Stand: 22.05.2018 17:30 Uhr

Renate Delfs ist gestorben - ein Nachruf

von Werner Junge
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In der Folge "Schafwölkchen" aus "Neues aus Büttenwarder" trifft Onkel Krischan (Hans Kahlert) nach langen Jahren auf seine große Liebe Amanda (Renate Delfs).

Renate Delfs ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Sie war über Jahrzehnte die deutsche Fernsehoma. Ihr Durchbruch kam spät: In der 25. Folge der Rudi-Carrell-Show "Am laufenden Band" stand die damals 51-Jährige mit einem ihrer drei Söhne auf der Bühne, begeisterte - und gehörte bald zur Besetzung in der Serie "Nicht von schlechten Eltern". Damit war Renate Delfs am Ziel: Sie verdiente ihren Unterhalt als Schauspielerin.

Wenn Sie mich nachts wecken würden und sagen: 'Aufstehen! Spielen!' - Ich würde sofort mitgehen. Ich kann da gar nicht genug von kriegen. Das macht mir einfach Spaß. Renate Delfs

 

Die Wurzeln blieben in Flensburg

Dieser Traum hatte Renate Delfs glückliche Jugend in Flensburg begleitet. Die Eltern ließen jedoch gerade zu, dass sie Theaterwissenschaft studierte. Der Krieg zwang sie abzubrechen. Danach wurde sie Buchhändlerin, dann Vertreterin für Monopolschnaps und schließlich Tourismuschefin - natürlich für Flensburg. Als ihr Mann zu früh starb, die drei Jungs aus dem Gröbsten waren, meldete sich Renate Delfs Mitte der 1960er-Jahre bei der Niederdeutschen Bühne in Flensburg.

Niederdeutsche Bühne war wunderbar, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist eben auch so, dass ich damit erst mit 40 angefangen habe - vorher durfte ich das nicht, das gehörte sich nicht. Und als ich bei der Niederdeutschen Bühne anfing, sagte meine Mutter noch: 'Aber das musst Du mir versprechen: Es bleibt bei diesem einen Stück!' Da musste ich ihr widersprechen. Renate Delfs

In ihren Fernsehrollen war Renate Delfs die norddeutsche Oma, in Schleswig-Holstein die plattdeutsche Oma - und in Flensburg die Petuh-Tante. Diese einzigartige Mischung aus Dänisch, Hoch- und Plattdeutsch hat sie in die Gegenwart gerettet. Petuh führte sie durch ihre Stadt, durch Flensburg. Das Spielen war ihr bis zuletzt das Liebste.

Schauspielerin, Autorin, Ehrenbürgerin

Wichtig war Renate Delfs, gegen Vorurteile anzutreten. Sie hasste das Verallgemeinern und wollte im Dialog mit der Jugend bleiben.

Der jungen Autorin Rike Schmid erzählte Renate Delfs von ihrer Jugend im Krieg - und danach hat sie sehr viel geschrieben. "Nimm mich mit nach Gestern" ist ein sehr anrührendes Buch geworden. Es bleibt. Genau wie die Ehrenbürgerschaft von Renate Delfs in ihrer Heimatstadt Flensburg. Sie erhielt sie mit 89 Jahren und freute sich sehr, wenn sie auch nicht wirklich damit umzugehen wusste. "Ich fühle mich sehr geehrt, aber ich weiß gar nicht, ob ich das richtig gut verdient habe", gab Renate Delfs zu, "für mich war das alles selbstverständlich, und hat mir auch Spaß gemacht."

Spaß hat uns Renate Delfs auch gemacht. Und um es im schönen Petuh zu sagen: "Is nich mögli un werden gewahr, nu is sie nich mehr da, unse Renate Delfs."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 22.05.2018 | 20:05 Uhr

Mit Emmi Hansen auf Petuh-Schnack in Flensburg

Frau Emmi Hansen ist eine waschechte Petuh-Tante. Während ihrer Stadtführungen durch Flensburg plaudert sie gerne aus dem Nähkästchen - in einer Kunstsprache aus dem 19. Jahrhundert. mehr

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