Stand: 15.06.2017 11:25 Uhr

"Wonder Woman": Heldin mit Energie und Lasso

Wonder Woman
, Regie: Patty Jenkins
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Im Jahr 2003 drehte die Regisseurin Patty Jenkins den Film "Monster" mit Charlize Theron in der Rolle einer Serienmöderin. Theron bekam dafür den Darstellerinnenpreis der Berlinale und gewann im selben Jahr auch den Oscar. Nun hat sich Patty Jenkins dem Genre des Superheldinnen-Films gewidmet. In den USA ist "Wonder Woman" bereits ein Erfolg bei Kritik und Publikum.

Die Heldin hat Glück. Sie wächst auf einer versteckten Amazonen-Insel namens Themyscira auf. Ihre Aufgaben: kämpfen, sich stählen, trainieren. Für den Fall, dass der Kriegsgott Ares auf die Erde zurückkehrt, rüsten sich die weiblichen Vertreter einer verlorenen altgriechisch angehauchten Mythologie schon einmal zum Kampf.

Der Erste Weltkrieg stört eine heile Gemeinschaft

In Patty Jenkins' Superheldinnen-Film "Wonder Woman" wird der Kriegsgott Ares den Frieden auf der Insel nicht stören, dafür aber ein sehr gut aussehender amerikanischer Soldat. Steve Trevor, gespielt von Chris Pine, wird mit seinem Flugzeug vor der Amazoneninsel abgeschossen.

Der amerikanische Psychologe und Comic-Autor William Moulton Marston schuf die Comic-Figur "Wonder Woman" im Kriegsjahr 1941. Davor hatte er zusammen mit seiner Ehefrau den Lügendetektor erfunden. Seine Superheldin stattete er ebenfalls mit einer Mischung aus Lügendetektor und Waffe aus: einem glühenden Lasso, mit dem Wonder Woman im Film den amerikanischen Weltkriegssoldaten buchstäblich ausquetscht.

Heldin mit Sinn für Gleichberechtigung

Das wohl Beeindruckendste an "Wonder Woman" ist seine Hauptdarstellerin, die israelische Schauspielerin Gal Gadot. Die Ex-Soldatin und frühere Miss Israel verströmt in der Rolle der Prinzessin Diana alias Diana Prince eine Mischung aus Vitalität, Energie, Eigensinn und Erotik.

Aufgrund ihrer weltabgeschiedenen Insel-Kindheit ist ihre Heldin naiv, aber nicht dumm. Von der Existenz des draußen, jenseits der Inselwelt tobenden Ersten Weltkriegs hat sie bisher noch nichts gehört. Auch dass es mit den Frauenrechten jenseits der Amazonen-Gemeinschaft ziemlich schlecht bestellt ist, wird Diana im Laufe des Films erfahren. Derweil stürzt sie sich an der Seite von Steve in den Kampf gegen die Deutschen. Steve hat Pläne zur Herstellung von chemischen Waffen gestohlen und will sie den Briten bringen, um dadurch den Sieg der Deutschen zu verhindern.

Porträt

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Amüsantes Zusammentreffen mit der Zivilisation

Natürlich ist es nicht jedermanns oder jederfraus Sache, einer Heldin zuzuschauen, die mit Schild, Lasso, Schwert und einer Minirock-Rüstung in den amerikanischen Nationalfarben durch deutsches Maschinengewehrfeuer stürmt. Dabei verzichtet der Film übrigens auf exzessive Gewalt und blutige Duelle. Ansonsten muss man einfach eine gewisse Freude am Superheldinnen-Trash haben, an diesem durch Mauern und Fenster brechenden, immer wieder in Zeitlupe erstarrenden kämpfenden Frauenkörper, um sich in "Wonder Woman" zu amüsieren.

Tatsächlich amüsant ist das Zusammentreffen der Amazone mit der britischen Zivilisation um 1914. Was sind das für unbequeme Röcke, die die Frauen da tragen? Warum gibt es keine Frauen im Parlament? Und wie bewegt man sich als weibliches Wesen mit einem Schwert durch die Straßen von London?

"Wonder Woman" ist kein neuer Superheldendiskurs. Der Film ist ein Märchen und durchaus eine weibliche Belebung des Superhelden-Genres, das sich in den letzten Jahren in männlichen Selbstzweifeln, düsteren Nebengeschichten und Selbstfindungssuchen verloren hat. Patty Jenkins' Wonder Woman kennt keine Sinnkrisen. Sie hat weder Identitäts- noch Familienprobleme, sie hat keine düstere Vergangenheit und keine Depressionen. In eben dieser flachen Geradlinigkeit liegt auch der Schwung der Wunderfrau.

Wonder Woman

Genre:
Fantasy
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, Robin Wright
Regie:
Patty Jenkins
Länge:
141 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
15. Juni 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 15.06.2017 | 07:20 Uhr

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