interessant, mit welchem Humor und welch tollem Team die am Set arbeiten."       

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7 Tage | 23.10.2019 | 23:50 Uhr

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