Stand: 09.01.2019 14:11 Uhr

Poetisches Roadmovie zur Zeit der Wende

Adam und Evelyn
, Regie: Andreas Goldstein
Vorgestellt von Katja Nicodemus
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Evelyn (Anne Kanis) und Adam (Florian Teichtmeister) genießen im Garten das schöne Sommerwetter.

Im vergangenen Jahr war Andreas Dresens Film "Gundermann" über den gleichnamigen DDR-Sänger, Baggerführer und Stasi-Spitzel ein Überraschungserfolg im Kino. Nun startet ein weiterer Film, der sich mit der DDR befasst: "Adam und Evelyn" von Andreas Goldstein - nach dem gleichnamigen 2008 erschienenen Roman von Ingo Schulze. Anne Kanis und Florian Teichtmeister spielen ein Paar, das in den letzten Wochen der DDR vor einer schicksalhaften Entscheidung steht.

Ein Umbruch liegt in der Luft

Es ist der Sommer des Jahres 1989. Adam und Evelyn leben irgendwo in der ostdeutschen Provinz in beschaulicher Zweisamkeit. Sie ist Kellnerin, er Fotograf und Schneider. Adam wird von den Frauen geliebt, für die er die Kleider macht. Als Evelyn ihn bei einer intimen Situation mit einer Kundin überrascht, fühlt sie sich verraten.

Statt mit Adam in die Ferien nach Ungarn zu fahren, fährt Evelyn mit ihrer Freundin und deren Westcousin. Adam fährt in seinem alten Wartburg hinterher. Das ist die private Konstellation - die andere, weltgeschichtliche, politische, dringt aus dem Autoradio in die sommerlichen Bilder dieses poetischen Roadmovies.

"Adam und Evelyn" spielt im Wendesommer, in den letzten Tagen der DDR. Doch das Land des Liebespaares sieht nicht aus wie der Arbeiter- und Bauernstaat. Oder sagen wir es so: Dieses Land mag die DDR sein, es ist aber zunächst einmal eine Heimat.

Poetische Bilder und Dialoge

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Adam macht die Reise in seinem alten Wartburg.

Ein fliegenflirrender heißer Sommer. Eine lichtdurchflutete grüne Landschaft. Andreas Goldstein und seine Ko-Autorin und Kamerafrau Jakobine Motz erschaffen einen poetischen Raum, in dem Platz ist, für die Gedanken einer Generation und für Dialoge, die ebenfalls poetisch wirken. Weil sie angenehm unsentimental sind - und spröde, so wie Evelyns Gespräch mit dem Westcousin der Freundin an einem ungarischen See.

Adam und Evelyn kommen wieder zusammen. Sie machen Urlaub in Ungarn. Es gibt kleine Symptome der Beziehungskrise. Und es gibt Anzeichen dafür, dass Adam zumindest unbewusst doch das Gefühl hat, dass die Weltlage auf ihn und Evelyn einwirkt. In diesen Tagen und Wochen, da der Untergang der DDR in der Luft liegt und alle von Flucht reden, will man eben das, was wichtig ist, dabei haben.

Der Beginn einer neuen Zeit

Adam und Evelyn fahren immer weiter. Auf- und Umbruch liegen in der Luft. Die Grenzen sind offen. Irgendwann landen sie in Österreich. Schließlich in Westdeutschland. Natürlich ist dieser Film kein realistisches Roadmovie über die Flucht aus einem zusammenbrechenden Land. Sondern die märchenhafte Erzählung über eine Zeit, über das Heimatempfinden einer Generation - mit dennoch realistischen Einsprengseln.

Der Film handelt von einem Paar, das sich selbst aus seinem Paradies vertrieben hat. Oder aus dem Land, das nun mal die Heimat war. Der Film wirft die Frage auf, ob man überall leben kann. Er formuliert die Hoffnungen, die mit dem Beginn der neuen Zeit und mit dem Ende der alten verbunden sind. Er verströmt den Ernst und die Zeitlosigkeit einer Parabel und besitzt doch die Leichtigkeit einer Sommererzählung. "Adam und Evelyn" ist ein deutsches Märchen über das Ende der DDR und den Anfang, den dies hätte bedeuten können.

Adam und Evelyn

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Florian Teichtmeister, Anne Kanis, Lena Lauzemis
Regie:
Andreas Goldstein
Länge:
100 Minuten
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
10. Januar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 10.01.2019 | 07:20 Uhr

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