Stand: 24.09.2020 18:00 Uhr

Filmfest Hamburg: Anna-Lena Schwing in Bjarne Mädels Regiedebüt

Bjarne Mädel (Mitte) in seinem Regiedebüt "Sörensen hat Angst" - mit Schauspielerin Katrin Wichmann als Polizisten und Leo Meier als Polizisten © Claussen+Putz Filmproduktion GmbH Foto: Michael Ihle
Im ARD-Regionalkrimi "Sörensen hat Angst" spielt Bjarne Mädel (Mitte) die Hauptrolle als Kommissar und führt Regie. Leo Meier (links) und Katrin Wichmann stehen ihm als Ortspolizisten zur Seite.

Am Freitag feiert Bjarne Mädels Regiedebüt "Sörensen hat Angst", eine NDR Produktion, Premiere beim Filmfest Hamburg. Im Fernsehfilm spielt Mädel Kriminalhauptkommissar Sörensen, der sich mit einer Angststörung im Gepäck von Hamburg ins friesische Katenbüll versetzen lässt. Er hofft, dass der kleine Ort ihm ein ruhiges, beschauliches Arbeitsleben bescheren wird. Ruhig ist es im Ort allerdings überhaupt nicht - gleich am ersten Amtstag wird der erschossene Bürgermeister in seinem eigenen Pferdestall gefunden.

Schauspielerin Anna Lena Schwing aus "Sörensen hat Angst" und "Sløborn" beim NDR © NDR Foto: Patricia Batlle
Die 24 Jahre alte Anna-Lena Schwing freut sich auf die Premiere von "Sörensen hat Angst" mit Publikum beim Filmfest Hamburg.

Die Hamburger Schauspielerin Anna-Lena Schwing, einigen bekannt aus der Erfolgsserie des ZDF, "Sløborn", und "Die Affäre Borgward", spielt mit im Regional-Krimi. NDR.de hat sie vor der Premiere getroffen, um über den Film und ihre Zusammenarbeit mit Mädel zu sprechen.

Welche Rolle spielen Sie in "Sörensen hat Angst"?

Anna-Lena Schwing: Ich spiele die Tochter einer Kommissarin, gespielt von Katrin Wichmann, die mit dem von Bjarne Mädel gespielten Ermittler Sörensen zusammenarbeitet.

Sie haben einen kurzen, aber prägenden Auftritt. Was charakterisiert diese Tochter?

Schwing: Sie ist, wie viele Teenagerinnen, mit dieser Aufgabe konfrontiert, erwachsen zu werden, und wächst mit ihrer Mutter alleine auf. Sie hat ein bestimmtes Problem, was ich jetzt nicht verraten möchte, und da treffen die beiden, die sehr energetisch aufgeladen sind, ganz schön heftig aufeinander. Eigentlich vermissen sie sich aber ein bisschen, weil das manchmal schwierig ist, wenn man plötzlich groß wird und irgendwie nicht mehr so richtig weiß - 'wie geh ich jetzt mit der Mama um?' Da muss man erst einmal seinen Platz neu finden.

Ihre Figur vertraut sich diesem wildfremden neuen Kommissar Sörensen an, der gerade einmal einen Tag in Katenbüll am neuen Einsatzort ist. Warum macht sie das? Was macht ihn so besonders?

Schwing: Er hat so eine Ruhe, die er mir entgegenbringt und etwas Unvoreingenommenes. Und dann ist so diese Verzweiflung da - ich muss jetzt mit irgendwem sprechen, und meine Mama hat keine Zeit für mich.

Der gleichnamige Roman "Sörensen hat Angst" ist erst nach dem Hörspiel für Deutschlandfunk Kultur von Autor Sven Stricker und Bjarne Mädel entstanden. Wie sind Sie zu diesem Film gestoßen?

Schauspielerin Anna-Lena Schwing aus "Sörensen hat Angst" und "Sløborn" beim NDR © NDR Foto: Patricia Batlle
Schwing war zuvor bereits mit zwei Filmen beim Filmfest Hamburg zu Gast.

