Stand: 04.06.2019 11:00 Uhr

Frivole Filmkomödie mit Juliette Binoche

Zwischen den Zeilen
, Regie: Olivier Assayas
Vorgestellt von Krischan Koch

Für ihre Rolle in "Der englische Patient" wurde Juliette Binoche vor über 20 Jahren mit dem Oscar ausgezeichnet. Seitdem hat die Französin mit vielen bekannten Regisseuren des europäischen Kinos gedreht, aber auch in großen Hollywoodproduktionen gespielt. Jetzt ist Juliette Binoche wieder in einem französischen Film zu sehen: "Zwischen den Zeilen".

Léonard ist Schriftsteller. In seinen Romanen rechnet er mit vergangenen Liebschaften ab und dabei verschleiert er kaum, um wen es sich handelt. Die Details seiner Affäre mit einer bekannten Talkshowmoderatorin im neuen Roman gehen seinem Verleger Alain (gespielt von Guillaume Carnet) allerdings zu weit. 

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Léonard (Vincent Macaigne) bei einer Lesung.

Selena (Juliette Binoche), Schauspielerin und Frau des Verlegers, sieht das ganz anders. Dabei hatte auch sie ein langjähriges Verhältnis mit dem Autor. Es geht um die Liebe und die Literatur in dem neuen Film von Olivier Assayas. Die Frage nach Dichtung und Wahrheit stellt sich im digitalen Zeitalter neu. Die hitzigen Debatten über sein neues Buch im Internet hat Léonard noch gar nicht mitbekommen, wie er bei einer Lesung feststellen muss.

Der technische und kulturelle Wandel hat den Literaturbetrieb und auch die Liebe verändert. Das E-Book macht das Lesen flüchtiger, behauptet Regisseur Olivier Assayas: "Wenn mich ein Buch nicht sofort fesselt, habe ich schnell ein nächstes auf meinem Reader. Dasselbe passiert in der Liebe."

Kammerspielartige Szenen mit vielen Dialogen

Assayas Helden haben Affären kreuz und quer. Auch der Verleger hat etwas mit der jungen Mitarbeiterin, die den Verlag ins neue Medienzeitalter führen soll. Jeder hintergeht jeden. Léonards ehemalige Geliebten befürchten, dass die Details literarisch ausgeschlachtet werden oder sie beschweren sich, dass die Fakten nicht stimmen.

In den kammerspielartigen Szenen wird lange geredet, im Restaurant oder beim Rotwein vor der großen Bücherwand in der großbürgerlichen Pariser Wohnung. Der Film nimmt sich alle Zeit für die Lügen und Eitelkeiten seiner Protagonisten. Alles kreist um die Liebe, die Literatur und die Literaturkritik im digitalen Zeitalter.

Es geht um die Zukunft des gedruckten Wortes, um Tweets auf Twitter, um Blogs und Logarithmen. Dabei ist der Film wohltuend altmodisch: ausufernde, aber geistreiche Dialoge, stilvolle Schauplätze und attraktive Schauspieler. Juliette Binoche bei Streitereien und Seitensprüngen zuzusehen ist ein großer Spaß. Der Film ist charmant, witzig und ein bisschen frivol. Wunderbares französisches Kino.

Zwischen den Zeilen

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne
Regie:
Olivier Assayas
Länge:
107 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
6. Juni 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 05.06.2019 | 06:40 Uhr

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