Stand: 27.06.2018 13:28 Uhr

Paartherapie mit zwei schwierigen Patienten

Die Wunderübung
, Regie: Michael Kreihsl
Vorgestellt von Katja Nicodemus

"Die Wunderübung" heißt ein Theaterstück des Autors Daniel Glattauer, das im deutschsprachigen Raum ein großer Erfolg war. Regisseur Michael Khreisl hat es verfilmt.

Ein Mann und eine Frau haben in der U-Bahn Blickkontakt. Als sie aussteigen, stellt sich heraus, dass sie beide denselben Weg nehmen. Im angesteuerten Haus nimmt sie die Treppe und er den Aufzug. Kurz darauf sitzen beide im Zimmer eines Paartherapeuten. Die Atmosphäre ist zum Schneiden.

Die Patienten im Büro des Paartherapeuten Harald sind das Wiener Ehepaar Valentin und Joana Dorek. Valentin zupft an seinen Socken und Schnürsenkeln, seine Frau greift immer wieder nervös zur Mineralwasserflasche. Der Therapeut, von Erwin Steinhauer mit sympathisch österreichischem Phlegma gespielt, versucht zunächst die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden herauszuarbeiten und Verbindungslinien zu ziehen. Aber seine Mühen sind vergeblich. Deshalb versucht er es mit vielen Tricks wie einem Rollentausch oder meditativen Wunderübungen.

Schauspieler wirken aufgesetzt und übertrieben gereizt

Devid Striesow und Aglaia Szyszkowitz sind eigentlich beide hervorragende Schauspieler. Doch in "Die Wunderübung" spielen beide aufgesetzt, gewollt nervös und übertrieben gereizt. So als seien sie nicht ganz bei sich. So als würden sie nicht von der Regie aufgefangen. Und tatsächlich scheint sich der Regisseur Michael Kreihsl nicht die geringsten Gedanken über das visuelle Konzept seines Kammerspiels gemacht zu haben.

Spannung stellt sich nicht ein

Die Paartherapiesitzung wird im langweiligsten aller Verfahren aufgelöst. Schnitt, Gegenschnitt. Einstellung des Mannes, eine Einstellung der Ehefrau, eine Einstellung des Therapeuten. Die Spannung, die die Bilder nicht erzeugen können, vermag sich auch nicht im Dialog einzustellen. Dabei müsste ein Kammerspiel über Menschen, die sich auseinandergelebt haben, seinen Schauspielern Gelegenheit geben, die Anspannung gemeinsam ins Bild zu setzen, eine Spannung aufzubauen, die nicht durch die Kamera oder den Schnitt zerhackt wird.

Sprachliche Beschränktheit der Vorlage

Im englischsprachigen Kino wurden solche aufgeladenen Situationen in den letzten Jahre auf packende Weise inszeniert: Etwa in Roman Polanskis Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels" oder in Sally Potters Berlinale-Beitrag "The Party". 

Das Problem von "Die Wunderübung" ist allerdings schon die sprachliche Beschränktheit der Vorlage. Alles bleibt auf einer Tonlage. Und als das gemeinsame Kennenlernen beim Tauchen zur Sprache kommt, verfällt das Ehepaar in arg artifizielle Metaphern. Die Dialoge sind gereizt, aber nicht spannungsvoll gesprochen. Der Film zeigt eine gewisse Fernsehroutine, aber er wirkt nicht wie für das Kino gefilmt.

Wie der Streit eines Paares am Nachbartisch

"Die Wunderübung" pendelt sich auf einer banalen Mittellage der deutschen Komödie ein. Letztlich kommt einem dieser Film vor wie der Streit eines Paares am Nachbartisch, den man zufällig mitbekommt. Was für Verschwendung von Zeit, Geld und Schauspielerkönnen. Als Zuschauer möchte man Michael Khreisl jedenfalls nicht das Honorar für diese Therapiesitzung bezahlen.

Die Wunderübung

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Österreich
Zusatzinfo:
mit Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer
Regie:
Michael Kreihsl
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
28. Juni 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 28.06.2018 | 07:20 Uhr

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