Schwing: Ich hatte mir für das Casting für meine Rolle erst das Hörbuch angehört, das es da schon gab. Darin gibt es meine Rolle nicht, die wurde später für den Film dazu gedichtet. Als ich dann das Drehbuch lesen durfte, hat mich besonders fasziniert, dass die Geschichte mit so einem Bjarne-typischen Humor und gleichzeitig sehr berührend mit Melancholie erzählt wird. Es ist lustig und gleichzeitig sehr fein erzählt, der Humor ist niemals platt.

Wie war es, mit Bjarne Mädel als Schauspieler vor - und als Regisseur hinter der Kamera zu arbeiten?

Schwing: Großartig! Das erste Mal habe ich beim Casting mit ihm gearbeitet. Das Tolle an Bjarne ist, dass er die Schauspieler gut versteht, sehr fein arbeitet und in der Regie genau hinschaut, obwohl er gleichzeitig spielt. Er gibt manchmal noch Nuancen mit rein und versteht genau, was man versucht zu spielen. Dadurch, dass er mindestens die Hälfte seines Drehteams schon kannte, hatte man das Gefühl, die machen eigentlich nie etwas anderes, als so zusammen zu arbeiten. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Videos
Schauspieler Bjarne Mädel ist durch das Kameradisplay beim Dreh im strömenden Regen zu sehen.
3 Min

"Sörensen hat Angst": Bjarne Mädel dreht für ARD-Film

Der Schauspieler Bjarne Mädel steht derzeit im Landkreis Diepholz für den ARD-Fernsehfilm "Sörensen hat Angst" vor der Kamera. Er spielt die Hauptrolle und führt gleichzeitig Regie. 3 Min

Wo haben Sie Ihre Szenen gedreht?

Schwing: Wir haben hauptsächlich in Varel an der Nordsee gedreht, ein kleines, winziges Örtchen, typisch Nordsee. Trist und grau, aber irgendwie auch schön.

Stichwort kleiner Ort am Meer: Sie haben in der populären ZDF-Serie "Sløborn" von Christian Alvart mitgespielt, in der es um ein tödliches Virus auf einer Nordseeinsel geht. Sie haben die Serie lange vor der tatsächlichen Pandemie gedreht. Was haben Sie gedacht, als die Anzeichen für eine echte Pandemie immer stärker wurden?

Schwing: Das war völlig absurd! Wir waren alle erstaunt und überrascht. Ich hatte, auch wenn mein Auftritt als gelangweilte Jugendliche in der Serie recht klein ist, doch relativ viele Drehtage, weil ich viel im Hintergrund dabei war. Ich falle da vielleicht auf, weil ich viel Pink getragen habe. Am Set gab es ständig diese Diskussion: "Ist das jetzt zu viel, wenn eine Pandemie ausbrechen würde? Wäre das wirklich so? Würde man wirklich die ganze Zeit Masken tragen?" Und dann ist es wirklich eingetreten.

Veranstaltungen
Regisseur und Schauspieler Moritz Bleibtreu (r.) bei der Weltpremiere seines Filmes Cortex mit Hauptdarsteller Jannis Niewöhner © Georg Wendt / dpa bildfunk Foto: Georg Wendt

Filmfest Hamburg: Weniger Filme, viel Prominenz

Stars wie Moritz Bleibtreu haben ihre neuen Filme bereits vorgestellt. Noch bis Sonnabend läuft das Festival - teils online. mehr

Sie stammen aus Bremen und leben nun in Hamburg. Was verbinden Sie mit dieser Stadt und mit dem Filmfest Hamburg?

Schwing: Meine ersten Dreharbeiten waren immer in Hamburg, zum Bespiel für das "Großstadtrevier" und für "Die Pfefferkörner". Dadurch hat sich bei mir eine Liebe zu Hamburg entwickelt. Ich bin jetzt zum dritten Mal beim Filmfest. Letztes Jahr durfte ich mit einer Hauptrolle im Schwimmerin-Drama "Auf dem Grund" dabei sein und davor mit dem Historien-Drama "Die Affäre Borgward", der 2018 hier lief. Das Filmfest ist für mich Heimspiel. Es ist schön, dabei zu sein. Es ist ein bisschen wie die Stadt Hamburg auch: groß, aber nicht sehr groß. Es hat eine angenehme Atmosphäre.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihre Arbeit betroffen?

