Stand: 05.04.2018 16:19 Uhr

Lummerland sah früher irgendwie anders aus

Die Verfilmung des Kinderbuch-Klassikers "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist im Kino zurzeit ein voller Erfolg. Eltern und Großeltern sehen den Film sicher mit anderen Augen als der Nachwuchs: Sie kannten bis jetzt nur die "Augsburger Puppenkiste"-Version der Lummerland-Abenteuer.

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Jim und Lukas sind auch in der Kinoversion der Michael-Ende-Geschichte ein unschlagbares Team.

"Eine Insel mit zwei Bergen ..." - meistens reicht das ja schon. Alle - naja: fast alle - wissen Bescheid: Die Rede ist von Lummerland. Dieses wunderbare kleine Eiland, auf dem Lukas der Lokomotivführer die schnaufende Emma über die Gleise treibt, König Alfons der viertelvorzwölfte im Bademantel regiert und seine Untertanen Frau Waas und Herrn Ärmel äußerst friedlich ihren überschaubaren Alltagsgeschäften nachgehen.

Ein angenehmes, vielleicht etwas langweiliges Leben auf dieser Winz-Insel mit dem Plastikfolien-Meer drum herum. Etwas langweilig, bis das Paket mit Jim Knopf eintrifft, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht Jim Knopf heißt.

Ein Plastikfolien-Meer als Markenzeichen

Szene aus dem Film "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" © Warner

Als Jim und Lukas noch an Fäden hingen ...

NDR Info - Auf ein Wort -

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer sind gerade im Kino zu sehen. Für die "großen" Zuschauer ist der Film eine echte Herausforderung. Udo Schmidt bittet auf ein Wort.

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Und damit sind wir ja auch schon mittendrin in der Geschichte, die uns zum Scheinriesen Tur Tur, zum Halbdrachen Nepomuk, Frau Mahlzahn in Kummerland, dem Oberbonzen Pi Pa Po und der zarten Prinzessin Li Si führt. Das alles habe ich übrigens gerade erinnert, ohne einmal nachzublättern in meiner Jim-Knopf-Originalausgabe von 1968. Geht es Ihnen auch so?

Dann wären wir jetzt beim Plastikfolien-Meer. Das sieht auf den allerersten Blick aus wie Wasser, ist aber keins. Dafür allerdings ein Markenzeichen der "Augsburger Puppenkiste", bei der es kein Glaubwürdigkeitsdefizit darstellte, wenn an den Marionetten die Fäden zu sehen waren (Und sie waren zu sehen!). Trotzdem war Lukas Lukas und Jim Jim - und die Plastikfolie Wasser.

Abnabelung von Grundfesten der Kindheit

Der Spielfilm "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", hochgelobt und bestbesucht am Osterwochenende, stellt da jetzt für solche wie mich eine echte Herausforderung dar: Wie sieht ein König Alfons aus, wenn ihn wirklich keine Fäden bewegen? Und wie düster ist die fiese Drachenstadt Kummerland?

Wollen Sie das so genau wissen? Diesen Film zu besuchen, das ist für eine ganze Generation - nein: für mehrere Generationen - eine Art Abnabelung von Grundfesten der Kindheit.

Keine Fäden mehr im Bild

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer leben. Keine Fäden mehr an Händen, Füßen und am Kopf. Was irgendwie folgerichtig ist, denn es werden ja auch keine Pakete mehr mit kleinen schwarzen Jungen verschickt und landen dann aus Versehen in Lummerland. Heute würde ein Foto des für die Drachenstadt vorgesehenen Beutekindes per WhatsApp verschickt oder bei Instagram gepostet und Frau Mahlzahn wäre vorbereitet.

Kleine dunkelhäutige Jungen entführen und sie am Ende von großen weißen Lokomotivführern retten zu lassen, wäre auch kaum noch politisch korrekt. Und dann noch die zarte Liebe mit einer asiatischen Schönheit. Undenkbar, inakzeptabel - so was von 60er!

Kommt der Magnetfelsen auch noch ins Kino?

Mir würde es ja schon reichen, wenn nicht bald auch noch Bill Bo mit seinen Kumpanen und der Blechbüchsenarmee aus Fleisch und Blut den Berg herunterrollt und unten im Tal dann vom Urmeli empfangen wird. Und die Wilde 13 gibt es ja auch noch: Der Magnetfelsen wäre übrigens ein super Science-Fiction-Setting ...

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 05.04.2018 | 18:25 Uhr

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