Stand: 20.12.2017 15:00 Uhr

Gefährliche Bergtour im Nebel

Drei Zinnen
, Regie: Jan Zabeil
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Jan Zabeils Film "Drei Zinnen" mit dem Schauspieler Alexander Fehling in der Hauptrolle hat schon eine kleine Festivalkarriere hinter sich. Der in den Bergen spielende Psychothriller eröffnete die Hofer Filmtage, gewann dort den Förderpreis Neues Deutsches Kino und wurde auf das Filmfestival von Locarno eingeladen.

Aaron (Alexander Fehling), Lea (Bérénice Bejo) und Leas Sohn Tristan (Arian Montgomery) - Szene aus dem Film "Drei Zinnen" © NFP

Filmtrailer: "Drei Zinnen"

In Zabeils etwas provinziellem Psychodrama "Drei Zinnen" machen Aaron und Stiefsohn Tristan eine Bergwanderung. Ein harmloses Detail führt zu einem Konflikt zwischen den beiden.

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Gemeinsamer Urlaub einer Patchworkfamilie

Ein Erwachsener und ein Kind. Ein Mann und ein Junge. Ein Stiefvater und der Sohn seiner Freundin. Jan Zabeils Film "Drei Zinnen" dreht sich um diese zunächst unbeschwert wirkende Konstellation. Lea, gespielt von Bérénice Bejo, lebt schon seit einigen Jahren nicht mehr mit dem Vater ihres Sohnes Tristan zusammen. Gemeinsam mit dem Sohn und ihrem neuen Freund Aaron fährt sie auf eine einsame Berghütte. Das Projekt: Der Sohn soll sich an den Neuen der Mutter gewöhnen. Etwa indem er von dem Älteren etwas beigebracht bekommt. Der kann so einiges; etwa Klavier- und Orgelspielen.

Drei Menschen, der Schnee, die einsame Berglandschaft. Von Anfang an liegt eine leicht beunruhigende Stimmung über den Bildern dieses Films. In manchen Momenten scheint die Kamera geradezu darauf zu lauern, dass etwas geschieht. Aber was geht hier eigentlich vor? Warum mag man als Zuschauer der Idylle nicht trauen? Ist es wirklich eine gute Idee, dass Aaron und Tristan eine Art "Männerausflug" zu den titelgebenden Bergen machen?

Psychodrama vor grandiosem Bergpanorama

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Gemeinsam wärmen sich Aaron (Alexander Fehling) und Tristan (Arian Montgomery) am Feuer.

Ganz klar: Der Psychothriller ist in der deutschen Filmlandschaft kaum existent - jenes Kinogenre, das seine Spannung aus plötzlich unheimlich wirkenden Alltagssituationen zieht, aus einer beklemmend unterwanderten Wirklichkeit. In Zabeils Film brechen Aaron und Tristan zu einer weiteren Wanderung auf. Ein harmloses Detail wird zum Beginn eines fast archaischen Kampfes zwischen dem Jungen und dem Stiefvater.

Befremdlich ist, dass die Dialoge das, was wir bereits wissen, noch einmal erzählen. Ein Grundübel deutscher Filme, die vom Fernsehen koproduziert werden. So als müsse man dem vermeintlich ewig abgelenkten, unkonzentrierten Fernsehzuschauer alles doppelt und dreifach einhämmern.

Schwer nachvollziehbares Finale

Ziemlich bald ist klar: Tristan empfindet den neuen Freund der Mutter als Konkurrenten seines Vaters. Er spürt Aarons Souveränität und Überlegenheit und dann kommt die Szene am Lagerfeuer, die das alles nochmals erzählt.

Jan Zabeil führt die Spannung zwischen Aaron und Tristan ins Extrem, hin zu einer brutalen, existenziellen Auseinandersetzung in der Natur. Doch dieser Exzess wirkt nicht nachvollziehbar. Es scheint, als entwickle sich hier aus deutscher Küchenpsychologie das harte Ende eines amerikanischen Genrefilms. Manchmal wirkt der deutsche Film umso provinzieller, je amerikanischer er sein will.

Drei Zinnen

Genre:
Psychodrama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland, Italien
Zusatzinfo:
mit Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery
Regie:
Jan Zabeil
Länge:
90 min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
21. Dezember 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 21.12.2017 | 07:20 Uhr

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