Stand: 29.03.2018 11:11 Uhr

Familienfilm nach einem Buch von Michael Ende

von Katharina Mahrenholtz

Ein Kinderfilm ist eines der teuersten und aufwendigsten Kinoprojekte der deutschen Filmgeschichte: "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" startet. 25 Millionen Euro hat die Produktion gekostet. Trotzdem - oder gerade deswegen - kann die Verfilmung eines Klassikers auch gründlich schiefgehen.

Ausgerechnet "Jim Knopf", diese Geschichte von Michael Ende, die von der Augsburger Puppenkiste in kongenialer Schlichtheit verfilmt wurde und seit fast 60 Jahren das Bild von Lummerland und seinen Bewohnern vorgibt, hat sich Regisseur Dennis Gansel für ein opulentes Kinospektakel ausgesucht. Ausgerechnet diese Geschichte wurde für ein irres Geld als Realfilm gedreht. Da bekommt man Angst vor Größenwahn - die ist aber unnötig.

Es ist wie ein Treffen mit alten Bekannten in großartiger Kulisse. Alle Rollen sind perfekt besetzt: Hennig Baum gibt den gemütlichen Lukas, der sich nie aus der Ruhe bringen lässt, Christoph Maria Herbst den pedantischen Herrn Ärmel und Uwe Ochsenknecht den wunderbar zerstreuten König Alphons der Viertelvorzwölfte.

"Emma" wiegt 7,5 Tonnen

Mit Lokomotive "Emma" haben sich die Filmemacher richtig Mühe gegeben: Sie wiegt 7,5 Tonnen und wurde in der Schlosserei der Studios in Babelsberg gebaut. Sie muss schließlich Jim und Lukas nach Mandala bringen, durch die Wüste, das Land der 1.000 Vulkane und schließlich in die Drachenstadt, wo der böse Drache Frau Malzahn die Prinzessin Li Si gefangen hält.

Kulisse und Kostüme statt Spezialeffekte

Kämpfe in der Drachenstadt, die Begegnung mit dem Scheinriesen Tur Tur oder der Steinschlag im Tal der Dämmerung: Hier hätte es reichlich Möglichkeiten für bombastische Spezialeffekte gegeben. Der Film verzichtet aber darauf - zum Glück. Stattdessen wurde viel Geld und Zeit in die detailreiche Kulisse und die Kostüme gesteckt. So ist es eine sehr opulente, aber niemals überladene Verfilmung geworden, spannend und auch für Erwachsene niemals langweilig. Das hätte vermutlich auch dem Autor Michael Ende gut gefallen.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Solomon Gordon, Henning Baum, Annette Frier
Regie:
Dennis Gansel
Länge:
110 Min
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
29. März 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 28.03.2018 | 06:55 Uhr

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