Stand: 10.02.2020 09:11 Uhr

"Parasite"-Regisseur Bong Joon Ho im Porträt

von Patricia Batlle

Von Kindesbeinen an wollte der Südkoreaner Bong Joon Ho unbedingt Regisseur werden. Nun wurde er bei den Oscars für seinen Film "Parasite" mit den Oscars für die beste Regie und das beste Orginaldrehbuch geehrt.

Außerdem wurde "Parasite" nicht nur als bester internationaler Film ausgezeichnet, sondern wurde als erste nicht-englischsprachige Produktion in der Königskategorie "Bester Film" ausgezeichnet.

Der südkoreanische Regisseur und Autor Bong Joon Ho hält in Los Angeles die vielen Oscars für seinen Film "Parasite" im Arm - unter anderem die für den "besten Film" © Richard Shotwell/ /Invision / AP/ dpa bildfunk Foto: Richard Shotwell
Der 50-jährige Regisseur, Autor, Comiczeichner und Produzent hat die wichtigesten Filmpreise Hollywoods ergattert.

Bong Joon Ho hat mit denOscar-Auszeichnungen für die beste Regie und das beste Drehbuch den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Der Sieg seiner kapitalismuskritischen Sozialsatire "Parasite" als bester Film bei den Oscars ist überraschend, dennoch ist Bong Joon Ho in Hollywood kein Unbekannter.

Immerhin hat der südkoreanische Regisseur zwei seiner insgesamt sieben Filme auf Englisch gedreht: Den Netflix-Ökothriller "Okja" um eine Art Riesenschwein und ein Mädchen sowie den Streifen "Snowpiercer" über einen Zug, der durch eine Eiszeitwelt rast. Darin zu sehen: Stars wie Chris Evans, John Hurt und Tilda Swinton. "Snowpiercer" basiert auf einer Graphic Novel und kommt in Nordamerika nächstes Jahr auch als Serie ins Fernsehen, Bong Joon Ho hat dabei mitgewirkt. Er hätte übrigens auch Comicautor werden können, denn er zeichnet seine eigenen Drehbücher samt Dialogen als Storyboards.

Internationaler Durchbruch mit Monsterfilm "The Host"

International bekannt war Bong Joon Ho vor "Parasite" besonders für "The Host". Die Mischung aus Katastrophenfilm, Komödie und Monsterfilm lockte 2006 mehr als zehn Millionen Zuschauer ins Kino, damals ein Rekord in Südkorea. Schauspieler Song Kang-ho spielt darin einen alleinerziehenden Kioskbesitzer, der seine Tochter aus den Klauen einer genmutierten Amphibie im Fluss retten will. Dass nicht nur er sich dabei tollpatschig anstellt, ist typisch für den Slapstick in Bong-Joon-Ho-Filmen.

Rezension
Eine Frau hält sich auf der Kellertreppe erschrocken die Hand vor den Mund - Szene aus "Parasite" von Bong Joon Ho, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 2019 © Koch Films

"Parasite": Perfides Sittenbild der Gesellschaft

Bei den Oscars wurde "Parasite" als bester Film ausgezeichnet. Regisseur Bong Joon-ho zeichnet in seinem Film "Parasite" ein perfides Sittenbild der südkoreanischen Gesellschaft. mehr

"Parasite": Bong Joon Ho thematisiert soziale Ungleichheit

Seine Filme mit schwarzem Humor lassen sich nie in Genres quetschen, überraschen aber immer mit fantastischen Bildern. Sie thematisieren soziale Ungleichheit, den Klassenkampf, Serienmorde, rabiate Mütter und Genmanipulation. Ein Happy End gibt es im Kino des Soziologen und Familienvaters eigentlich nie. Auch nicht im Oscar-Streifen "Parasite", in dem eine arme Familie in Seoul auf eine steinreiche trifft: "In der zweiten Hälfte des Filmes wollte ich zeigen, dass das Horrorgefühl wächst, je größer die Kluft zwischen Arm und Reich wird. In meinen Filmen sieht man oft Regen und Szenen im Wasser. Wasser fließt von oben nach unten, nie andersherum. Man kann es nicht stoppen und nicht rückwärts schwimmen. Genauso natürlich wird die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer. Deswegen wird das Angstgefühl am Ende meines Films größer," sagt Bong Joon Ho.

Weitere Informationen
Der südkoreanische Regisseur und Autor Bong Joon Ho nimmt in Los Angeles den Oscar für den besten Film für "Parasite" entgegen © Chris Pizello /Invision / AP/ dpa bildfunk Foto: Chris Pizello

Oscar-Gala: "Parasite" schreibt Filmgeschichte

"Parasite" hat Geschichte geschrieben: Als erstes nicht englischsprachiges Werk erhielt die Satire aus Südkorea den Oscar als bester Film. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.02.2020 | 06:20 Uhr

Der Südkoereaner Bong Joon-ho, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 2019 mit der Schauspielerin Catherine Deneuve © David Niviere/ABACAPRESS.COM

Cannes: Siegerfilme, Palmen und Stars

Die Goldene Palme der 72. Filmfestspiele von Cannes geht an den Film "Parasite" aus Südkorea. Als beste Schauspieler sind Antonio Banderas und Emily Beecham ausgezeichnet worden. (Artikel vom 25. Mai 2019) Bildergalerie

Mehr Kultur

Eine Frau (Katia Pascariu) mit OP-Maske sitzt an einem Tisch mit Blumen - Szene aus dem Film "Bad Luck Banging or Loony Porn" von Radu Jude, Goldener Bär der Berlinale 2021 © Silviu Ghetie/ Micro Film 2021

Maren Eggert erhält Silbernen Bären für "Ich bin dein Mensch"

Die Hamburgerin Maren Eggert erhält den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. mehr