Schwing: Ich war sicherlich eine der wenigen, die ein bisschen Glück hatten, weil wir "Sörensen hat Angst" gerade vorher frisch abgedreht hatten. Danach war erst einmal Pause, dann ging es aber relativ zügig für mich weiter. Ich habe zwischendurch über Facetime die Comedy-Webserie "Ausgebremst" für TNT gedreht, mit Maria Furtwängler als Fahrlehrerin, die zufällig eine Seelsorgehotline betreuen muss. Das Drehen übers Tablet war eine merkwürdige Erfahrung, es war so eine typische Corona-Art, eine Serie zu machen. Aber es hat funktioniert.

Das Gespräch führte Patricia Batlle, NDR.de. Der Ausstrahlungstermin für "Sörensen hat Angst" bei Das Erste steht noch nicht fest.

Mehr Filmfest Hamburg
Ein gelbes Plakat mit der Aufschrift "Filmfest Hamburg" © picture alliance/Christophe Gateau/dpa Foto: Christophe Gateau

Fassbinder und mehr: Eröffnung des Filmfestes Hamburg

Das Filmfest Hamburg eröffnet dieses Jahr mit einem Spielfilm von Oskar Roehler über Rainer Werner Fassbinder. NDR 90,3 Reporter Danny Marques berichtet live vom roten Teppich. mehr

Matthias Brandt spielt den Hamburger Polizisten Thomas Bethge im NDR/ARD Degeto Dreiteiler-Kriminaldrama "Das Geheimnis des Totenwaldes" von Sven Bohse © Bavaria Fiction

Neun NDR Produktionen auf dem Filmfest Hamburg 2020

Neun NDR Produktionen feiern Premiere beim Filmfest Hamburg. Mit dabei: Bjarne Mädels Regiedebüt "Sörensen hat Angst", der Auftakt der Trilogie "Das Geheimnis des Totenwaldes" und neue "Pfefferkörner"-Folgen. Bildergalerie

 

Sendehinweis
Bremens Bürgermeister (Jürgen Heinrich) besucht den Autokonstrukteur in dessen Atelier. © NDR/Jörg Landsberg

Die Affäre Borgward

Das bewegende Dokudrama zeichnet Aufstieg und Fall des genialen Autokonstrukteurs Borgward in Bremen nach: eine Geschichte großer Träume und noch größerer Tragik. mehr

Christian Borgward, der Enkel des legendären Borgward Gründers Carl F. W. Borgward. © NDR/Cinecentrum/Sascha Schoeberl

Borgward - Rückkehr einer Legende

Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Aus der Firma, findet die Geschichte Borgwards ihre Fortsetzung im Traum von Christian Borgward. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 25.09.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

Achim von Borries (2. v. li.), am Set der dritten Staffel von "Babylon Berlin" mit Volker Bruch, Thorsten Merten, Luc Feith, Rüdiger Klink, Fritz Roth © Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019 Foto: Frédéric Batier

"Babylon Berlin": Regisseur von Borries über die 4. Staffel

Die Erfolgsserie "Babylon Berlin" wird fortgesetzt: Ab 2021 soll die 4. Staffel in Berlin gedreht werden. Das sagen die Macher. mehr

Mit einem Pinsel gezeichnete Menschen auf Aquarellpapier. © photocase Foto: Patty

Den Stecker gezogen - zur Lage der Veranstalter in MV

Viele von ihnen sind pleite oder stehen kurz davor, deshalb fordert die Kulturbranche schnelle politische Lösungen. mehr

Screenshot: Elbphilharmonie mit Lichtsstrahlen und Farbeffekt © NDR

75 Jahre NDR Elbphilharmonie Orchester

Aus der Geschichte in die Gegenwart: Das NDR EO feiert sein 75. Jubiläum mit Festkonzerten und Konzertmitschnitten. mehr

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind bei einem Konzert in der Elbphilharmonie nur wenige Zuschauer. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Förderung der Kultur - Reicht das um die Kultur zu retten?

Durch die Corona-Pandemie ist der Förderbedarf im Kulturbetrieb mittlerweile groß. Wie lange funktioniert das noch? mehr