Samuel Topaly sitzt auf dem Sofa © NDR/Topaly

Elfjähriger aus Osnabrück gewinnt Preis für Holocaust-Film

Stand: 23.06.2021 17:59 Uhr

Beim Bundesfestival Film für junge Profis und Hobby-Filmemacher sind am vergangenen Wochenende in Wuppertal die Preisträger bekannt gegeben worden. Einer von ihnen ist Samuel Topaly aus Osnabrück.

von Josephine Lütke

Der elfjährige Samuel hat einen Film über den Holocaust gemacht und dafür den Jugendfilmpreis bekommen. "Shoah" heißt er und ist eine Dokumentation über den Aufstieg der Nationalsozialisten und die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg.

Eine Synagoge aus Lego mit grauen Steinen, Legomännchen werfen kleine Teilchen auf das Gebäude. Ein Legomännchen kommt aus der Tür, wird von den anderen umgeworfen. So stellt Samuel Topaly die Reichs-Pogromnacht dar. Mit Stop-Motion wird aus vielen Fotos ein Film. In rund zehn Minuten erzählt der Gymnasiast so die Geschichte des Holocaust. Eigentlich sollte er für die Schule eine Collage über die Geschichte von Anne Frank machen, erzählt Samuel: "Doch Collagen, das ist nicht so meins. Deswegen habe ich mir gedacht, ich mache einen Film dazu und betrachte nicht nur den Einzelfall von Anne Frank, sondern das Gesamtbild."

Spezialthema: Der Holocaust

Samuel Topaly © NDR/Topaly
Samuel Topaly vor der heimischen Bücherwand

Für seinen Film setzt er nicht nur auf Lego-Männchen. Er besorgt sich auch Original-Fotos aus dem Holocaust Memorial Museum in Washington. Bilder von brennenden Synagogen und Büchern, Deportation, aber auch von Leichenbergen und den Krematorien. Dem Elfjährigen ist wichtig, dass nichts verharmlost wird: "Es gibt manche Bilder, die sind einfach so schlimm, dass man da nicht hinschauen will. Aber ich habe schon oft Bilder gesehen. Ich war in Yad Vashem und im Holocaust Memorial in Washington."

In Samuels Kinderzimmer finden sich neben Lego-Figuren und Planetenpostern an der Wand auch Bücher wie Orwells "1984", Remarques "Im Westen nichts Neues", "Der 2. Weltkrieg" Band 1 und 2 oder "Der Holocaust" - sein Spezialthema: "Dieses Thema finde ich einfach interessant. Denn einmal ist es nicht so weit in der Vergangenheit und es hat auch noch einen großen Einfluss auf das, was heute passiert."

Preisgeld fließt in neuen Computer

"Geschichte hat bei uns zu Hause einen hohen Stellenwert. Wir reisen viel, und das haben wir schon immer mit den Kindern gemacht, egal, wie klein sie waren. Und ja, ich glaube, da kam einfach durch die Familie ein Interesse", sagt Christine Topaly, die Mutter von Samuel. Für seinen Film hat Samuel zwei Monate gebraucht. Er hat Ausschnitte aus Anne Franks Tagebuch und Interviewsequenzen mit der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries eingebaut. Und die Musik hat er zum Teil selbst gespielt.

In der Jury-Begründung für den Filmpreis heißt es: "Es gelingt ihm, das Ausmaß des Grauens mit aller Ernsthaftigkeit, großem Respekt und ohne Voyeurismus darzustellen." Samuel will mit seinem Film vor allem Kinder und Jugendliche erreichen: "Den Film habe ich auch deswegen gemacht, weil ich beobachtet habe, dass in der Schule oder im Kindergarten manche Kinder antisemitische Äußerungen machen und meistens aber gar nicht wissen, was sie sagen." Mit den 1.000 Euro Preisgeld will sich Samuel Topaly einen neuen Computer kaufen. Denn die nächsten Filmprojekte über die Geschichte des Antisemistismus und die DDR sind schon geplant.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.06.2021 | 17:20 Uhr

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