Stand: 09.04.2019 10:30 Uhr

Hamburger Nachkriegs-Romanze mit Keira Knightley

Niemandsland - The Aftermath
, Regie: James Kent
Vorgestellt von Walli Müller

Über den Zweiten Weltkrieg gibt es unzählige Filme. Mit der deutschen Niederlage im Mai 1945 aber enden die meisten Geschichten. Von daher betritt die englische Kinoproduktion "Niemandsland - The Aftermath" gewissermaßen Neuland. Keira Knightley kommt hier als Ehefrau eines britischen Besatzungssoldaten ins zerbombte Hamburg.

Im Land der ehemaligen Feinde

Der Widerwille ist Rachael Morgan ins Gesicht geschrieben, als sie Anfang 1946 in Hamburg aus dem Zug steigt. Die Deutschen sind für sie nach wie vor Feinde: "Nazis". Ihr Mann, Lewis Morgan, ist in Hamburg als britischer Oberstleutnant stationiert, um für Ordnung im Nachkriegs-Chaos zu sorgen. Eine schwierige Aufgabe in diesem eiskalten Winter, in dem viele Menschen in Ruinen hausen und hungern. Das Ehepaar Morgan hat es da bequemer - in einer von den Briten konfiszierten Pracht-Villa an der Elbchaussee.

Den Hausbesitzer, der immer noch mit seiner Tochter dort wohnt, ins Lager zu schicken, das bringt der mitfühlende Mr. Morgan nicht übers Herz. Auch wenn es seiner Frau missfällt, lässt er Vater und Tochter Lubert auf dem Dachboden wohnen - während Rachael in den repräsentativen Räumen mit Steinway-Flügel, Bauhausmöbeln und Gemälden residiert. Die verhassten deutschen Mitbewohner und Dienstboten behandelt sie misstrauisch und von oben herab.

Ein spannendes Thema auch für Keira Knightley

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Flora Thiemann (Freda) und Jannik Schümann (Albert) gehen durch die Straßen des zerstörten Hamburg.

Neu war die Beschäftigung mit der unmittelbaren Nachkriegszeit auch für Hauptdarstellerin Keira Knightley. "Wenn man so lange in Feindschaft gelebt hat, wie kann man da plötzlich im Gegner wieder einen Mitmenschen sehen?", fragt sie. Wie schaffe man es, nicht allen die Schuld zu geben? Keira Knightley habe sich für Filme schon viel mit der Kriegszeit beschäftigt: "Aber bisher nie mit den Nachwirkungen."

In der Tat wären diese Ära und das Verhältnis der britischen Besatzer zu den besiegten Deutschen ein spannendes Thema. Nur erzählt dieser Film so gut wie nichts davon. Denn der Fokus verengt sich schnell vom Historischen auf ein häusliches Beziehungsdrama. Aus heiterem Himmel lässt sich Rachael vor knisterndem Kaminfeuer vom gut aussehenden deutschen Architekten küssen.

Oberflächliche Handlungsstränge wie in einer Seifen-Oper

Die Ruinen-Landschaften und Trümmerhaufen Hamburgs sind in "Niemandsland - The Aftermath" bald nur noch Kulisse für die leidenschaftliche Affäre der Britin mit dem "Feind", die an den Haaren herbeigezogen wirkt - auch wenn die Ehe der Morgans belastet ist vom Verlust des einzigen Kindes. Alle anderen Handlungsstränge des Films bleiben ebenso oberflächlich. Da gibt beispielsweise Jannik Schümann ein Gastspiel als "Werwolf" - ein unverbesserlicher junger Nazi, der '46 noch mit "Heil Hitler" grüßt und versucht, Luberts Tochter politisch zu verführen.

Doch auch daraus ergibt sich kein wirklicher Spannungsmoment. Hochkarätige Darsteller wie Keira Knightley und Alexander Skarsgård müssen letztlich auf Seifenoper-Niveau agieren in diesem Nachkriegs-Melodram, das in jeder Hinsicht enttäuscht.

Niemandsland - The Aftermath

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Alexander Skarsgård, Keira Knightley, Jason Clarke
Regie:
James Kent
Länge:
108 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
11. April 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 10.04.2019 | 06:40 Uhr

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