Stand: 09.05.2017 14:20 Uhr

Road-Movie zum Schmunzeln

Das Ende ist erst der Anfang
, Regie: Bouli Lanners
Vorgestellt von Walli Müller

Das faszinierende am Kino ist, dass auf der großen Leinwand so vieles funktioniert: opulente Spektakel, Marke Hollywood, - genau so wie kleine Filme, die gerade durch ihre Reduziertheit wirken. Ein Faible für letztere hat der belgische Regisseur Bouli Lanners. "Das Ende ist erst der Anfang" heißt sein neuer Film, der bei der Berlinale den Preis der ökumenischen Jury gewonnen hat.

Noch vor der Geschichte hatte Regisseur Bouli Lanners, der Malerei studiert hat, eine Landschaft im Kopf: endlos flaches Ackerland, durchzogen von einer Eisenbahntrasse auf Betonstelzen. Er hatte dieses Motiv bei einer Zugfahrt durch Frankreich gesehen und sich den Ort gemerkt. In seinem Film lässt er nun ein junges Pärchen über diese stillgelegte Zugstrecke wandern. Zwei, die offenbar auf der Flucht sind. Verlorene Pünktchen in der gottverlassenen Einöde. Ein Bild, passend zur Endzeitstimmung der Figuren.

Skurriles Personal in trostloser Landschaft

"Das Ende ist erst der Anfang" ist ein Film über einsame, verlassene Menschen - wie Gilou und Cochise. Zwei Kerle mit wilden Bärten, der eine gespielt vom Regisseur selbst. Zwei, die als Outlaws jeden Western schmücken würden. Nur reiten sie hier nicht, sondern sind - zu Steel-Guitar-Klängen - im Pickup unterwegs, um ein gestohlenes Handy zu orten und ihrem Auftraggeber zurückzubringen. Sie reden dabei nicht viel - und wenn, dann ziemlich Bizarres.

Das skurrile Personal lässt eine schwarzhumorige Thriller-Handlung im Stile der Coen-Brothers erwarten. Doch auf ein bestimmtes Genre lässt sich der Film nicht festlegen. Es steckt ein wenig Western drin, ein wenig Krimi; am ehesten aber trifft es "Road-Movie", weil der Weg hier das Ziel ist, weil die zwei abgebrühten Rauschebart-Träger unterwegs zu anderen Menschen werden. Ursächlich dafür ist, dass sie bei der Erledigung ihres Jobs immer wieder ausgebremst werden - mal durch eine Herzattacke, mal durch platt geschossene Autoreifen.

Optimismus in düsterem Ambiente

Auf wundersame Weise erwächst aus jedem Missgeschick letztlich etwas Gutes. Denn so finster das Ambiente und die Gesichter der Typen sind, so optimistisch ist doch die Grundhaltung des Films. Man könnte es auch Gottvertrauen nennen, denn der Regisseur sagt selbst von sich, dass er ein gläubiger Mensch sei. Er lässt sogar göttliches Personal auftreten.

Hier lässt der Film Interpretationsspielraum. In der kärgsten Landschaft - zwischen Industriebrachen und alten Lagerhallen - zeigen sich Menschen, die sich selbst schon fast aufgegeben hatten, plötzlich fähig zu Gesten der Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit. So wird es Gilou zum Herzensanliegen, einen toten Obdachlosen anständig zu beerdigen.

Max von Sydow gibt als Bestatter ein kurzes Gastspiel in "Das Ende ist erst der Anfang" - einer von vielen berührenden Momenten in diesem eigenwilligen und sehr philosophisch deutbaren Film. Eine "Komödie" wollte Bouli Lanners auf keinen Fall drehen, sagt er. Aber zum Schmunzeln ist sein Film doch!

Das Ende ist erst der Anfang

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Frankreich, Belgien
Zusatzinfo:
mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément
Regie:
Bouli Lanners
Länge:
97 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
11. Mai 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 10.05.2017 | 06:40 Uhr

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