Eine Szene aus dem Film "Die Grube" zeigt einen kleinen Jungen.

Nordische Filmtage Lübeck: Positive Bilanz für Onlineausgabe

Stand: 09.11.2020 11:53 Uhr

Ein lettisches Drama ist der Sieger bei den Nordischen Filmtagen Lübeck - die noch bis Mittwoch online einen Großteil ihrer Filme im Streaming-Angebot zeigen. Eine Bilanz.

von Thorsten Philipps und Patricia Batlle

Die Nordischen Filmtage Lübeck haben wegen der Corona-Maßnahmen nur im Internet stattgefunden - und das ziemlich erfolgreich: Mehr als 8.000 Karten wurden für die Streamingangebote verkauft. Zählt man die Tickets der Akkreditierten dazu, schätzen die Veranstalter, dass rund 20.000 Menschen sich wenigstens einen der 146 Filme aus Skandinavien und dem Baltikum online geschaut haben.

Preisverleihung der Nordischen Filmtage ohne Publikum

Die Preisverleihung wurde im Theater Lübeck ohne Zuschauer aufgezeichnet, die Regisseurinnen und Regisseure dankten per Videobotschaft.

Festivalchefin Fröhlich vermisst Gäste und Publikum

Die Sieger-Musik der Nordischen Filmtage hört sich an wie letztes Jahr, aber es ist natürlich nicht das Gleiche, wenn die Veranstalter diesmal auf der Theaterbühne auftreten - vor leeren Rängen. Die künstlerische Leiterin Linde Fröhlich sitzt dort auf einem Sofa und begrüßt nach und nach ein Jurymitglied aus jeder Filmkategorie. Fröhlich findet, es fehle das Salz in der Suppe. "Wenn man durch Lübeck geht, ist es traurig, dass die ganzen Gäste nicht da sind - und das Festivalpublikum, das sonst ja die Festivalkinos flutet.

NDR Filmpreis 2020 fürs Drama "Die Grube" aus Lettland

Eine Szene aus dem Film "Die Grube" zeigt einen kleinen Jungen. © Marana Productions
"Die Grube" erhält den mit 12.500 Euro dotieren Hauptpreis der 62. Nordischen Filmtage Lübeck - den NDR Filmpreis.

Einige Jurymitglieder sind anwesend, andere, wie die Schauspieler Jana Klinge und Bjarne Mädel, sind per Video zugeschaltet. Sie geben bekannt, wer den mit 12.500 Euro dotierten NDR Filmpreis gewonnen hat: Das Drama "Die Grube" von Dace Pūce. In der Begründung heißt es: "Ein traumhaftes Erstlingswerk aus Lettland hat uns in jeder Hinsicht vollkommen in den Bann gezogen. Im Zentrum steht ein einsamer Junge, der versucht, in einer bedrückenden Umgebung seinen Weg zu finden." Es sei eine spannende Geschichte mit großartigen Schauspielern. "Herzzerreißend, aber nie rührselig erzählt, mit poetischen Bildern, die man nicht mehr vergessen wird. Im Kern handelt 'Die Grube' davon, wie Kunst trösten und Leben retten kann."

Volker Thormählen, Direktor des NDR Landesfunkhauses Schleswig-Holstein gratuliert: "Mein herzlicher Glückwunsch geht an Regisseurin Dace Pūce, die ein gelungenes Erstlingswerk vorgelegt hat. Das Preisgeld soll sie bei weiteren Produktionen unterstützen."

Filmpreisträgerin Dace Puce bedankt sich per Videobotschaft: "Mich freut, dass das, was mich angesprochen hat, auch euch angesprochen hat und dass wir trotz der weiten Entfernung 107 Minuten miteinander verbunden waren."

Viele Filme von Regisseurinnen ausgezeichnet

Linde Fröhlich sagte zum Abschluss, dass mit der Anzahl von 146 Filmen über das Internet und der Verleihung von zehn Preisen im Wert von 57.500 Euro das Lübecker Festival einen Alleinstellungscharakter unter den Filmfestivals in Norddeutschland habe. Sie ergänzte: "Sehr glücklich bin ich darüber, dass so viele Filme von Regisseurinnen ausgezeichnet wurden. Sieben der insgesamt 16 Wettbewerbsbeiträge stammten von Frauen, und ich denke, ihnen gehört die Zukunft!", so Fröhlich.

Die Filme und die gesamte Preisverleihung können nun noch bis kommenden Mittwoch im Internet über die Seite der Nordischen Filmtage geschaut werden. Eine Auflistung aller Preise ist ebenfalls dort zu finden.

Vorjahresiegerfilm "Gegen den Strom" kam aus Island

Den Siegerfilm von 2019 - die sympathische isländische Komödie "Gegen den Strom" von Benedikt Erlingsson um eine Frau, die allein gegen die Aluminium-Industrie kämpft - können Sie in voller Länge bis zum 6. Dezember 2020 hier sehen.

VIDEO: Gegen den Strom (97 Min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 08.11.2020 | 06:55 Uhr

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