Stand: 27.11.2019 06:00 Uhr  - NDR Info

Zeitreise-Komödie mit Daniel Auteuil

Die schönste Zeit unseres Lebens
, Regie: Nicolas Bedos
Vorgestellt von Walli Müller

Mal durch die Straßen des viktorianischen Londons bummeln oder die sündigen 20er-Jahre in Berlin selbst miterleben. Es wäre schon genial, wenn man Zeitreisen buchen könnte! Genau diese Marktlücke hat ein junger Filmproduzent in der französischen Komödie "Die schönste Zeit unseres Lebens" mit Daniel Auteuil in der Hauptrolle entdeckt. Eine Zeitreise-Maschine hat auch er nicht, aber gute Kulissenbauer und Schauspieler.

Er spricht einem ja doch oft aus der Seele, dieser miesmuffelige Kerl, dem das Smartphone-Gewische, Posten und Streamen der "Digital Natives" auf den Geist geht. Victor, die Hauptfigur in "Die schönste Zeit unseres Lebens", gespielt von Daniel Auteuil, ist gelernter Cartoon-Zeichner - nur als solcher in Zeiten computeranimierter Trickfilme nicht mehr gefragt. Seine Frau Marianne ist wiederum schwer genervt von seiner ewig schlechten Laune und seiner Lethargie.

Daniel Auteuil als Victor

Seine Frau steht auf jeden digitalen Schnickschnack von heute; er ist ein Typ von gestern. Weshalb das Geschenk, mit dem sein Sohn ihn aufheitern will, auch so gut zu ihm passt: eine Zeitreise, arrangiert von der Firma "Time Travellers". Der Kunde kann sich auf einem Studio-Gelände eine Ära seiner Wahl nachbauen lassen. Schauspieler in historischen Kostümen machen die Zeitreise-Illusion dann perfekt.

Victor mag besonders das Jahr 1974, präzise den 16. Mai 1974 in Lyon, weil er an dem Tag seine Frau Marianne kennenlernte. Das Setting wird arrangiert, und so betritt Victor wenig später - mit Schnurrbart und Schlaghosen selbstverständlich - das Café, in dem er einst die schicksalhafte Begegnung mit seiner Frau hatte.

Victors große Liebe tritt auf

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Victor (Daniel Auteuil) und Margot (Doria Tillier), die seine Frau Marianne in jungen Jahren spielt, begegnen sich im Restaurant.

Man darf mit ihm staunen über die akkurate Ausstattung - auch der 70er-Parties, die er noch einmal mitfeiern darf. Jimi-Hendrix-Frisuren, kreisende Joints, sämtliche Komparsen zum Kette-Rauchen verdonnert. Es ist ein halb nostalgischer, halb spöttischer Rückblick auf die wilden Seventies, den Regisseur Nicolas Bedos hier mit Lust inszeniert, auch wenn er selbst erst 1980 geboren ist.

Victor jedenfalls fühlt sich sofort wieder zu Hause. Als tatsächlich noch mal diese wunderschöne Rothaarige am Nachbartisch Platz nimmt und mit ihm flirtet, fühlt sich der Held wieder wie Mitte 20 und mitten drin in der "schönsten Zeit seines Lebens".

"Die schönste Zeit unseres Lebens": Traum und Realität

Daniel Auteuil gerät hier in eine Art "Truman Show" - in der er gern für immer bleiben möchte. Denn mehr und mehr verwischt die Grenze zwischen Inszenierung und Realität, zwischen der Marianne seiner Erinnerung und der jungen Darstellerin, die diese doch nur spielt. Gerade die Frauenrollen sind wunderbar geschrieben und besetzt. Fanny Ardant legt als Original-Marianne einen umwerfend temperamentvollen Auftritt hin.

Man hätte etwas stringenter und konzentrierter erzählen können, aber die Geschichte an sich ist zauberhaft. Eine Ehekrise, mal ganz anders aufbereitet. Das macht beim Zuschauen einfach Spaß.

Die schönste Zeit unseres Lebens

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Daniel Auteuil, Guillaume Canet, Doria Tillier
Regie:
Nicolas Bedos
Länge:
116 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
28. November 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.11.2019 | 06:55 Uhr

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