US-Schauspielerin Sharon Stone (v.l.), Vincent Lindon (Schauspieler), Regisseurin Julia Ducournau und Schauspielerin Agathe Rousselle bei der Übergabe der Goldenen Palme von Cannes für "Titane" © Vadim Ghirda/AP/dpa -Bildfunk

Goldene Palme für französischen Horrorfilm "Titane"

Stand: 18.07.2021 11:00 Uhr

Die 74. Filmfestspiele von Cannes sind am Sonnabend zu Ende gegangen: Gesiegt hat der feministische Horrorfilm "Titane" der Französin Julia Ducournau. Das in Hamburg gedrehte Drama "The Story of My Wife" ging leer aus.

von Patricia Batlle

Die 37-jährige Französin Julia Ducournau ist erst die zweite Regisseurin in der Geschichte des Festivals an der Croisette mit einer Goldenen Palme. 28 Jahre zuvor hatte Jane Campion mit "Das Piano" als erste Frau bei dem Festival den Hauptpreis erhalten.

 

US-Schauspielerin Sharon Stone (v.l.), Vincent Lindon (Schauspieler), Regisseurin Julia Ducournau und Schauspielerin Agathe Rousselle bei der Übergabe der Goldenen Palme von Cannes für "Titane" © Vadim Ghirda/AP/dpa -Bildfunk
AUDIO: Kommentar: Cannes und seine Preisverleihungen (4 Min)

Jurypräsident Spike Lee verplappert sich und nennt Goldene Palme

Der Abend im Hauptkino der Filmfestspiele begann mit einer Panne: US-Regisseur und Jurypräsident Spike Lee hatte gleich zu Anfang der Zeremonie verraten, dass die Goldene Palme des Wettbewerbs mit 24 Filmen an "Titane" gehen solle - zum Entsetzen der Jurymitglieder. Mehr als eine halbe Stunde später und nach der Verkündung aller anderen Palmen kam US-Schauspielerin Sharon Stone auf die Bühne und verkündete gemeinsam mit Lee, der Film "Titane" erhalte die Goldene Palme. Tränenüberströmt kam die Regisseurin und Drehbuchautorin Ducournau auf die Bühne und nahm die Auszeichnung entgegen.

Szene aus "Titane" dem Film mit der Goldenen Palme 2021 aus Cannes von Julia Doucournaux © Carole Bethuel
Agathe Rousselle spielt die Hauptrolle als Killerin in "Titane" - einem Fantasy-Horrorfilm aus Frankreich.

Vor lauter Schreck dankte sie der Jury und insbesondere Spike Lee auf Englisch. "Ich weiß gar nicht, warum ich Englisch spreche, ich bin doch Französin! Ich liebe diesen Abend, Spike", beichtete sie. Sie widmete die Palme ihrem Team und ihren Hauptdarstellern Vincent Lindon und Agathe Rousselle.

Goldene Palme für Fantasy-Horror "Titane"

Letztere spielt eine junge Killerin, die als Kind einen Autounfall erlebt und seitdem eine Titanplatte im Kopf trägt. Sie tanzt auf Sportwagen und tötet jeden, der ihr zu nahe kommt. Schließlich gibt sie sich als Mann aus, um der Polizei zu entkommen. Der Fantasy-Horrorfilm war beim Publikum und der Kritik kontrovers aufgenommen worden. Es ist nach "Raw" von 2016 erst der zweite Spielfilm Ducournaus.

Kein Preis für "The Story of my Wife" von Ildikó Enyedi mit Hamburger Geschichte

Der zum Teil in Hamburg gedrehte und von der Moin Filmförderung unterstützte Film "The Story of my Wife" von Ildikó Enyedi erhielt keine der sieben Palmen bei der Abschlussgala. Stattdessen ging der Große Preis der Jury an gleich zwei Filme: das im Zug spielende Roadmovie "Hytti No 6" des Finnen Juho Kuosmanen und an die iranische Gesellschaftskritik "A Hero" des zweifachen Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi. Als bester Regisseur wurde Leo Carax geehrt, der das 74. Festival mit seinem starbesetzten Musical "Annette" mit Adam Driver und Marion Cotillard eröffnet hatte.

Schauspiel-Palmen für Renate Reinsve und Caleb Landry Jones

Filmszene aus dem japanischen Film  "Drive my car", ausgezeichnet mit der Silbernen Palme für das beste Drehbuch für Ryusuke Hamaguchi und Takamasa Oe © FDC Festival de Cannes
"Drive my car" handelt von einem Theaterregisseur, der "Onkel Wanja" inszeniert und von seiner Chauffeurin, die ihn jeden Tag zu den Proben fährt.

Der US-Amerikaner Caleb Landry Jones spielt einen Massenmörder in "Nitram" von Justin Kurzel. Dafür erhielt er die Silberne Palme als bester Schauspieler. Als beste Schauspielerin nahm die Norwegerin Renate Reinsve die Silberne Palme entgegen. Sie spielt die Hautprolle in Joachim Triers Liebesfilm "The Worst Person in The World". Die Goldene Ehrenpalme des Festivals hatte zuvor bereits US-Schauspielerin Jodie Foster erhalten.

Der Japaner Ryūsuke Hamaguchi nahm gemeinsam mit Takamasa Oe die Palme für das beste Drehbuch für "Drive My Car" entgegen. Das Drama handelt von einem Theaterregisseur, der seine Frau verloren hat und nun ein Theaterstück inszeniert und von der jungen Frau, die ihn jeden Morgen zur Arbeit fährt. Der Film über Liebe, Verlust, Trauer und Freundschaft werde wohl Filmgeschichte schreiben, hatte NDR Kultur Filmkritikerin Katja Nicodemus prophezeit - und Recht behalten. Alle weiteren Palmen von Cannes führen die Filmfestspiele auf ihrer Website auf.

Bei der Festival-Pressekonferenz zu ihrem Film "The Story of My Wife" erzählte die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi , wie sie zur Verfilmung der Hamburger Geschichte nach einem Roman Milán Füsts kam. Das historische Drama, das am 14. Oktober bundesweit im Kino startet, handelt von Kapitän Jacob Stör: Dieser wettet mit einem Freund, dass er die erste Frau, die ins Café kommt, heiraten wird. Die Hauptrollen spielen Léa Seydoux und Gijs Naber.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 18.07.2021 | 06:20 Uhr

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