Stand: 09.07.2020 14:23 Uhr  - NDR Info

Der "professionelle Voyeur" Helmut Newton

Helmut Newton - The Bad And The Beautiful
, Regie: Gero von Boehm
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Helmut Newton zählte zu den Großmeistern der Fotografie: Mit seinen Aufnahmen vornehmlich nackter Frauenkörper und in Schwarzweiß provozierte und spielte er. Newton selbst nannte sich einen "Professionellen Voyeur". Zu seinem 100. Geburtstag porträtiert der Dokumentarfilm "Helmut Newton - The Bad And The Beautiful" von Gero von Boehm den im Jahr 2004 verstorbenen internationalen Starfotografen.

Trailer: "Helmut Newton - The Bad And The Beautiful"

Der Dokumentarfilm "Helmut Newton - The Bad And The Beautiful" von Gero von Boehm präsentiert auch ein Potpourri berühmtester Werke des Fotografen und amüsante Anekdoten seiner Protagonistinnen.

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bild vergrößern
Helmut Newton, Monte Carlo, 1987

Die meisten Fotografen sind schrecklich langweilig", fand Helmut Newton. "Und die meisten Filme über Fotografen sind es auch. Sie zeigen einen Kerl hinter einer Kamera. Man sieht seinen Rücken, man sieht die Kamera, man hört das 'Klick, Klick, Klick' und das dümmliche Geschwätz von Model und Fotograf." In so einem Film wollte Helmut Newton natürlich auf gar keinen Fall der Protagonist sein. Ist er auch nicht, denn Gero von Boehms filmisches Denkmal für den Fotografen ist alles andere als langweilig.

Bild vergrößern
Ein typisches Model von Helmut Newton

Es ist ein wunderschön anzusehendes Potpourri seiner berühmtesten Werke, voll von amüsanten Anekdoten seiner Protagonistinnen. Der Film projiziert die ikonenhaften Bilder, von denen das ein oder andere so ziemlich jeder schon mal gesehen haben dürfte. Er lässt Models und Schauspielerinnen ihre Geschichte dazu erzählen. Denn Geschichten hat Helmut Newton auch immer erzählt, sagt Grace Jones: "Er war ein bisschen pervers, aber das bin ich auch. Das ist okay! Seine Bilder sind gleichermaßen erotisch und tiefgründig.  Es war nicht nur Erotik, es war auch eine Geschichte dahinter."

"The Bad and the Beautiful": Hergeben oder ablehnen

Mit großer Offenheit erzählen und erinnern sich ausschließlich Frauen an Newton. Das hätte ihm bestimmt gefallen. Neben seiner Ehefrau June, die selbst als Fotografin arbeitete, kommen Models wie Claudia Schiffer, Nadja Auermann und Grace Jones, Schauspielerinnen wie Charlotte Rampling, Hanna Schygulla und Isabella Rossellini zu Wort. Die Tochter von Ingrid Bergmann stand mit dem Kultregisseur David Lynch zusammen vor der Kamera von Newton und sagt: "Bei der Arbeit mit David Lynch oder Helmut Newton wirst nicht du selbst fotografiert, sondern ein Konzept, das sie verfolgen. Du bist nur die Projektionsfläche. Du musst dich dafür hergeben, oder eben ablehnen."

Film lädt zum Innehalten und sich an die Bilder erinnern ein

Bild vergrößern
Regisseur Gero von Boehm zusammen mit der Schauspielerin Isabella Rossellini

Wie Isabella Rossellini sahen auch Hanna Schygulla oder Marianne Faithfull Newtons Arbeit. Denn der Film verschweigt auch nicht, dass Newtons Bilder kontrovers aufgenommen wurden. Gefesselt, mit scheinbar amputierten Gliedmaßen oder beim Kontrastprogramm von sündhaft teurem Bulgari-Schmuck an Brathähnchen - immer haben sie provoziert, immer wieder wurde ihnen der Vorwurf des Sexismus gemacht.

Die Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue", Anna Wintour, die unzählige Produktionen mit Newton veröffentlichte, sagt: "Helmut buchte man für das, was wir als 'Stopper' im Magazin bezeichnen. Die Leute sollten innehalten und sich später an die Bilder erinnern. Es sollten Ikonen werden. Manchmal verstörend, aber immer ein Denkanstoß. Man kann das mutig nennen. Ich empfand es als notwendig. Denn in der Modebranche geht es vor allem um das Schöne und Anmutige. Aber als Kontrast dazu brauchen wir auch Arbeiten, die die Kultur hinterfragen und zum Nachdenken anregen."

Helmut Newton: "Solange es mir gefällt!"

Helmut Newton wurde in Berlin geboren, lernte bei der bekannten Berliner Fotografin Yva, die die Modefotografie mitbegründete, musste dann aber 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Berlin fliehen. Er wurde zum Kosmopoliten, verwurzelt aber blieb er immer im Berlin der goldenen 1920er-Jahre - auch davon erzählt "Helmut Newton - The Bad and the Beautiful" ein Film, der den Fotografen feiert, wie er es vielleicht selbst zu seinem 100. Geburtstag getan hätte:

"Was die Leute sagen, wenn es denen nicht gefällt, ist mir vollkommen schnuppe. Solange es mir gefällt, das ist die Hauptsache! Zitat von Helmut Newton

Helmut Newton - The Bad And The Beautiful

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Gero von Boehm
Länge:
93 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
9. Juli 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 08.07.2020 | 07:55 Uhr

"100 Jahre Helmut Newton" - Ausstellung läuft in Wedel

10.05.2020 11:00 Uhr
Ernst-Barlach-Haus

Er gilt als einer der größten und streitbaren deutschen Fotografen: Helmut Newton. Im Oktober wäre er 100 Jahre alt geworden. Das Ernst Barlach Museum Wedel widmet ihm eine Jubiläumsschau. mehr

Weitere Kinoneustarts der Woche

"Harriet - Der Weg in die Freiheit": Kampf gegen die Sklaverei

Harriet Tubman ist im 19. Jahrhundert der Sklaverei entflohen und hat später selbst Hunderte von Leidensgenossen befreit. Der Film "Harriet - Der Weg in die Freiheit" erzählt ihre Geschichte. mehr

Mehr Kultur

68:40
NDR Info

Sumatra

NDR Info