Sendedatum: 09.12.2018 23:35 Uhr

Ein Film über Freundschaft, Liebe und Jazz

It Must Schwing! The Blue Note Story
, Regie: Eric Friedler

Am 2. Juli feierte "It Must Schwing!", der neue Dokumentarfilm des vielfach ausgezeichneten Regisseurs Eric Friedler, auf dem Münchner Filmfest Weltpremiere - jetzt kommt er in die Kinos. Der NDR Film erzählt die bewegende Geschichte von zwei Deutschen, die vor fast 80 Jahren in New York das legendäre Plattenlabel Blue Note Records gründeten.

Alfred Lion (r.) und Francis Wolff. © Studio Hamburg Enterprises/NDR

Vorschau: "It Must Schwing! The Blue Note Story"

Zwei Deutsche fliehen vor den Nazis nach New York und gründen Blue Note Records. Sie sind keine Musiker, aber haben ein Gespür für den Groove. Ihre Forderung: "It must schwing!"

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In der Musikwelt gehört das Plattenlabel Blue Note Records zu den ganz großen Namen. Es war wegweisend für die Entwicklung der schwarzen Musik in den USA. Jazz-Giganten wie Herbie Hancock, Quincy Jones, Sonny Rollins, Wayne Shorter, Miles Davis, John Coltrane, Thelonious Monk, Ornette Coleman oder Ron Carter - sie alle haben, oft in jungen Jahren, mit Blue Note Records Aufnahmen gemacht. Aufregende neue Künstler, ein kristallklarer Sound und grafisch hochmoderne Plattencover - das waren die Markenzeichen des Labels.

Blue Note Records: Eine Plattenfirma für schwarze Musik

Viel weniger bekannt ist die Geschichte dieser legendären Firma. 1939 gründeten Alfred Lion und Frank (auch "Francis") Wolff, zwei junge Emigranten aus Berlin, in New York die erste Plattenfirma, die sich ganz der schwarzen Musik verschrieb. Alfred und Francis waren selbst keine Musiker, aber sie hatten das genaue Gespür für einen lebendigen Sound und den richtigen Groove. Ihre einzige Forderung: "It must schwing". Ja, ihr Englisch klang sehr deutsch - daran erinnern sich alle Protagonisten des Dokumentarfilms.

Die Anfänge des Labels waren bescheiden, und richtig reich wurden sie niemals - aber sie prägten die Geschichte der Jazz-Musik für immer. "It Must Schwing!" erzählt von zwei Freunden, die verbunden waren durch ihre leidenschaftliche Liebe zur Jazz-Musik und den tiefen Glauben an menschliche und künstlerische Freiheit.

Eine Welt ohne Rassentrennung

Bevor die Bürgerrechtsbewegung in den 1950er- und 1960er-Jahren ihren Höhepunkt erreichte und Martin Luther King, Jr. seine berühmte Rede "I Have A Dream" in Washington hielt, lebte man bei Blue Note die Utopie einer Welt ohne Rassentrennung schon lange einfach selbstverständlich. In einer Zeit, in der afroamerikanische Musiker in den USA unter extremer Diskriminierung und Ausgrenzung litten, wurden sie von den deutschen Emigranten Alfred Lion und Francis Wolff als gleichberechtigte Künstler respektiert. Hier wertschätzte man nicht nur ihr Talent, sondern gab ihnen eine dringend benötigte Plattform. Heute müssen Alfred Lion und Francis Wolff wohl als frühe Wegbereiter dieser Bewegung gelten.

Flucht vor den Nazis

Alfred Lion (1908-1987) und Francis Wolff (1908-1971) lernten einander schon als Teenager in ihrer gemeinsamen Heimatstadt Berlin kennen und teilten vor allem ihre Liebe für zeitgenössische amerikanische Musik. Ihr jüdischer Glaube machte es ihnen nach 1933 zunehmend schwer, im nationalsozialistischen Deutschland zu leben und Alfred entschied sich als Erster, nach Amerika zu gehen.

NDR Dokumentarfilmer Eric Friedler © NDR, honorarfrei

Eric Friedler über seinen Film "It Must Schwing!"

NDR Info Jazz

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Den Freunden war immer klar, dass sie ihre Liebe zum Jazz gemeinsam zum Beruf machen wollten. Nachdem beide in New York angekommen waren, verwirklichten sie ihren Traum: Alfred, Talentsucher und Produzent, schuf mit Hilfe des kongenialen Toningenieurs Rudy Van Gelder (1924-2016) den unverwechselbaren Blue-Note-Sound. Francis entwickelte mit seinen Fotografien und den Ideen des Grafikers Reid Miles (1927-1993) für die Cover den einzigartigen Look der Blue-Note-Platten.

1965 verkauften Alfred Lion und Francis Wolff Blue Note und Alfred ging in den Ruhestand. Francis Wolff, der noch eine Weile für das Label gearbeitet hatte, starb überraschend 1971. Auf seinem Grabstein steht "Friend of Alfred Lion".

Herbie Hancock: "Blue Note ist wie eine Heimat"

Eric Friedler rekonstruiert die Geschichte der beiden Jazz-Enthusiasten mit eigens produzierten Trickfilmszenen (das Buch dazu schrieb er mit Autorin Silke Schütze), selten gesehenem Archivmaterial und zahlreichen Interviews: Herbie Hancock, Wayne Shorter, Ron Carter, Quincy Jones, Kenny Burrell und viele andere waren sofort zu Gesprächen bereit. Sie alle wissen und betonen in dem berührenden Doku-Drama (Redaktion: Christoph Bungartz, Executive Producer: Wim Wenders), was sie den deutschen Jazz-Enthusiasten zu verdanken haben. "Blue Note ist wie eine Heimat", sagt Herbie Hancock. "Es ist der Ort, an dem meine Karriere begann."

Das sagen die Blue-Note-Jazzer im Film

It Must Schwing! The Blue Note Story

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Benny Golson, Wayne Shorter, Benny Maupin, Sheila Jordan, Quincy Jones, Lou Donaldson, Sonny Rollins, Herbie Hancock, Ron Carter Michael Cuscuna, Dan Morgenstern, Charles Tolliver, Cecil McBee, Kenny Burrell, Jimmy Heath, Reggie Workmann, Rolf Kühn, George Benson u.a.
Regie:
Eric Friedler
Länge:
115 Min.
Kinostart:
6. September 2018

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | 09.12.2018 | 23:35 Uhr

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