Stand: 07.05.2020 11:02 Uhr  - NDR 90,3

Hamburger Kostümfundus 51: Aufräumen und Spenden

von Patricia Seeger

Auch der Filmbranche setzt die Corona-Krise kräftig zu. Nirgendwo auf der Welt werden im Moment Drehgenehmigungen erteilt. Das betrifft nicht nur Schauspieler und Regisseure, sondern auch andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel die Ausstatter von Filmen.

Blick in die Räume des Kostümfundus 51 in Hamburg © Christine Schröder Foto: Christine Schröder
In zwei Jahrzehnten hat sich im Kostümfundus einiges angesammelt.

Der Kostümverleih Fundus 51 in Hamburg-Ottensen ist schon rein optisch ziemlich spektakulär. Er befindet sich in einem alten Schulgebäude, mit großen Räumen und hohen Decken. Die Betreiberinnen sind Anette Schröder und Bettina Proske. Die beiden kleiden für Kino und Fernsehfilme Schauspieler ein: Ulrich Tukur, Lars Eidinger, Sabine Postel und Bjarne Mädel waren schon hier.

Die beiden sind hauptberuflich Kostümbildnerinnen und haben deshalb häufig mit Stars zu tun. Der Fundus ist ihr zweites Standbein. Hier verleihen sie Kostüme und vermieten Räume an andere Kostümbildner, um etwa Anproben mit Schauspielern zu machen. Im Moment geht aber gar nichts mehr. Deshalb steht jetzt Großreinemachen an, wozu sie sonst nie kommen, erzählen die beiden Frauen und schieben auf einer Stange Kleiderbügel mit Blusen und Pullovern hin und her: "Die Corona-Krise zurzeit bedeutet für uns", erklärt Anette Schröder, "dass überhaupt nicht mehr gedreht wird. Die Kostümbildner kommen nicht mehr hierher. Wir versuchen in der Zeit, so viel wie möglich auszusortieren und die Sachen wieder richtig hinzuhängen."

Corona-Krise - Zeit zum Aufräumen

Blick in die Räume des Kostümfundus 51 in Hamburg-Ottensen. In den Regalen stehen Kisten mit Strümpfen. © Christine Schröder Foto: Christine Schröder
Von Kopf bis Fuß eingekleidet - mit allen Accessoires.

Denn bei den vielen Kostümen, die in mehreren Räumen bis hoch oben unter den hohen Decken hängen, verliert man schnell den Überblick. Von Jeans über historische Ballkleider bis hin zu Berufsbekleidung für Bauarbeiter und Krankenhauspersonal findet man hier wirklich alles. Die Menge ist schier überwältigend. In den 20 Jahren, in denen die beiden den Verleih betreiben, hat sich einiges angesammelt. Viele der Sachen, die Anette Schröder und Bettina Proske gerade aussortieren, wollen sie in der Corona-Krise spenden.

Sie haben aber auch schon Sachen weggebracht. Auf der Reeperbahn im Elbschlosskeller wurde eine Spendensammelstelle eingerichtet. Dort haben sie für die Obdachlosen Jacken und Hosen vorbeigebracht und sich erkundigt, was wirklich dringend benötigt wird. Und auch das hatten sie im Fundus: Unterhosen und Socken.

Film-Utensilien für den Zahnarzt

Auch mehreren Ärzten konnten sie in der Corona-Krise schon helfen - und das ausgerechnet mit Sachen, die sonst in Krimis zum Einsatz kommen: "Ich habe dann meinem Zahnarzt etwas vorbeigebracht. Diese Overalls sind aus Tyvek. Sie werden normalerweise für die Spurensicherung im Film gebraucht. [Anm. d. Red.: Tyvek ist ein sehr dichter Vliesstoff aus Polyethylen]. Er war sehr dankbar dafür", sagt Bettina Proske. "Auch wenn das jetzt nicht der Corona-Schutzanzug ist. Vorher haben sie auch Plastikkittel getragen und die wurden eben nicht mehr geliefert."

Die beiden Betreiberinnen des Kostümfundus 51 in Hamburg, Annette Schröder und Betinna Broske, in ihrem Laden. Hinter ihnen hängen viele Kostüme auf Bügeln. © Christine Schröder Foto: Christine Schröder
Die beiden Betreiberinnen des Kostümfundus 51 in Hamburg, Annette Schröder und Betinna Broske, hoffen, dass bald wieder Filme gedreht werden.

Wie es jetzt für sie als Kostümbildnerinnen weitergeht und überhaupt mit der ganzen Filmbranche - das können sich Anette Schröder und Bettina Proske im Moment nur schwer vorstellen: "Wir müssen uns irgendwie finanziell über Wasser halten - und das geht natürlich nur, wenn man die Kostüme vermietet und wenn wir Kunden haben." Beide hoffen, dass es möglichst bald wieder Drehgenehmigungen gibt.

Es sei schon eine komische Situation. Auf der ganzen Welt wird im Moment nicht gedreht. Länger als ein halbes Jahr sollte es aber nicht mehr dauern, meint Anette Schröder: "Dann wird es brenzlig."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 30.04.2020 | 19:00 Uhr

Spendensammelstelle auf der Reeperbahn

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