Fassade eines Kinos mit der Aufschrift "Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder - keine Frage" © imageBROKER Foto: Werner Dieterich

Ein Jahr Corona: Auswirkungen auf die Filmbranche

Stand: 17.03.2021 14:11 Uhr

Vor einem Jahr begann mit dem ersten Lockdown eine Durststrecke für Kulturschaffende. In der Filmbranche gehören die Streamingdienste zu den Gewinnern. Wie steht es um Kinos, kleine Festivals und PR-Agenturen?

von Bettina Peulecke

"Im Grunde war es ein sehr unsicheres Jahr für die gesamte Branche. Gerade die Medien, die mit großem Vorlauf planen, mussten jegliche Kinothemen aus ihren Heften herausnehmen. Denn zu oft haben sie Filme angekündigt, die nicht mehr ins Kino kamen, als das Heft auf dem Markt war. Insofern ist das Jahr geprägt gewesen von völliger Unplanbarkeit", sagt Julia Bartelt von der Film-PR-Agentur A.I.M. Bartelts Aufgabe ist es, Filme an die Medien zu vermitteln. Auch sie hat immer wieder Kampagnen gestartet, die gestoppt wurden. "Was sich bei uns als Herausforderung dargestellt hat, ist die Homeoffice-Situation der Journalistinnen und Journalisten. Denn der Kern unserer Arbeit liegt im Austausch und darin, dass man sich trifft und sieht. All das konnte nicht mehr stattfinden", berichtet Bartelt.

"Keine Zeit zu sterben"- James Bond viermal verschoben

Videos
Daniel Craig mit Sonnenbrille im grauen Anzug in London im neuen James-Bond-Thriller "No Time To Die" © DANJAQ LLC and MGM
3 Min

"No Time To Die": Trailer zum 25. Bond-Film

Das letzte Action-Abenteuer mit Daniel Craig als Agent 007 im Dienste der Königin ist der 25. Bond-Film "No Time To Die". 3 Min

Viermal wurde bereits der angekündigte Starttermin eines Filmes verschoben, den die Agentur auch betreut, und der bislang keine Zeit zum Start hatte: "Keine Zeit zu sterben" heißt der immer noch heiß erwartete neue James-Bond-Film, der im Gegensatz zu vielen anderen Blockbustern nicht direkt von dem Verleih aus in einem Streamingdienst angeboten wird. "In der Berichterstattung zur Lage des Kinos wird der Film 'Keine Zeit zu sterben' immer wieder als Sehnsuchtstitel genannt", sagt Julia Bartelt.

Gutscheinverkauf und Popcorn statt Blockbuster

Denn genau das sind Kinos: nicht nur Filmabspielstätten, sondern Sehnsuchtsorte nach dem gemeinsamen Kultur-Erlebnis. Das wurde im vergangenen Jahr sehr deutlich. Zu Beginn der Pandemie war sich Tobias Rossmann, Leiter des familienbetriebenen Kinos 'Casablanca' in Oldenburg sicher, dass sein Publikum darauf nicht verzichten wolle. Er und viele seiner Kollegen waren gerührt über die Unterstützung, die sie mit Initiativen und Aktionen erfahren haben. Rossmann erzählt: "Die Unterstützung ist nach wie vor da, wir kriegen immer noch Zuschriften von vielen treuen Kinogängerinnen und Kinogängern, die uns die Treue halten und Gutscheine kaufen. Samstags ist immer Wochenmarkt vor der Tür, da machen wir jetzt auf für Gutscheinverkauf, Popcorn und Kaffee. Wir tun einiges, um nicht aus dem Gedächtnis der Leute zu verschwinden. Aber es ist einfach schwierig, auf Dauer einen geschlossenen Betrieb am Leben zu halten."

Virtuelle Festivals: Berlinale und Oldenburg

Auch ein Festival will am Leben erhalten werden - manche setzten komplett auf online und Streaming. Die Berlinale, das größte Publikumsfestival der Welt, wurde zweigeteilt: in einen erfolgreich verlaufenen, virtuellen Branchenevent und eine Präsenzveranstaltung. Die kann hoffentlich im Juni stattfinden. Das wesentlich kleinere Filmfestival Oldenburg mit seinen Independent-Filmen ging einen Mittelweg mit klarer Ansage: "Wir wollten nicht diesen Netflix-Effekt ins Festival tragen. Also haben wir weiterhin einen Zeitplan mit festen Anfangszeiten aufgestellt. Wir haben nicht dieses 'du kannst es gucken, wann immer du willst' angeboten", berichtet Torsten Neumann vom Filmfestival Oldenburg.

Glaube an Zukunft der Kinos

Normalerweise verzeichnete das Filmfest Oldenburg rund 15.000 Zuschauer. 2020 waren es gut 6.000. Das bedeutet einen finanziellen Verlust, der bei den deutschen Kinobetreibern insgesamt dennoch nicht so hoch lag wie befürchtet, sagt Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater. Sieben Kinos mussten bisher deutschlandweit schließen. "Wir glauben, dass wir weiterleben. Und wir unternehmen etwas, damit wir das Publikum wieder empfangen können. Kino hat jetzt eine echte Chance, weil Kino eine unglaublich hohe Wertschätzung vom Publikum bekommt. Wir glauben, dass wir eine echte Zukunft haben, indem wir neue Filme und vielleicht auch uns als Kino manchmal auf eine neue Art zeigen", blickt Berg optimistisch nach vorn.

Weitere Informationen
Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) macht Pfannkuchen - Szene aus "Die Känguru-Chroniken" von Dani Levy © x Verleih

Kino in Corona-Zeit: Rückblick aufs (Katastrophen-) Filmjahr

2020 wird wohl als Katastrophen-Jahr auch in die Geschichte der deutschen Film-Branche eingehen. Ein Rückblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 17.03.2021 | 15:40 Uhr

Mehr Kultur

Szene aus "Die Fledermaus" an der Staatsoper Hamburg © Staatsoper Hamburg/Karl Forster Foto: Karl Forster

Live: Strauß' "Fledermaus" aus der Staatsoper Hamburg

Exklusiv fürs Radio kommt "Die Fledermaus" am Samstagabend live in einer konzertanten Fassung aus der Staatsoper Hamburg zu Ihnen. mehr