Stand: 17.04.2019 10:24 Uhr

Katja Riemann in einer bedrückenden Mutter-Sohn-Geschichte

von Danny Marques Marcalo

Die Liste ist lang: "Der bewegte Mann", "Stadtgespräch", "Die Apothekerin", "Comedian Harmonists", "Bibi Blocksberg", "Rosenstraße", "Türkisch für Anfänger" oder "Fack Ju Goethe". Alles Filme, mit denen Katja Riemann große Erfolge gefeiert hat. Immer wieder nimmt sie es sich aber auch heraus, kleineren Produktionen und Regisseuren bei ihrem ersten Film zu helfen. "Goliath96" ist ein Beispiel dafür und startet in dieser Woche in den Kinos. Es geht um eine Mutter, die über das Internet einen Weg findet, mit ihrem entfremdeten Sohn zu sprechen. Am Dienstag war Deutschland-Premiere mit Katja Riemann im Zeise Kino in Hamburg.

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Katja Riemann hat einmal eine kurze Zeit in Hamburg gelebt. Für die Dreharbeiten zu "Goliath96" kehrte sie in die Hansestadt zurück.

Die Premiere ist eine kleine Rückkehr für Katja Riemann. Ein Jahr lebte sie in den 80er-Jahren in Hamburg. Für die Dreharbeiten zu "Goliath96" hat sie nun wieder eine längere Zeit in der Stadt verbracht, insgesamt sechs Wochen, in denen es durchweg geregnet hat. "Das lag richtig auf meiner Seele", sagt Riemann. "Ich glaube aber, dass es für den Film total gut war. Für die Stimmung."

Katja Riemann: Die Ausnahme von der Regel

Das berüchtigte Hamburger Wetter passt zu "Goliath96". Ein bedrückender Streifen, in dem der große Filmstar Katja Riemann eine einfache Frau spielt, deren Mann sie und den gemeinsamen Sohn von einem Augenblick auf den anderen verlassen hat. Der Sohn, gespielt von Nils Rovira-Munoz, gibt ihr dafür die Schuld. Die Mutter findet heraus, dass der Sohn in einem Chatforum aktiv ist und meldet sich anonym dort an. So findet sie einen Weg mit ihm zu kommunizieren.

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In "Goliath96" findet eine Mutter durch das Internet wieder Zugang zu ihrem Sohn.

Katja Riemann überzeugt. Mal wieder. Seit drei Jahrzehnten gehört die 55-Jährige zu den Großen der Branche. Obwohl ein fieses Vorurteil der Filmwelt besagt: Ab 40 bekommen Frauen keine guten Rollen mehr. "Ich muss diesbezüglich meinen Mund halten. Weil ich vielleicht die Ausnahme bin, die die Regel bestätigt", sagt die Schauspielerin. "Einen Film zu drehen wie diesen, das ist ein schöner Luxus, dafür bin ich meinem Regisseur dankbar." Der heißt Marcus Richardt und hat einen Film inszeniert, in dem Katja Riemann in nahezu jeder Einstellung zu sehen ist. Er hat an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert und "Goliath 96" ist sein erster Spielfilm. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das war ein Spaziergang", gesteht Richardt. "Man lernt während des Arbeitens permanent hinzu. Man kann sich auf so wenig verlassen, was man gelernt hat. Da habe ich sehr stark von der Katja profitiert."

Ein Film über das Internet?

Die Schauspielerin Katja Riemann sitzt im Bett in einer Szene des Films "Golitah 96". © Skalarfilm

Katja Riemann stellt neuen Film "Goliath96" vor

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Katja Riemann hat schon für einige Schlagzeilen wegen ihrer wechselhaften Laune gesorgt. Im Gespräch über "Goliath96" ist sie freundlich aufmerksam. Gestenreich und ausführlich redet sie über die Dreharbeiten. Es ist offensichtlich, dass Katja Riemann dieser Film am Herzen liegt. Als der Regisseur im Gespräch erklärt, welche Rolle das Internet spielt, unterbricht sie um zu sagen, was für sie der Kern der Geschichte ist: "Ich habe das Gefühl, dass bei "Goliath96" das Thema nicht das Internet ist, sondern als Mittel der Annäherung gebraucht wird. Ich würde nicht denken, dass wir einen Film über das Internet gemacht haben, sondern über das, was junge Männer ausmacht." Womit sie meint, dass es eine große Gruppe junger Männer gibt, die sich, wie im Film, nicht mit der Außenwelt auseinandersetzen wollen, oder können.

"Goliath96" ist ein spannender und unangenehmer Film. Getragen von Katja Riemann, die hier ganz tief in eine traurige Seele blicken lässt. So macht sie diesen kleinen Hamburger Film zu ganz großem Kino. Die Mutter-Sohn-Geschichte startet am 18.04 in den Kinos.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 17.04.2019 | 10:20 Uhr

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