Stand: 06.01.2020 10:21 Uhr  - NDR Kultur

Golden Globes: Wer räumte ab, wer ging leer aus?

ARD-Korrespondentin Nicole Markwald hat die Preisverleihung der Golden Globes in Los Angeles am Sonntagabend verfolgt. Ein Gespräch über die Gewinner wie Sam Mendes und Olivia Colman, die Verlierer - wie etwa den Streaming-Giganten Netflix - und besondere Momente der Gala mit US-Schauspieler Tom Hanks und Moderatorin Ellen DeGeneres.

Wer hat so richtig abgeräumt bei der Gala zu den Golden Globes?

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Regisseur und Autor Quentin Tarantino (2. v. l.) hatte gut Lachen: Sein Film "Once Upon A Time ... In Hollywood" war großer Sieger des Abends mit drei Preisen.

Nicole Markwald: Es waren viele im Vorhinein davon ausgegangen, dass der Streaming-Dienst Netflix der große Gewinner sein wird, mit Produktionen wie "The Irishman" von Martin Scorsese oder mit Noah Baumbachs "Marriage Story", das Scheidungsdrama mit Scarlett Johansson und Adam Driver in den Hauptrollen. Dem war aber nicht so.

Zum einen war der große Gewinner der US-Bezahlsender HBO, ein alter Bekannter. Hier wurden gleich zwei seiner Produktionen ausgezeichnet, denn die Golden Globes ehren nicht nur Kino-, sondern auch Fernsehproduktionen: "Chernobyl" über die Atomkatastrophe und die Serie "Succession". Im Bereich Film einen großen Erfolg für Sam Mendes, Regisseur von "American Beauty". Sein neuester Film "1917" spielt im Ersten Weltkrieg. Er wurde als Bestes Drama und Mendes als Bester Regisseur geehrt. Auch Quentin Tarantino hatte einen sehr guten Abend. Es gab drei Preise für seinen Film "Once Upon A Time ... In Hollywood" - die für die Beste Komödie, für das Beste Drehbuch und Brad Pitt wurde als Bester Nebendarsteller geehrt.

Welche besonderen Momente gab es bei der Preisverleihung?

Joaquin Phoenix (links) und der Brite Taron Egerton bei der Preisverleihung der Golden Globes 2020 in Hollywood © Chris Pizzello/Invision/AP/dpa-Bildfunk

Golden Globes: Einschätzungen von Nicole Markwald

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Bei den 77. Golden Globes in L.A. haben Joaquin Phoenix, Taron Egerton, Olivia Colman und Phoebe Waller-Bridge Globes als beste Hauptdarsteller erhalten. Ein Gespräch über die Gala.

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Markwald: Es gab in diesem Jahr zwei Ehrenpreise. Einmal für die Moderatorin Ellen DeGeneres, deren Karriere bekam einen heftigen Dämpfer, als sie sich outete. Ihre Serie wurde abgesetzt. Sie hatte jahrelang mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen und hat sich langsam zurückgekämpft. Sie zählt heute zu den beliebtesten Moderatorinnen des Landes. Auf der anderen Seite stand Tom Hanks auf der Bühne, weil er den Preis für sein Lebenswerk bekam. Da gab es viele Filmausschnitte, die nicht nur ihn selbst, sondern auch das Galapublikum zu Tränen rührten oder zum Lachen brachten. Und da gab es Momente, wo man schlucken musste. Zum Beispiel als die Schauspielerin Michelle Williams auf die Bühne kam. Sie gewann einen Preis für ihre Rolle in der Serie "Fosse/Verdon" und nutzte diese Gelegenheit, um über die Selbstbestimmung der Frau zu sprechen - mit einem flammenden Plädoyer. Sie nutzte außerdem die Chance, um alle aufzufordern, dieses Jahr zur Wahl zu gehen.

Der britische Komiker Ricky Gervais moderierte zum fünften Mal die Show, er tritt ja gern den Hollywoodpromis gern mal auf die Füße. Wie war das in diesem Jahr?

Markwald: Nicht anders (lacht). Man schämt sich etwas fremd, oder man lacht auch mal mit. Die Seelen der Hollywoodstars sind zart und empfindlich. Manche zittern ein bisschen, was er wohl wieder vom Stapel lässt. Er sagt immer wieder, ihm sei das egal. Er wisse gar nicht, warum ihn der Verband der Auslandspresse, die die Golden Globes verleiht, bitte, die Preisverleihung zu moderieren. Das seien altmodische Leute, von Twitter hätten die noch nie etwas gehört. Seine Anfrage habe er per Fax bekommen und er machte sich darüber lustig.

Aber er sagte auch, "Hey, bleibt mir vom Leib mit euren Reden, mit euren politischen Statements. Was gibt euch das Recht, diese Statements zu machen und uns zu sagen, wie wir zu reden oder zu denken haben? Ihr seid doch noch weniger zur Schule gegangen als Greta Thunberg! Weshalb sollten wir ausgerechnet euch zuhören?" Das ist harter Stoff für die, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Filme zu drehen und dann natürlich Botschaften loszuwerden, die in ihrer Kunst stecken und auch von ihnen als Person kommen. Aber der Verband der Auslandspresse weiß ganz genau, worauf er sich mit diesem Moderator einlässt.

Das Gespräch führte NDR Kultur Moderator Philipp Schmid.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 06.01.2020 | 07:20 Uhr

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