In der Zeitung ist ein polemischer Artikel über Brockmöller (Charles Brauer, links) erschienen; es geht um seine Beziehung zu einer angeblich von Harry Mucher erschossenen Polizistin, mit der Brockmöller befreundet war. Zusammen mit Stoever (Manfred Krug, rechts) fragt der verärgerte Brockmöller sich, woher die Presse so detaillierte Informationen hat, ohne je mit ihm gesprochen zu haben? © NDR/Studio Hamburg

Tatort-Jubiläum: Mord ist bei Stoever und Brockmöller Nebensache

Stand: 25.11.2020 10:06 Uhr

Manfred Krug und Charles Brauer spielten 15 Jahre lang die Tatort Kommissare für Hamburg. Ihre Ermittler Stoever und Brockmöller gelten bis heute als eines der beliebtesten Ermittler-Duos der ARD-Krimireihe, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

von Danny Marques Marcalo

Dass diese beiden auch in Mordfällen ermitteln, gerät irgendwann fast ein bisschen zur Nebensache. Stoever, gespielt von Manfred Krug und Brockmöller, gespielt von Charles Brauer, haben da dieses Faible für Jazz. Beide hätten schnell entdeckt, "dass sie aus derselben Ecke kommen, was die Musik, angeht. Dass wir Jazzfreaks sind", erzählt Charles Brauer. "Wir haben in unseren Wartezeiten im Wohnwagen oft ein Lied geträllert." Bei Dreharbeiten auf Neuwerk schlägt eine NDR Redakteurin vor, dass die beiden auch mal in einem der Filme zusammen singen. Und ab da wird es zu einem Standard, auf den alle Fans warten.

Der Grummelige und die ehrliche Haut

Stoever ist der etwas grummelige Typ, der es mit den Regeln nicht so genau nimmt. Brockmöller ist die ehrliche Haut. 

"Wir ziehen die Typen aus dem Verkehr." "Mit welcher Handhabe?" "Du schnappst dir den Kaiser und fertig." "Ich?" "Natürlich du, so kommst du gleich an seine Software ran. Ich kann damit nichts anfangen." "Alles ohne Staatsanwalt? Ohne Durchsuchungsbefehl?" "Mit Durchsuchungsbefehl kann das jeder." Dialog aus "Lockvögel" (1996)

Neben Schimanski sind die Hamburger Kommissare die erfolgreichsten der 1990er-Jahre. Bis zu 16 Millionen Menschen schauen sich ihre Fälle an. Für Tatort-Kommissare eher ungewöhnlich: Sie werden auch zu Werbestars für einen großen Telefonanbieter.

38 Tatort Folgen mit Stoever und Brockmöller

38 Mal ermitteln die beiden in Hamburg. Mal im Elefantenhaus in Hagenbeck. Mal mit Heidi Kabel in einer Nebenrolle. Und auch Carlo von Tiedemann tritt einmal auf. In der Folge "Ausgespielt" spielt er einen Radiomoderator.

"Bei diesem Sender geht im Prinzip so gut wie nichts verloren." "Dabei denken die Leute immer, hier werden bloß Schallplatten aufgelegt." "Witzig. Ha…Ha. Sag mal Sissy, hast du vielleicht die Hitliste von vergangener Woche aus meinem Fach genommen, könnte das sein?" Dialog aus "Ausgespielt" (1997)

An den Dreh mit Manfred Krug kann der Moderator sich noch gut erinnern. "Überall im Studio lagen kleine Spickzettel für ihn. Der Dreh beginnt damit, dass er meinte: 'Psst, du stehst mir in der Sicht, Langer. Du verdeckst mir die Zettel'. Daraufhin ich: 'Welche Zettel?' Daraufhin er: 'Na, einer von vielen.' Daraufhin hörte ich so: 'Yeaaah' aus der Regie."

Vom Hamburger Kommissariat aufs Kreuzfahrtschiff

Stoever  und Brockmöller auf dem Polizeiboot. © NDR/M. Sawhney
"Tod auf Scharhörn" war 2001 die letzte Folge mit Brockmöller (Charles Brauer) und Stoever (Manfred Krug).

Im Jahr 2001 ist dann Schluss für Stoever und Brockmöller. Vor allem Manfred Krug hat keine Lust mehr. In der letzten Folge "Tod vor Scharhörn" bekommen sie das Angebot, auf einem Kreuzfahrtschiff als Musiker zu arbeiten.

Nach dem Serien-Ende bleibt die Freundschaft

Das Ende der Serie ist aber nicht das Ende der Freundschaft zwischen den Hauptdarstellern. Bis Manfred Krug 2016 stirbt, sind er und Charles Brauer eng befreundet. "Das Wunderbare ist, dass dadurch eine Freundschaft entstanden ist", erinnert sich Brauer. "Wir waren beide über 50, und sich dann noch mal so zu befreunden, das ist ja nicht so normal."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 25.11.2020 | 19:00 Uhr

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