Stand: 13.06.2017 14:20 Uhr

Wie im Märchen: Eigenbrötlerin blüht auf

Der wunderbare Garten der Bella Brown
, Regie: Simon Aboud
Vorgestellt von Walli Müller

Aus England kommen normalerweise bissige Sozialkomödien, ergreifende Milieustudien oder opulente Kostümdramen zu uns ins Kino. Aber romantische Märchen? Die erwartet man nicht unbedingt von den trockenen Briten. Umso überraschender ist "Der wunderbare Garten der Bella Brown", ein Film-Märchen mit Tom Wilkinson und Jessica Brown Findlay, die mit der Serie "Downton Abbey" bekannt wurde.

Ärger mit dem grantigen Nachbarn

Manchmal möchte man ins Kino gehen und sich einfach nur eine schöne Geschichte erzählen lassen. Wie die von Bella Brown: Ein wunderliches Mädchen, das als Findlingskind im Kloster aufgewachsen ist und nun - mit Anfang 20 - etwas traumwandlerisch durch die Welt draußen tappt.

In ihrem gemieteten Häuschen hält sie penibelste Ordnung, kein Krümel hat je den Fußboden entstellt; aber draußen vor der Terrassentür wuchert ein Urwald - sehr zum Ärger des Nachbarn, der seinen Garten hegt und pflegt und Beschwerde beim Vermieter eingelegt hat.

Der blasierte, selbstherrliche Mr. Stephenson von nebenan kann ja nicht ahnen, dass Bella eine panische Angst vor Flora und Fauna hat. Vor Pflanzen fürchtet sie sich ebenso wie vor dem Gesummse und Gekrabbel dazwischen. Als Bibliothekarin und Hobby-Schriftstellerin fühlt sie sich nur unter Büchern sicher.

Griesgram entdeckt sein gutes Herz

Nachdem schon sein Koch zur netten Bella übergelaufen ist, wird auch der alte Griesgram etwas zugänglicher. Es stellt sich heraus, dass er nicht nur einen grünen Daumen hat, sondern im tiefsten Inneren natürlich auch ein gutes Herz.

Verbitterte alte Knochen wurden ja schon oft gezähmt im Kino, aber es ist doch ein besonderer Genuss, dem Briten Tom Wilkinson in dieser Rolle zuzuschauen. Herrlich pointiert sind seine zynischen Tiraden und glaubhaft ist seine Wandlung. Mit den Blumen in Bellas Garten erblüht auch wieder sein Sinn für das Schöne in der Welt, meint Tom Wilkinson.

Die Gärtnerei hat hier metaphorische Bedeutung und natürlich ist "Der wunderbare Garten der Bella Brown" ein Film, den Hobby-Gärtner ganz besonders lieben werden. Nicht nur der Blumenpracht wegen, die in Mr. Stephensons Garten gedeiht, sondern auch, weil er so voller Liebe von seinen Pflanzen spricht. Sein kostbarster Schatz ist ein Buch über die Gartenkunst, das er Bella leiht.

Erinnerungen an "Die fabelhafte Welt der Amélie"

Sicher ist es auch ein wenig Kalkül, dass die Filmmusik sofort Erinnerungen an "Die fabelhafte Welt der Amélie" wachruft. Atmosphärisch ähneln sich die Filme und charakterlich die Heldinnen. Während man Amélie aber verfiel, weil sie so ein großes Herz hatte, ist das Reizende an "Bella Brown", dass hier alle um sie herum so wohlwollend und mitfühlend sind. Schön vor allem, mal so treusorgende Männer zu sehen! Gleich zwei kümmern sich väterlich um Bella - ohne jeden Hintergedanken.

"Der wunderbare Garten der Bella Brown" ist ein schwer romantisches Filmmärchen - "Wohlfühlkino" im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn es so nett gemacht ist, ist dagegen auch nichts einzuwenden.

Der wunderbare Garten der Bella Brown

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Großbritannien, USA
Zusatzinfo:
mit Jessica Brown Findlay, Andrew Scott, Jeremy Irvine
Regie:
Simon Aboud
Länge:
92 min.
FSK:
FSK ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
15. Juni 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 14.06.2017 | 06:40 Uhr

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